Nordischer Konzern Flokk übernimmt Bürohersteller Giroflex
Kanton Aargau
20.07.2017 15:26
Der Nordische Konzern Flokk hat den Koblenzer Bürostuhl-Hersteller Giroflex übernommen. Die Zukunft des Produktionsstandorts und des Firmensitzes in der Schweiz ist derzeit ungewiss. Welche Verbindung Giroflex zum deutschen Büromöbelhersteller Sedus Stoll hat, lesen sie hier.

Waldshut/Koblenz/Schweiz – Der renommierte Koblenzer Bürostuhl-Hersteller Giroflex hat einen neuen Eigentümer, den nordischen Konzern Flokk. Dieser hat alle Aktien übernommen. "Die Parteien haben Stillschweigen zum Verkaufspreis und zu weiteren Einzelheiten vereinbart", heißt es in einer Medienmitteilung von Giroflex. Flokk ist in der Branche noch unter seinem vormaligen Namen "Scandivavian Business Seating" ein Begriff. Giroflex soll als eigenständige Marke im Flokk-Portfolio weiterexistieren. Flokk ist gemäß eigenen Angaben Marktführer in Skandinavien.

"Wir sind stolz darauf, Giroflex in der Flokk-Familie zu begrüßen", erklärt Lars I. Røiri, Vorstand von Flokk, gemäß Mitteilung. "Unsere beiden Unternehmen verfolgen eine ähnliche Philosophie hinsichtlich Produktdesign und Qualität, konkurrenzieren sich aber kaum, da wir größtenteils auf unterschiedlichen Märkten tätig sind", führt Røiri aus. "Giroflex passt perfekt in unsere Strategie." Für die Giroflex-Produkte sollen dank der Übernahme offenbar neue Märkte erschlossen werden. Forster: "Als Teil einer größeren Gruppe können wir unser geografisches Verkaufsgebiet erweitern und neue Wachstumschancen erschließen."

Giroflex gilt in der Schweiz als führender Produzent von hochwertigen Bürostühlen. 2016 hat das Koblenzer Unternehmen einen Umsatz von 45,5 Millionen Franken erwirtschaftet, 90 Prozent davon in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, in den Niederlanden und Belgien und circa 50 Prozent im Euro-Raum. Entsprechend stark wurde das Unternehmen getroffen, als die Schweizer Nationalbank Anfang 2015 den Euro-Mindestkurs aufhob und dieser abstürzte. Noch vor rund einem Jahr beschäftigte das Koblenzer Traditionshaus rund 250 Mitarbeiter. Heute sind es noch rund 200. Die Branche steht unter Preisdruck. Als Folge davon hat Giroflex Produktionsschritte ausgelagert.

Flokk hat erst vor Kurzem den schwedischen Bürostuhl-Hersteller Malmstolen sowie den Lounge-Möbel-Spezialist Offecct in seine Gruppe einverleibt. Der Konsolidierungsprozess in der Branche schreitet damit voran. "Die Flokk Gruppe ist bestrebt, ihre Position als Marktführer in Schlüsselmärkten zu festigen", so das Unternehmen.

Flokk hat Produktionsstätten in Røros (Norwegen), Zwolle (Niederlande) sowie Hunnebostrand, Tibro und Nässjö (Schweden). 2016 hat der Konzern einen Umsatz von rund 156 Millionen Franken erzielt. Eigentümer von Flokk ist seit Oktober 2014 das Private-Equity-Unternehmen Triton. Was die Übernahme für den Standort Koblenz als Hauptsitz und Produktionsstandort bedeutet, scheint ungewiss. „Das Management beider Unternehmen wird nun eine eingehende Analyse vornehmen“, schreibt Giroflex. „Ziel ist es, die nachhaltigsten Chancen und Möglichkeiten zu definieren, um das zukünftige Geschäftswachstum zu unterstützen.“

Stuhl-Dynastie Stoll

Giroflex, früher Stoll Giroflex, besteht in der Gemeinde Koblenz/Schweiz seit fast 150 Jahren. Der aus dem gegenüberliegenden deutschen Waldshut stammende Albert Stoll (1836 bis 1897), eröffnete mit seinem Teilhaber Max Klock im Jahr 1872 in einer Baracke beim Bahnhof Koblenz einen Zweigbetrieb für die Holzstuhl-Produktion, wie es im Buch zur Firmengeschichte von 1990 heißt. Sein Sohn Albert Stoll II. stellte ab 1912 in Waldshut Bürostühle her. Dessen Söhne Christof und Martin Stoll führten das Unternehmen gemeinsam bis 1958 weiter und gingen dann getrennte Wege. Während die danach in Tiengen ansässige Firma Martin Stoll nicht mehr existiert, besteht das Unternehmen von Christof Stoll als Sedus Stoll AG fort. Der Firmensitz wird kommendes Jahr von Waldshut, wo noch die Bereiche Marketing, Vertrieb und Kommunikation ansässig sind, an den Produktionsstandort nach Dogern verlagert.

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