Polizei gibt Entwarnung: Kettensägen-Angreifer gefasst
Ein Absperrband ist am 24. Juli in Schaffhausen (Schweiz) zu sehen.
Ein Absperrband ist am 24. Juli in Schaffhausen (Schweiz) zu sehen. | Bild: Ennio Leanza (KEYSTONE)
Schaffhausen
25.07.2017 21:19
Die Schweizer Polizei hat den Kettensägen-Mann gefasst. Er war allerdings kilometerweit vom Tatort entfernt.

Einen Tag nach der Kettensägen-Attacke in Schaffhausen hat die Schweizer Polizei den Täter gefasst. Der 51-jährige Franz W. sei in Thalwil südlich von Zürich festgenommen worden, teilte die Polizei am Dienstagabend mit. Wie der Mann die rund 60 Kilometer vom Tatort bis nach Thalwil zurückgelegt hat, blieb zunächst offen. Auch Einzelheiten zur Festnahme nannte die Polizei nicht. Sie will erst am Mittwoch um 10 Uhr nähere Angaben machen.

„Entwarnung: Tatverdächtiger im Kanton Zürich gefasst“, teilte die Polizei am Abend mit. Sie hatte den Mann zunächst in der Nähe des Tatorts bei Schaffhausen in Waldgebieten vermutet. Dort soll der psychisch auffällige Einzelgänger vor der Tat gehaust haben. Die Polizei hatte die Menschen tagsüber aufgerufen, Wälder zu meiden, solange der Mann nicht gefasst war. Er galt als gefährlich und möglicherweise bewaffnet.
 

Der wegen Verstößen gegen Waffengesetze vorbestrafte Mann war nach Angaben der Polizei am Montag mit laufender Kettensäge in Schaffhausen in eine Filiale seiner Krankenkasse gestürmt und hatte dort zwei Mitarbeiter verletzt. Ein Opfer des Angriffs war nach Angaben der Polizei am Dienstag noch im Krankenhaus. Das zweite Opfer wurde nur leicht verletzt.

Nach Zeitungsberichten war der Mann wegen Tragens einer Waffe in der Öffentlichkeit schon einmal bestraft worden. Auch ein Elektroschock-Gerät sei in seinem Besitz einmal sichergestellt worden, so die Zeitung „Blick“.

Außer den Angegriffenen hatten auch zwei Kunden der Krankenkasse einen Schock erlitten, ein Mensch wurde bei dem Polizeieinsatz leicht verletzt. Die betroffene Krankenkasse CSS hat aus Sicherheitsgründen mehrere Filialen geschlossen und andere mit Wachleuten geschützt.

So lief die Fahndung ab


Die Fahndung lief auf Hochtouren, vor allem in der Nähe des Tatorts im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet. Auch die deutsche Polizei hielt nach dem Mann Ausschau. Weil dieser zunächst spurlos verschwunden war, sagten die Behörden Ferienaktivitäten im Freien im Raum Schaffhausen ab und warnten die Menschen vor Spaziergängen in der Natur und speziell im Wald.

Angespannt waren die Nerven gestern vor allem jenseits der Grenze. Mit Hochdruck suchte die Schweizer Polizei den sogenannten Kettensägen-Mann schwerpunktmäßig im Raum Schaffhausen. Dort in der Nähe, im Zürcher Weinland, war ein weißer Caddy gestern verwaist auf einem Feldweg gefunden worden. Der verdächtige Mann, der zuletzt im Kanton Graubünden gemeldet gewesen sei, soll nach Medienangaben in den vergangenen vier Wochen in dem Fahrzeug auf einem Parkplatz der Gemeinde Uhwiesen gelebt haben. Aus der Bevölkerung sollen dazu mehrfach Hinweise bei der Polizei eingegangen sein, denen sie auch nachging. Allerdings habe es keinen Anlass für eine Festnahme gegeben.

Einsatzkräfte der Schweizer Polizei schleppen bei Uhwiesen (Schweiz) das Auto des gesuchten Mannes ab, der am Morgen in der Innenstadt von Schaffhausen (Schweiz) fünf Menschen verletzt hat.
Einsatzkräfte der Schweizer Polizei schleppen bei Uhwiesen (Schweiz) das Auto des gesuchten Mannes ab, der am Morgen in der Innenstadt von Schaffhausen (Schweiz) fünf Menschen verletzt hat. Bild: Ennio Leanza (KEYSTONE)

Spürhunde suchten gestern die Umgebung um das Fahrzeug ab. Am frühen Nachmittag dann sickerte die Nachricht durch, dass ein kleines Wäldchen unweit der Grenze zu Deutschland von der Polizei abgeriegelt wurde. Laut Medienberichten waren zehn Einsatzfahrzeuge mit bewaffneten Polizisten vor Ort. Das Gebiet wurde auch mit einem Hubschrauber abgesucht.

Nach Auskunft des Lagezentrums des baden-württembergischen Innenministeriums gab es zunächst keine Anhaltspunkte, dass der Gesuchte die Grenze überschritten hat. Von deutscher Seite waren alle grenznahen Dienststellen in die Fahndung eingebunden, wie Dieter Popp vom Polizeipräsidium Tuttlingen gegenüber dem SÜDKURIER erklärte. Allerdings habe es keine konkreten Suchmaßnahmen gegeben.

Eingebunden waren auch Polizeikräfte aus dem Bereich des Präsidiums Konstanz, wie dessen Sprecher Markus Straub bestätigte. Neben dem Streifendienst habe auch ein Polizeihubschrauber aus der Luft die Lage am Boden beobachtet. „Außerdem gehen wir allen Hinweisen nach“, so Straub, ohne dazu nähere Angaben zu machen. Er betonte allerdings: „Derzeit liegen uns keine Anhaltspunkte darüber vor, dass der Mann sich auf deutscher Seite aufhält.“ Beamte der Bundespolizeiinspektion Konstanz waren gestern ebenfalls in die Fahndung auf deutscher Seite involviert. „Der Grenzraum wird verstärkt bestreift. Zum Einsatz kamen uniformierte und zivile Beamte. Ein Hubschrauber der Bundespolizei ist weiterhin auf der Suche nach dem Flüchtigen“, hatte Bundespolizei-Sprecher Christian Blohm erklärt. Frank W. war international zur Fahndung ausgeschrieben worden.

 

 

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