Zeugen erkennen Angeklagten wieder
Meßkirch
11.08.2017 15:43
Das Amtsgericht Sigmaringen hat einen 23-Jährigen wegen Betrugs zu 675 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Mann hatte seinem ehemaligen Arbeitgeber Metallschrott im Wert von 3000 Euro gestohlen.

Sigmaringen/Meßkirch – Weil er seinen ehemaligen Arbeitgeber bestohlen hat, ist ein 23-jähriger Mann vom Amtsgericht Sigmaringen zu einer Geldstrafe von 675 Euro verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann vor, am 19. April 2016 kurz vor Mitternacht sechs Fässer voll mit Metallschrott im Gesamtwert von 3000 Euro zusammen mit einer weiteren bis heute unbekannten Person vom Gelände einer Firma im Raum Meßkirch gestohlen und auf einen Anhänger geladen zu haben. Der 23-Jährige hat dort von 2014 bis 2015 eine Lehre gemacht, die Lehrzeit jedoch abgebrochen. Vor Gericht bestritt der Angeklagte bis zuletzt den Diebstahl. Sein Pech: Ehemalige Mitarbeiter, die als Zeugen geladen waren, haben ihn wiedererkannt.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte, der mit seinem Verteidiger erschienen war, ziemlich wortkarg. Im Gerichtssaal hatte auch seine Familie Platz genommen. Dass er in der Tatnacht bei einer anderen Firma in der Nachtschicht gearbeitet hat, wie er seinerzeit bei seiner polizeilichen Vernehmung zu Protokoll gegeben hat, bestätigte sich nicht. Dennoch blieb er bei der Aussage, mit dem Diebstahl nichts zu tun zu haben.

Laut Anklage soll der 23-Jährige im April gegen Mitternacht an den Hintereingang der Firma gefahren sein und die Fässer mit Metallspänen auf einen Anhänger geladen haben. Dabei wurde er jedoch von einem Mitarbeiter, der Nachtschicht hatte, beobachtet. "Ich habe mir keinen Kopf gemacht, da es hin und wieder vor kam, dass Schrotthändler auch zur nächtlichen Zeit Schrott abholten", sagte er als Zeuge vor Gericht aus. "Er sah so aus und hatte die Statur wie der ehemalige Auszubildende", berichtete er dem Gericht weiter. Die Frage von Richterin Lorine Haack, ob es sich um den Mann auf der Anklagebank handelt, bejahte er.

"Er hat mir eine SMS vor die Nase gehalten", erklärte ein weiterer Mitarbeiter, der als Zeuge geladen war. Er habe daraufhin geglaubt, dass das Einverständnis seines Chefs vorliege und diese Person berechtigt sei, den Metallschrott abholen zu dürfen. Die SMS habe er nicht bewusst gelesen, gab er vor Gericht kleinlaut zu, worauf er sich dann auch schwere Vorwürfe gemacht habe. Die Frage der Richterin, ob er Ärger vom Chef am anderen Morgen nach dem Diebstahl bekommen habe, verneinte er vor Gericht. "Ich möchte aber, dass der Dieb bestraft wird und ich bin mir sicher, dass ich den Angeklagten in der Nacht gesehen habe."

Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hat sich der Sachverhalt bestätigt. Zwei Zeugen hätten den Angeklagten zweifelsfrei wiedererkannt. Er habe über die Abläufe der Firma genau Bescheid gewusst, wie er an den Metallschrott gelangen kann und wie viel Geld damit zu machen sei. Sie beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Der Verteidiger des Angeklagten forderte Freispruch für seinen Mandanten. Die Arbeitsabläufe in der Firma seien einem erheblichen Personenkreis bekannt gewesen. Auch habe er den Eindruck gewonnen, dass der Zeuge, der die angebliche Nachricht des Chefs ohne Prüfung geschluckt habe, mit seiner Aussage erreichen wolle, die Sache sei wieder in Ordnung, wenn der Angeklagte verurteilt werde.

Das Urteil

Richterin Lorine Hack befand den Angeklagten wegen Betrugs für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 135 Tagessätzen zu je 5 Euro, die er in monatlichen Raten von 150 Euro zu bezahlen hat. "Ich bin überzeugt, dass Sie es waren und den Metallschrott abgeholt haben", begründete sie ihr Urteil gegenüber dem Angeklagten. Zwei Zeugen haben das eindeutig bestätigt. Dabei habe sich der 23-Jährige einer perfiden Betrugsmasche bedient. (loe)

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