Lebhafte Diskussion: SPD-Bundestagsabgeordnete Hild Mattheis (Zweite von rechts) stellt sich mit OWB-Geschäftsführer Egon Streicher (rechts) und dem SPD-Kreisvorsitzenden Michael Femmer (stehend) den Fragen der OWB-Beschäftigten. Bild: Kurt Loescher
SPD-Gesundheitspolitikerin: „Mehr Mitbestimmung ist wichtig“
Bild: Kurt Loescher
Sigmaringen
20.04.2017 16:35
Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis besucht die Behinderten-Werkstätten in Sigmaringen. Ausgiebige Diskussion mit den Beschäftigten über das neue Teilhabegesetz.

Sigmaringen – Bei einem Besuch in den Sigmaringer OWB-Werkstätten informierte die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis, gesundheitliche Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, die Beschäftigten der OWB über das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) und stellte sich einer Diskussionsrunde. Das Gesetz sieht vor, dass Menschen mit Behinderung in ihrem Leben mehr selbst bestimmen und am Arbeitsleben besser teilhaben können. Dafür sollen sie Unterstützung bekommen. „Jede Person mit einem Handicap bekommt mit dem neuen Gesetz genau die Unterstützung, die sie wegen ihrer Behinderung braucht“, so die SPD-Politikerin. Die Diskussionsrunde machte aber auch deutlich, dass das neue Teilhabegesetz nicht der Weisheit letzter Schluss ist und weiteren Neuerungen bedarf.

Um für den Besuch und der Diskussionsrunde bestens gerüstet zu sein, haben die Beschäftigten der OWB-Werkstätten zuvor in einem Workshop unter der Leitung von Annika Geßler Fragen zusammengestellt, die sich mit dem neuen Gesetz auseinandersetzen. Neben Hilde Mattheis stellten sich Egon Streicher, Geschäftsführer der Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte, SPD-Kreisvorsitzender Michael Femmer und die Frauenbeauftragte der Sigmaringer OWB, Kimberly Sengespiek, den kritischen Fragen. Sie lauteten unter anderem: „Bringt das BTHG auch Vorteile für EU-Rentner? Wie viel darf man zur EU-Rente dazu verdienen? Gibt es in Zukunft ein Mitspracherecht bei der Bedarfsbestimmung?“ oder „Was ändert sich beim Werkstattrat in Bezug auf die Frauenbeauftrage und welche Rechte gibt es für Frauen durch die Frauenbeauftragte?"

Um Menschen mit einem Handicap in Werkstätten zu unterstützen, müsse man sie gut begleiten, so die SPD-Politikerin. Das neue Gesetz sage auch, dass Frauen, die in Werkstätten beschäftigt sind, aus ihrer Mitte heraus eine Frauenbeauftragte wählen dürfen, an die sie sich vertrauensvoll wenden können. Thema waren zudem sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen Frauen, was Hilde Mattheis als „richtig schäbig“ bezeichnete und forderte, dass hier mehr getan werden müsse, um Frauen zu beschützen. Heftige Wortmeldungen gab es auch zum Thema Flüchtlinge. "Wie können sich Behinderte schützen vor Asylanten?“, lautete die Frage einer Teilnehmerin. Man traue sich abends nicht mehr auf die Straße. „Ich habe davon noch nichts gehört“, gab ihr die die SPD-Politikerin zur Antwort, machte jedoch unmissverständlich deutlich, dass Flüchtlinge, die hierher kommen, in der Regel einen Grund haben, ihre Heimat zu verlassen, um Schutz zu suchen.

Eine weitere Frage drehte sich um die Barrierefreiheit. „Was kann gemacht werden, dass Rollstuhlfahrer in Werkstätten sich besser bewegen können“, wollte ein Zuhörer wissen. „Werkstätten müssen barrierefrei sein, ebenso öffentliche Gebäude“, steht für Hilde Mattheis fest. Zu Fragen zum Einkommen und Vermögen für Menschen mit Handicap gab der Geschäftsführer der OWB, Egon Streicher, Auskunft.

Für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung sei es wichtig, dass sie am Leben in der Gesellschaft und am Arbeitsleben teilhaben können. Das neue Gesetz unterstütze diese Bereiche, so das Fazit der SPD-Politikerin. SPD-Kreisvorsitzender Michael Femmer legte Wert auf die Feststellung, dass die Änderungen vorerst bis zum Jahr 2020 gelten. „Bis dahin müssen wir uns Gedanken machen, was ist gut und was nicht. Ich bin sicher, dass wir noch nachbessern müssen“, sagte Femmer. „Das Gesetz ist ein Anfang“, kam auch OWB-Geschäftsführer, Egon Streicher, zum Schluss. Die OWB-Beschäftigten zeigten den Experten jedenfalls auf was ihnen wichtig erscheint: Mehr Auswahl an Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung, mehr Bildung und Weiterbildung für Menschen mit Handicap, mehr Selbst- und Mitbestimmung bei der Unterstützung, Informationen in leicht verständlicher Sprache, keine Ausgrenzung.

0 Kommentare