Pfarrer Liviu Jitianu.zeigt die Fideliswiege. Sie ist aus Nussbaumholz gefertig, 76 Zentimeter lang und 35 Zentimeter hoch. Normalerweise steht sie hinter Glas in der Nische im Fidelisaltar dahinter. Bilder: Karlheinz Fahlbusch Das Armreliquiar des Fidelis wird in einer Prozession durch die Stadt getragen. Die Statue am Fidelishaus erinnert an den Heiligen der Hohenzollern. Bild: Karlheinz Fahlbusch Die Fidelisprozession hat eine alnge Tradition. Auch 1936 gingen die Gläubigen betend durch die Stadt. Repro: Karlheinz Fahlbusch
Festgottesdienst und Lichterprozession in Sigmaringen
Sigmaringen
21.04.2017 16:47
In der Kreisstadt steht das Gedenken an den Schutzheiligen von Sigmaringen und Hohenzollern an – mit Feierlichkeiten am Sonntag und Montag. Täuflinge werden heute noch zur besonderen Segnung in die Fideliswiege gelegt.

Sigmaringen – In vielen katholisch geprägten Städten und Dörfern gibt es einen Ortsheiligen, der besondere Verehrung geniest. In Sigmaringen ist das der heilige Fidelis. Er wurde am 24. April 1622 in Seewis /Schweiz von protestantischen Bauern erschlagen. Sein Haupt wird bei den Kapuzinern in Feldkirch aufbewahrt und gilt als kostbare Reliquie. Armknochen des Heiligen findet man in St. Johann in Sigmaringen. Sie werden am kommenden Montag bei einer Lichterprozession durch die Innenstadt getragen. In den vergangenen Jahren hat die Teilnehmerzahl ständig zugenommen und auch der Festgottesdienst, der um 19 Uhr beginnt, erfährt immer mehr Zuspruch. Man gedenkt eines Mannes, der als "Advokat der Armen" in die Kirchengeschichte eingegangen ist und in Sigmaringen das Licht der Welt erblickte.

Als Marcus Roy wurde er am 15. Oktober 1578 als Sohn des Gastwirts und Bürgermeisters Johannes Roy geboren. Er besucht die Lateinschule, geht auf das Jesuitenkolleg in Freiburg und wird Jurist. Durch verschiedene Glaubenserfahrungen entschließt er sich Mönch zu werden, und tritt in den Kapuziner-Orden ein. Er bekommt den Ordensnamen "Fidelis", was "der Treue" bedeutet. Seinem Glauben bleibt er immer treu, weshalb er dann auf einer Missionsreise in der Schweiz den Tod findet. Fidelis gilt als der erste Märtyrer der 1622 in Rom gegründeten Propaganda-Fide-Kongregation. Seine Heiligsprechung erfolgt am 29. Juni 1746 durch Papst Benedikt XIV. Er wird dargestellt mit einer Stachelkeule, dem so genannten Prättigauer Prügel, und einem Schwert. Fidelis ist Stadtpatron von Sigmaringen und Feldkirch, außerdem Patron von Hohenzollern, Vorarlberg und dem Berufsstand der Juristen. Fidelis wird aber auch angerufen in Gerichtsangelegenheiten und für die Ausbreitung des Glaubens.

Alle diese Dinge sind den meisten Sigmaringern bekannt. Doch ein Neuling tut sich da schwerer. Auch wenn er Theologe ist. So wie Dr. Liviu Jitianu. Der promovierte Priester ist seit dem 1. Februar in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen als Kooperator tätig. "Von Fidelis habe ich vorher noch nichts gehört", gibt der aus Siebenbürgen in Rumänien stammende Theologe zu: "Ich bin schon sehr gespannt, wie das abläuft und freue mich richtig darauf." Dass die Kirche beim Festgottesdienst mit Erzabt Tuttilo Burger vom Kloster Beuron vermutlich sehr voll sein wird, das überrascht ihn nicht. "Die Gottesdienste sind hier allgemein sehr gut besucht und ich habe festgestellt, dass die Bevölkerung dem Religiösen gegenüber sehr aufgeschlossen ist", macht der 46-Jährige deutlich. Überhaupt sei die Seelsorgeeinheit eine sehr lebendige Gemeinde. Das Fidelisfest will er jetzt auf sich wirken lassen, mit dem Herzen und den Sinnen erleben.

So ganz unwissend ist er in Bezug auf Fidelis allerdings nicht. Beim Fototermin in der Kirche weiß er, dass die Wiege des Heiligen ursprünglich nicht im Fidelisaltar in einer Nische untergebracht war. Ursprünglich stand sie in der Franziskanerkirche in Hedingen. Von der Seligsprechung im Jahr 1729 an wurde die Wiege zur öffentlichen Verehrung aufgestellt und 1731 dann in die Pfarrkirche St. Johann überführt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein wahrer Kult, von dem heute die Lichterprozession übriggeblieben ist. Es wurden Wallfahrten abgehalten und totgeborene Kinder in die Wiege gelegt, wo sie mit Reliquien berührt wurden. Man hoffte, dass sie dadurch ein Lebenszeichen von sich geben und man sie dann taufen könnte. Dieser Kult wird lange nicht mehr gepflegt. Dass man die Neugeborenen nach der Taufe aber in die Wiege zu einer besonderen Fidelissegnung legt, das gibt es heute noch. Für Katholiken hat dieses Ritual einen sehr hohen Stellenwert. In der Hauskapelle des Fidelishauses (Caritasverband) sind übrigens weitere Reliquien von Fidelis zu finden: die halbe Armspindel aus dem Frauenkloster in Inzigkofen und eine Kniescheibe des Heiligen.

Fidelisfest

Sonntag, 23. April, 11 Uhr: Patroziniumsgottesdienst in der St. Fidelis-Kirche

15 Uhr: Orgelimpressionen und Kirchenführung in St. Johann

16 Uhr: Kurze Führung durch die Kapelle im Fidelishaus

17 Uhr: Vortrag "Fidelis von Sigmaringen und die Kapuziner – Forschungen aus jüngster Zeit" mit Dr. Christian Schweizer, Provinzarchivar der Schweizer Kapuziner. Buchpräsentation "Constantiae Et Fortitudo – Der Kult des kapuzinischen Blutzeugen Fidelis zwischen "Pietas Austriaca" und "Ecclesia Triumphans" von Dr. Matthias Emil Ilg. Musikalische Umrahmung durch das Bläserquintett Sigmaringen (Fidelishaus). (kf)

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