Ein Thronfolger zwischen den Fronten
Der Hohenzollernprinz Ferdinand I. ist vor 90 Jahren gestorben. Bis zu seinem Tod 1927 war er König von Rumänien. Bild: wikipedia_gemeinfrei
Der Hohenzollernprinz Ferdinand I. ist vor 90 Jahren gestorben. Bis zu seinem Tod 1927 war er König von Rumänien. Bild: wikipedia_gemeinfrei | Bild: wikipedia gemeinfrei
Sigmaringen
10.08.2017 16:43
Ferdinand I. wird 1914 König von Rumänien. Sein Land tritt 1916 aufseiten der Alliierten in den Ersten Weltkrieg ein. Der Hohenzollernspross hält trotz seiner politischen Verpflichtungen, die konträr zu Deutschland und Österreich-Ungarn stehen, eine stets enge familiäre Bindung zum Hohenzollernhaus.

In diesem Jahr hat sich zum 90. Mal der Todestag von Ferdinand I. von Rumänien gejährt – er verstarb 1927 im Alter von 62 Jahren. Ferdinand war ein Prinz von Hohenzollern-Sigmaringen. Zum Thronfolger seines kinderlosen Onkels Karl I. von Rumänien proklamierten sie ihn 1880, drei Jahre zuvor erreichte der Nationalstaat im Kampf gegen das Osmanische Reich seine Unabhängigkeit. Die Königskrone übernahm Ferdinand am 10. Oktober 1914. "Ich werde als ein guter Rumäne regieren", schwor er auf dem rumänischen Thron seiner Wahlheimat immerwährende Loyalität.

In Geschichtsdokumenten ist festgehalten, dass er eine deutlich prodeutsche Haltung vertreten hat. "Ich vergesse niemals die Verpflichtung, welche meine deutsche Abstammung mir auferlegt, nämlich: Sei treu dem Lande, über das du herrschest, und dem Volke, an dessen Spitze du stehst", so überlieferte die Hofbibliothekarsleiterin des Schlosses, Anette Hähnel, ein Gespräch des Monarchen mit einem jungen Diplomaten, der ihn an die besondere Stellung des Hohenzollernhauses erinnerte. Deshalb galt er beim rumänischen Volk auch als Ferdinand, der Treue. Darüber hinaus pflegte er enge Verbindungen zum österreich-ungarischen Hof.

Im Ersten Weltkrieg favorisierte er im Hinblick auf die dynastische Verbindung zum deutschen Kaiser (eine Seitenlinie der Hohenzollern) eine politisch neutrale Ausrichtung für sein Land. Anette Hähnel zitiert hier aus seinem Brief im Januar 1915 an den deutschen Kaiser: "Ich befinde mich in einer schlimmen Lage. Trotz meiner eigenen persönlichen Sympathien bin ich eins mit meinem Volk, das nach der Befreiung der unter ungarischer Herrschaft lebenden Rumänen schmachtet." So trat er auf Druck der rumänischen Regierung Ende August 1916 aufseiten der Alliierten in den Krieg ein, die Niederlage von Österreich-Ungarn gegen Rußland zeichnete sich bereits ab. Kriegsziel der Rumänen war die Besetzung Siebenbürgens, des Banats und der Bukowina. Was aber die Mittelmächte (das österreichische Korps wurde mit Deutschen verstärkt) zu verhindern wussten.

Historiker beschreiben die Logistik der rumänischen Armee mit über 564 000 Soldaten ohne Kampferfahrung als desaströs. Demzufolge gingen bis Ende 1916 sogar die ökonomisch reichste Provinz, die Walachei und die Hauptstadt Bukarest verloren, die Regierung und ihr Regent flohen in die Provinz Moldau. Erst im Frühjahr 1917 vermochte sich die rumänische Armee zu reorganisieren – mit verbündeter russischer Hilfe und angelieferten Kriegsgütern aus Westeuropa. Weil aber Rußland nach der Oktoberrevolution 1917 aus dem Krieg ausschied, sah sich der junge rumänische Nationalstaat gezwungen, einen vorläufigen Friedensvertrag mit den Mittelmächten zu vereinbaren, dessen Bestimmungen blieben jedoch unerfüllt. Kurz vor der Kapitulation des Deutschen Reiches trat Rumänien im November 1918 erneut aufseiten der Siegermächte in den Krieg ein.

Das militärische Nachspiel, der Krieg gegen die Ungarn von April bis August 1919, erbrachte Rumänien große Gebietsgewinne, das rumänisch besiedelte Siebenbürgen und die Karpatenregion wurden annektiert, was im Frieden von Trianon bestätigt wurde.

Somit waren Siebenbürgen, Bessarabien und die Bukowina mit dem rumänischen Königreich zu Großrumänien vereinigt. Die Fläche des Landes, die 1914 rund 137 000 Quadratkilometer umfasste, hatte sich auf 295 000 Quadratkilometer mehr als verdoppelt (siehe Grafik). Die feierliche Krönung von Ferdinand I. zum "König aller Rumänen" erfolgte am 15. Oktober 1922 in der neu erbauten Krönungskathedrale in Alba Iulia. Als wichtigstes innenpolitisches Thema während seiner Amtszeit galt die Bodenreform, von den Bauernparteien mit dem Verweis auf das revolutionäre Rußland energisch eingefordert, jedoch mit wenig fruchtbaren Ergebnissen in der landwirtschaftlichen Produktion beschieden. Ferdinand erließ 1923 eine liberale Verfassung und stützte sich dabei auf die Nationalliberale Partei, die die Regierung übernommen hatte.

Ferdinand erblickte 1865 im Sigmaringer Schloss als zweiter Sohn des Fürsten Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen und dessen Gemahlin Antonia von Sachsen-Coburg und Gotha das Licht der Welt, stammte also aus der schwäbischen Linie des Fürstengeschlechts. Umfangreiche Briefwechsel mit seiner hohenzollerischen Familie belegen, so Anette Hähnel, dass die private familiäre Verbundenheit unter seinen späteren politischen Verpflichtungen für Rumänien nicht gelitten hatte.

Ferdinand studierte Jura an den Universitäten von Tübingen und Leipzig. Ab 1889 bezog er dauerhaft sein rumänisches Domizil. Dort heiratete er die englische Prinzessin Marie von Edinburgh. Sie war eine geborene Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha und eine Enkelin der britischen Königin Victoria und des russischen Zaren Alexander II. Das adelige Paar hatte drei Söhne und drei Töchter. Sein minderjähriger Sohn Michael I. trat Ferdinands Nachfolge an. Als dieser am 20. Juli 1927 starb, setzte man ihn in der Kathedrale von Curtea de Arges bei.

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