Wehren üben Chlorgasunfall im Waldfreibad
Da Chlorgas wasserlöslich ist, wurden "Verletzte" mit Wassee abgespitzt, um sie von dem Gift zu befreien.
Da Chlorgas wasserlöslich ist, wurden "Verletzte" mit Wassee abgespitzt, um sie von dem Gift zu befreien.
Einsatzkärfte mit Atemschutzausrüstung versuichten, die Giftwolke mittels Wasser einzudämmen.
Einsatzkärfte mit Atemschutzausrüstung versuichten, die Giftwolke mittels Wasser einzudämmen.
DRK-Einsatzkräfte versorgten die vermeintlich Verletzten.
DRK-Einsatzkräfte versorgten die vermeintlich Verletzten.
Bilder wie aus einem Katastropehnfilm, aber zur Beruhigung der Bevölkerung nur eine Übung. Hier ist eine Feuerwehrmann bereits vom Giftgas befreit worden.
Bilder wie aus einem Katastropehnfilm, aber zur Beruhigung der Bevölkerung nur eine Übung. Hier ist eine Feuerwehrmann bereits vom Giftgas befreit worden.
Bilder wie aus einem Katastrophenfilm, aber zum Glück nur eine Übung. Die Ausrüstung muss bei einem Chlorgasunfall dekontaminiert werden, Verletzte wurden zuvor teils mit Wasser abgespritzt (links). Bilder: Karlheinz Fahlbusch
Bilder wie aus einem Katastrophenfilm, aber zum Glück nur eine Übung. Die Ausrüstung muss bei einem Chlorgasunfall dekontaminiert werden, Verletzte wurden zuvor teils mit Wasser abgespritzt (links). Bilder: Karlheinz Fahlbusch
Pfullendorf
28.07.2017 11:34
Im ersten Moment wirkt es wie ein Katastrophenfilm, tatsächlich ist es eine Übung für den Ernstfall: Vier Wehren sind bei einem fiktiven Chlorgasunfall in Pfullendorf im Einsatz und proben die nahtlose Zusammenarbeit. Die Gaswolke sorgte für Unruhe bei den Anwohnern.

Stadtwerkegeschäftsführer Jörg-Arne Bias sprach genau das aus, was die Zuschauer bei der Übung des Gefahrgutzuges des Landkreises Sigmaringen vermutlich auch gedacht haben: "Sie lassen mich beim Thema Chlorgas besser schlafen." Denn um das Entweichen der hochgiftigen Substanz ging es am Donnerstagabend im Waldfreibad. Das Szenario ausgedacht hat sich Stadtbrandmeister Dieter Müller. Deshalb war für ihn klar, dass er den Übungs-Einsatz der einheimischen Wehr nicht selbst leitet, sondern das seinem Stellvertreter Manuel Dippel überlässt. Denn obwohl die Pfullendorfer nicht zum Gefahrgutzug gehören, mussten diese wie bei jedem anderen Einsatz auch schnellstmöglich vor Ort sein.

Das Szenario sah wie folgt aus: Einer der Bademeister hatte sich wegen der geringen Besucherzahl kurz vor Feierabend entschlossen, noch schnell ein neues Fass mit Chlorgas anzuschließen. Beim Lösen der Verschlussmutter gab es einen kurzen Knall. Durch den Druck im Fass entriss es dem Mann den Verschluss und alle Versuche, das Fass wieder zu verschließen, waren erfolglos. Das Gas strömte in Richtung Fuchshalde aus und zog wegen des Windes in Richtung Kogenäcker Gärtnersberg. Als die Feuerwehr eintraf, war die Lage buchstäblich undurchsichtig. Der Stellvertreter des Bademeisters lag bewusstlos vor dem Betriebsgebäude, die Zahl der Verletzten war unbekannt, es strömte weiter Chlorgas aus und niemand wusste, ob Spaziergänger unterwegs sind. Daher alarmierten die Pfullendorfer den Gefahrgutzug. Für die Übung haben sich die Einheiten aus Meßkirch, Sigmaringen, Mengen und Bad Saulgau bereits im Raum Pfullendorf postiert. Damit es realistisch bleibt, wurden die Anrückzeiten aber angepasst. 

Nun läuft alles wie am Schnürchen. Die Einsatzgruppe der DRK-Bereitschaft Pfullendorf stand ebenfalls schon bereit, um die vermeintlich Verletzten zu versorgen. Die haben die Einsatzkräfte auf dem Schwimmbadgelände und im Wald aufgespürt, während andere Kameraden das Betriebsgebäude, wo das giftige Gas ausströmte, mit einem dichten Wassernebel einhüllten. Chlorgas ist wasserlöslich, deshalb stand das Abspritzen mit Wasser bei allen Personen als erste Hilfsmaßnahme an. Das komplette Gelände wurde natürlich abgesperrt. Aus den Spezialfahrzeugen wurde viel Gerät ausgeladen und aufgebaut. So auch ein Zelt, in dem Einsatzkräfte samt Schutzanzügen abgewaschen und somit von Chlorgasresten befreit wurden.

Die Gaswolke, bei der Übung natürlich vollkommen ungefährlich, sorgte im Wohngebiet Kogenäcker für Unruhe bei den Anwohnern. "Manche hatten richtig Angst", berichteten die Einsatzkräfte. Doch die vermeintliche Gefahr war schnell gebannt und die Feuerwehr beruhigte die Menschen. Der große Aufwand an Menschen und Material machte deutlich, wie wichtig solche Ausrüstungen sind und dass nur im Zusammenspiel verschiedener Kräfte der Schutz für die Bevölkerung gewährleistet ist. Frank Wachter, Obmann Gefahrgut aus Bad Saulgau, sieht das auch so: "Bei so einem Schadensfall muss man nicht mit zwei Fahrzeugen anrücken, sondern mit einer ganzen Armada." Schließlich könne nicht jede Feuerwehr im Landkreis über eine komplette Gefahrgutausrüstung verfügen. Zufrieden mit der Übung war der stellvertretende Kreisbrandmeister Frank Seeger aus Mengen. "Es hat alles geklappt und die Vorbereitung war sehr gut", stellte er fest. Zum Dank gab es dann Wurstsalat von den Stadtwerken. Dass dabei einige Einsatzkräfte leer ausgingen, trübte die positive Bilanz nicht.

 

Der Gefahrgutzug und seine Beteiligten

Es handelt sich beim Gefahrgutzug um eine taktische Einheit der Feuerwehr, welche oft aus früheren ABC-Zügen hervorgegangen ist. Seine primäre Aufgabe ist die technische Hilfeleistung nach Gefahrgutunfällen. Er ist weder genormt noch bundesweit durch Vorschriften geregelt. Die hochspezialisierten Fahrzeuge erfordern einen sehr hohen Kostenaufwand. Im Kreis Sigmaringen sind diese Einheiten daher auf mehrere Freiwillige Feuerwehren verteilt. Diese müssen im Ernstfall nahtlos zusammenarbeiten. Dafür werden gemeinsame Übungen abgehalten. Zum Gefahrgutzug des Landkreises Sigmaringen gehören folgende Wehren:

  • Mengen mit der Hauptaufgabe Eindämmen und Beseitigen. Dazu gehören drei Fahrzeuge Einsatzleitwagen, Gerätewagen Gefahrgut, Löschfahrzeug für den Katastrophenschutz) und 15 Einsatzkräfte.
  • Bad Saulgau mit der Hauptaufgabe Schützen und Messen. Dazu gehören drei Fahrzeuge (Erkunder, Gerätewagen Atemschutz, Mannschaftstransportwagen) mit 14 Einsatzkräften.
  • Sigmaringen mit der Hauptaufgabe Absperren und Reinigen. Dazu gehören zwei Fahrzeuge (Dekontaminierung, Mannschaftstransportwagen) und 14 Einsatzkräfte.
  • Meßkirch mit der Hauptaufgabe Sichern und Auffangen. Dazu gehören drei Fahrzeuge (Gerätewagen Transport, Rüstwagen, Mannschaftstransportwagen).
  • Zwei Chemieberater: Eugen Kieferle aus Ostrach und Patrick Schneider aus Bad Saulgau. (kf)
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