Wahlkreis Sigmaringen: Bei den Grünen herrscht Hochstimmung
Riesenfreude bei den Grünen, die aufmerksam in der Privatwohnung der gewählten Kandidatin die Ergebnisse am Fernseher verfolgen (von links): Annakutty Harter, Roman Rist, Michael Köberle, Karl Boos, Klaus Harter, Andrea Bogner-Unden, Alfons Laux und Gerold Schellinger.
Riesenfreude bei den Grünen, die aufmerksam in der Privatwohnung der gewählten Kandidatin die Ergebnisse am Fernseher verfolgen (von links): Annakutty Harter, Roman Rist, Michael Köberle, Karl Boos, Klaus Harter, Andrea Bogner-Unden, Alfons Laux und Gerold Schellinger. | Bild: Jürgen Witt
Kreis Sigmaringen
14.03.2016 15:04
Andrea Bogner-Unden freut sich über das errungene Direktmandat im Wahlkreis Sigmaringen. Bei einer kleinen Wahlparty feierte in ihrem Privathaus in Wald. Der erste Vorstellungstermin der Gewählten ist am Dienstag in Stuttgart anberaumt. CDU-Mann Klaus Burger zieht über das Zweitmandat in den Landtag ein.

Bündnis 90/Die Grünen als stärkste Kraft in diesem Landkreis, und das im tiefschwarzen Stammland der CDU, die seit 1949 jede Wahl dominierte: Selbst die strahlenden Wahlsieger der Grünen können dies kaum fassen. „Ein Erdrutsch, den wir so nicht für möglich gehalten haben“, sagt Klaus Harter, Zweitkandidat dieser Partei beim ersten Hallo. Noch grandioser fällt ins Gewicht, dass Andrea Bogner-Unden dem Landtagsabgeordneten Klaus Burger das Direktmandat abgerungen hat. Mit 33,7 Prozent, der geschlagene CDU-Mann ist aber über das Zweitmandat im Landtag (siehe untenstehenden Bericht) weiterhin vertreten.

„Es ist, wie wenn man das Abitur bestanden hat und die Welt für einen offen steht“, strahlt Andrea Bogner-Unden über ihren ungeahnten persönlichen Erfolg. „Und ich nehme die Herausforderung gerne an und freue mich darauf, den Landkreis vertreten zu dürfen“, sagt die 60-Jährige. Sie hat ihre tapferen Mitstreiter am Sonntag zur Wahlparty in ihr Privathaus nach Wald geladen, ihr Lebensgefährte steht ihr hilfreich zur Seite. Das Haus ist voll mit freundlichen Gästen, alle befinden sich in prächtiger Laune. Sie sitzen im Wohnzimmer reihum vor dem Fernseher, bejubeln Ergebnisse und Mandate. Den Grünen ist zum Singen zumute. Andrea Bogner-Unden greift zur Gitarre. „Das ist dein Tag“ und „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ von Udo Jürgens scheinen ganz auf sie, aber auch auf programmatische Parteiinhalte abgestimmt zu sein. Inbrünstig stimmen sie auch das einfühlsame „Hallelujah“ von Leonard Cohen an. „Wir singen keine Starkbiersongs“, lacht Andrea Bogner-Unden vergnügt. Überhaupt wirkt die Frau erstaunlich relaxt, so unaufgeregt. Lautes Singen oder zum Jogging gehen, das sei für sie ein probates Mittel zum inneren Ausgleich, verrät sie. Eine weitere Stärke zeigte sie, indem sie im Wahlkampf immer gut vorbereitet und um keine Argumentation verlegen war.

Ihr Spitzenergebnis haben die Bündnisgrünen in Beuron mit 43,4 Prozent erzielt. Bemerkenswert deutlich wurde die CDU in Sigmaringen abgehängt: 42,9 Prozent, ein traumhaftes Rekordergebnis für die Kreisstadt, in der die meisten Verwaltungsbehörden beheimatet sind. „Das ist der Kretschmann-Bonus“, schmunzelt der Sozialpädagoge Klaus Harter, dass es sich für die Ökopartei ausgezahlt habe, dass der Ministerpräsident mit seiner Familie in Laiz lebt. Aber auch die kleine Truppe von grünen Wahlkämpfern habe in den letzten Wochen ganze Arbeit geleistet und für ihre dauerhafte Präsenz vor Ort viel Lob und Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten. „Wir sind ein Superteam“, betonen Klaus Harter und Andrea Bogner-Unden unisono.

Wie geht es weiter mit der frisch gebackenen Abgeordneten? Ein erster Vorstellungstermin im Landtag in Stuttgart ist für heutigen Dienstag, um 13 Uhr anberaumt. Aufregung verspüre sie deshalb nicht. „In meinem Alter hat man kein Lampenfieber mehr, ich sehe das als positiven Aufschwung!“

Dass sie als langjährige Lehrerin in der Heimschule Kloster Wald, in der sie seit 1983 unterrichtet, demnächst aus dem Schuldienst scheiden wird, würde sie vom Organisatorischen her sicherlich geregelt kriegen. Gleichwohl habe sie gleich „zwei Tränen im Knopfloch“: Ihre Schülerinnen der Oberstufe hätten sie bereits befragt, ob sie denn nicht traurig sei, falls sie gewählt würde. Doch Andreas Bogner-Unden kann sich für neue Entwicklungen begeistern, das erkämpfte Direktmandat sei „schon toll“ – eine neue Aufgabe, die gut erledigt sein will: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich das ganz!“

Klaus Harter gibt nur eines zu bedenken: Sollten die Grünen nicht wieder die Regierung stellen, würde die Freude ganz schön eingetrübt werden. Da bezieht er sich auf Aussagen des CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf, der meinte, dass die CDU 2011 ja auch auf die Oppositionsbänke verbannt worden sei, obgleich sie die stärkste Fraktion war. Einer solchen Logik könne er nicht folgen, offenbar habe dieser Mann vergessen, dass sie schon damals die Wahl unter Stefan Mappus verloren hatten und eine Koalition der Wahlverlierer auch jetzt in Baden-Württemberg vom Wähler nicht gewünscht sei. Und welche Kombination käme der grünen Abgeordneten Andrea Bogner-Unden in einer Regierung mit Winfried Kretschmann gelegen? „Eine stabile Mehrheit wäre Grün-Schwarz. Aber das ist eine Frage von Verhandlungen!“

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