Archäologe fungiert als neuer Leiter
Klaus Haller auf dem Wehrgang "seiner" Heuneburg. Der Archäologe und Historiker ist der neue Leiter des Freilichtmuseums, das in dieser Art wohl einmalig in Deutschland sein dürfte. Bild: Karlheinz Fahlbusch
Klaus Haller auf dem Wehrgang "seiner" Heuneburg. Der Archäologe und Historiker ist der neue Leiter des Freilichtmuseums, das in dieser Art wohl einmalig in Deutschland sein dürfte. Bild: Karlheinz Fahlbusch
Nachdem er Funken geschlagen hat, muss Haller durch Blasen die Flamme entfachen.
Nachdem er Funken geschlagen hat, muss Haller durch Blasen die Flamme entfachen.
Geschafft. Das Feuer ist entfacht. Nun muss noch die Holzkohle durchgeglüht werden.
Geschafft. Das Feuer ist entfacht. Nun muss noch die Holzkohle durchgeglüht werden.
Ohne Blasebalg ging bei den Kelten nichts. Den hier bastelte der Museumschef selbst.
Ohne Blasebalg ging bei den Kelten nichts. Den hier bastelte der Museumschef selbst.
Herbertingen
28.07.2017 17:05
Klaus Haller führt seit 1. Juli das Freilichtmuseum Heuneburg. Mit "Living History" plant er, die Besucherzahlen zu steigern.

Herbertingen – Wissenschaftler stellt man sich oft als etwas humorlos, nur an Fakten orientiert und für den Laien unnahbar vor. Wer sich vom Gegenteil überzeugen will, der sollte am 5./6. August, zum Keltenfest auf die Heuneburg bei Hundersingen kommen. Auf dem weitläufigen Areal des Freilichtmuseums kann man nicht nur eine ganze Menge aus der Geschichte des rätselhaften Volkes, wie die Kelten genannt werden, erfahren, sondern bestimmt auch Klaus Haller treffen. Der Archäologe und Historiker ist seit dem 1. Juli neuer Leiter der als "schwäbisches Troja" bekannten Heuneburg tätig. Haller ist Experte für die Planung und Organisation von Living-History-Veranstaltungen und war über zehn Jahre als selbstständiger Museumspädagoge aktiv, führte große Living-History-Veranstaltungen (möglichst authentisch) zu den Themen Steinzeit, Bronzezeit und Mittelalter durch. "So eine Art Event-Manager" beschreibt er seine damalige Tätigkeit. Er führte aber auch eisenzeitliches Schmiedehandwerk im Landesmuseum Hannover und dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz vor.

Haller stammt aus Osnabrück und hat die Forschungen zur Varus-Schlacht im Teutoburger Wald miterlebt. Bei "Terra X" war er als Germane zu sehen und wer im Internet nach Videos mit dem Wissenschaftler sucht, wird schnell fündig.

Mit Spielfilmen, die dem Publikum Wissen aus der Antike vermitteln wollen, ist er oft nicht einverstanden: "Die Ausstattungsmerkmale sind oft willkürlich nachempfunden und entsprechen nicht den historisch belegten Dingen!" So authentisch wie möglich sollen Waffen, Werkzeuge und Kleidung sein, wenn in Zukunft historische Gruppen auf der Heuneburg auftreten. Kompromisse sind aber möglich. Vor allem da, wo es selten Originalfunde gibt, wie etwa bei Kleidung.

Mit der Heunbeurg hat der Wissenschaftler eine Aufgabe gefunden, die ihn ausfüllen wird. Als einen Hauptpfeiler für seine Museumsarbeit sieht Haller ansprechende Events, die von einer zeitgemäßen Vermarktung begleitet werden. "Lieber nur fünf große Veranstaltungen, die aber richtig gut", sagt er mit vielsagendem Blick. Er hat den festen Willen, die Besucherzahlen des Freilichtmuseums nachhaltig zu erhöhen. In den vergangenen Jahren lagen die bei etwa 25 000 pro Saison. Haller setzt sowohl auf die Kooperation mit Bildungseinrichtungen als auch die Heuneburg als touristisches Highlight. Im Fokus hat er Familien. "Denn die Kinder werden größer und kommen auch später einmal wieder", lautet seine Strategie. Zu seinem Job ist er durch eine Stellenausschreibung gekommen. In der Szene gilt er als Pragmatiker und wohn deshalb schon in Hundersingen. "Ich kann doch nicht ständig mehrere Hundert Kilometer pendeln", sagt er. Außerdem hat er im Winter, wenn das Freilichtmuseum geschlossen ist, eine ganze Menge vor. Dann wird er sich eine Schmiede mit modernen Werkzeugen einrichten und keltische Messer und Speerspitzen schmieden.

Die antike Schmiedekunst beherrscht er durchaus, wie im Exklusiv-Video für den SÜDKURIER zu sehen ist. Die Esse stammt aber aus einer späteren Zeit, wie er erklärt. Den Blasebalg hat er nach historischem Vorbild selbst gemacht.

Keltenfest Heuneburg

Über 30 Darsteller in historischen Kostümen machen am Samstag/Sonntag, 5./6. August, von 10 bis 18 Uhr die Eisenzeit in einer echten keltischen Stadt begreifbar. Besonders sind die kleinen Besucher eingeladen. Sie können selber Schmieden, Bogenschießen und Speerwerfen.

10.30 Uhr: Workshop Feuerschlagen11 Uhr: Griechische Modenschau11.30 Uhr: Keltische Modenschau12 Uhr: Bogenschießen bei den Kelten12.30 Uhr: Römisches Militär in Aktion (nur Sonntag)13 Uhr: Griechische Waffenvorführung13.30 Uhr: Keltische Waffenvorführung14.30 Uhr: Römische Armee in Aktion (nur Sonntag)15 Uhr: David gegen Goliath- Die Schleuder in der Antike15.30 Uhr: Szenisches Spiel in der Keltenstadt16 Uhr: Vom Erz zum Eisen17 Uhr: David vs. Goliath- Die Schleuder in der Antike17.30 Uhr: Workshop Feuerschlagen

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