Schwarzwaldverein verbindet Heimatkunde mit sportlichem Ansatz
Rund um die Eschenbühlhütte führt Jörg Pompeuse (Vierer von links), Vorstandsmitglied des Schwarzwaldvereins Stockach, die kleine Wandergruppe. Wanderwart Berthold Gohl (rechts daneben) begleitete ihn ebenso wie Manfred Peter (Zweiter von links) von der Bürgerstiftung Stockach und weitere Teilnehmer aus der Verwaltungsgemeinschaft Stockach.
Rund um die Eschenbühlhütte führt Jörg Pompeuse (Vierer von links), Vorstandsmitglied des Schwarzwaldvereins Stockach, die kleine Wandergruppe. Wanderwart Berthold Gohl (rechts daneben) begleitete ihn ebenso wie Manfred Peter (Zweiter von links) von der Bürgerstiftung Stockach und weitere Teilnehmer aus der Verwaltungsgemeinschaft Stockach. | Bild: Claudia Ladwig
Stockach
11.08.2017 14:48
Bei den lehrreichen Wanderungen des Schwarzwaldvereins Stockach werfen die Teilnehmer Blicke auf die Landschaft und in ihre Geschichte.

23 Grad, windstill und trocken – Wanderführer Jörg Pompeuse und die 14-köpfige Wandergruppe haben ideales Laufwetter erwischt, um die Wege rund um die Eschenbühlhütte zu erkunden. Auf der Tour Nummer zehn der neuen Stockacher Wanderkarte geht es entlang der Stockacher Aach Richtung Espasingen und über Wahlwies zurück zum Ausgangspunkt, dem kleinen Parkplatz am Waldrand gleich nach dem Abzweig von Stockach nach Wahlwies an der K 6165. Die Teilnehmer sind überwiegend Mitglieder des Schwarzwaldvereins, aber auch einige Gäste schließen sich an. Zwei Damen aus Nenzingen freuen sich, die Gegend besser kennenzulernen.

Jörg Pompeuse schlägt ein gemütliches Lauftempo an und schreitet voraus. Nach zehn Minuten lädt er zu einer Trinkpause ein, um erste Flüssigkeitsverluste auszugleichen. Die Gruppe blickt derweil über die weiten Obst- und Getreideanbauflächen des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfes. Spontan erinnern sich die regelmäßigen Wanderer an ihre Führung durch das Kinderdorf, die sie sehr beeindruckt hat.

Auf dem Weg in die Aach-Niederung erwähnt Pompeuse historische Ereignisse über den 839 erstmals urkundlich erwähnten Ort Wahlwies. Er war immer wieder Schauplatz kriegerischer Ereignisse. Im Jahre 915 siegten hier in einer historischen Schlacht die schwäbischen Grafen Erchanger und Berthold über die Anhänger König Konrads I. und das zum Fiskus Bodman gehörende Dorf wurde zum "Geburtsort" des schwäbischen Herzogtums. Heute erinnert die Herzog-Erchanger-Straße im Neubaugebiet an den Adligen.

Entlang eines Armes der Stockacher Aach berichtet Jörg Pompeuse von der Familie Bury. Diese besaß eine Mahl- und eine Sägemühle, darum sei die Aach geteilt worden. Beide Mühlen wurden bis 1904 mit drei Wasserrädern betrieben. Nach dem Brand der Sägemühle wurde der Neubau mit einer Dampfmaschine betrieben. In Wahlwies zweigt heute der Karl-Bury-Weg von dem Sträßchen "Zur alten Mühle" ab. Beide Aach-Arme seien im Übrigen nicht schiffbar, man käme also nicht auf dem Wasserweg von Wahlwies bis zum Bodensee.

Die Teilnehmer erzählen, die Wanderungen des Schwarzwaldvereins seien sehr abwechslungsreich. Ein Wanderführer spreche mehr über historische Ereignisse, andere berichteten über Dinge und Begebenheiten der Gegenwart oder gäben lustige Anekdoten zum Besten. Gerade für Zugezogene empfehlen sie, sich dem Verein anzuschließen. Dies sei eine gute Möglichkeit, Leute und Umgebung kennenzulernen.

Während die kleine Gruppe durch Wald und Felder wandert, wird über alles Mögliche gesprochen: Politik und Alltag, Urlaubsreisen, Herkunft, Apfelsorten und die Frage, was denn nun auf diesem Feld, das gerade passiert wird, angebaut wird und warum die meisten Pflänzchen mit dem Wurzelballen auf, aber nicht im Boden liegen.

Der einzige Anstieg der 6,6 Kilometer langen Strecke führt am Erlenhof vorbei, wo die letzten Wahlwieser Milchkühe stehen und der Esel Moro mächtig Radau macht. Da haben auch die jüngsten Wanderer Cora (6) und Andreas (9) ihren Spaß. Noch besser gefällt es den beiden Kindern an der Eschenbühlhütte. Hier wie fast auf dem ganzen Weg springen sie barfuß herum. Die gekiesten Wege hätten ihnen nichts ausgemacht, sagen sie. Die Gruppe genießt die kurze Vesperpause mit Seeblick und ist sich einig: Der Vorteil einer geführten Wanderung liegt darin, dass man die Gegend kennenlernt und am Ende immer sicher am Ziel ankommt. Die gelaufene Strecke schätzen die Senioren als machbar für jedermann ein, sie sei auch für Familien mit Kinderwagen geeignet.


Für alle offen

Meist gehen zehn bis 20 Personen mit auf Tour. Bei weiter entfernten Zielen werden die Fahrtkosten auf alle Teilnehmer umgelegt. Eine Einkehr am Schluss gehört immer dazu. Die Teilnahme der Mitglieder an den regelmäßigen Dienstags- und Wochenend-Wanderungen wird von Wanderwart Berthold Gohl notiert. Es gibt einen vereinsinternen Wettbewerb. Nach einem Punktesystem ermittelt Gohl die eifrigsten Wanderer eines Jahres. Sie erhalten bei der Hauptversammlung Preise. Gerne dürfen sich interessierte Bürger den Wanderungen anschließen, auch für Touristen könnten die Wege rund um Stockach neue Eindrücke bieten.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.schwarzwaldverein-stockach.de
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