Die heiße Phase beginnt nun: Rund 230 Schüler stehen in Stockach vor den Abschlussprüfungen
Ines Maly (18) lernt täglich auf die bevorstehenden Prüfungen.
Ines Maly (18) lernt täglich auf die bevorstehenden Prüfungen. | Bild: Maximilian Gasch
Stockach
20.04.2017 19:51
Am Nellenburg-Gymnasium und beim Schulverbund Nellenburg mit Realschule und Werkrealschüler beginnen am 25./26./27. April die Abschlussprüfungen mit den Deutsch-Klausuren. Eine Abiturientin, die Leiterin des Schulverbunds und eine Lehrerin, die selbst vor 15 Jahren in Stockach Abitur gemacht hat, geben Einblicke über die Vorbereitungen und was sich beim Abi seit 2002 verändert hat.

Die Abschlussprüfungen an den weiterführeden Schulen in Stockach beginnen kommende Woche. Am Dienstag, 25. April, geht es für die Abiturienten am Nellenburg-Gymnasium traditionell mit der schriftlichen Klausur in Deutsch los. Dieses Jahr stellen sich 67 Schüler den Aufgaben. Der 26. April setzt den Startpunkt für die schriftlichen Arbeiten für rund 100 Realschüler und am 27. April müssen auch knapp 60 Werkrealschüler über den Deutsch-Aufgaben schwitzen. Und so gelangen alle an ihren Abschluss:

  • Gymnasium: Die Zahl der Abiturienten ist dieses Jahr (67) niedriger als vergangenes Jahr (106). Der Jahrgang ist generell kleineren und zudem gibt es Schüler, die zwischenzeitlich freiwillig ein Jahr wiederholt haben, um ihre Noten aufzubessern. Die Abi-Prüfungen setzen sich für jeden Schüler aus seinen fünf gewählten Kernfächern zusammen. Vorgegeben sind Deutsch, Mathe und die fortgeführte Fremdsprache. Das vierte Fach muss entweder eine weitere Fremdsprache oder ein naturwissenschaftliches Fach wie Biologie, Chemie oder Physik sein. Das fünfte Fach darf aus allen Fächern des Pflichtbereichs frei ausgewählt werden.

    Vier der Prüfungen sind schriftlich abzulegen, dazu kommt eine mündliche Prüfung aus einem Fach eigener Wahl. Diese kann aber durch eine Besondere Lernleistung ersetzt werden. Das kann zum Beispiel eine Teilnahme an "Jugend forscht" oder aber ein Seminarkurs sein. Bei Letztgenanntem stellt sich eine Schülergruppe eine Leitfrage. Die Gruppe erarbeitet diese größtenteils selbstständig und hält dann eine finale, gemeinsame Präsentation, in der sie die Ergebnisse vortragen.

  • Realschule: Die Realschüler müssen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe sowie einer Pflichtfremdsprache absolvieren. Zudem gibt es eine Fachübergreifende Kompetenzprüfung. Bei dieser arbeiten Gruppen aus drei bis fünf Schülern an einem zwei Fächer übergreifenden Thema und präsentieren gemeinsam die Ergebnisse. Dafür haben sie ein Zeitlimit und werden bei der Vorbereitungsphase durchgehend von einem Lehrer beaufsichtigt, der Hilfestellung geben kann und dabei die Arbeit der Schüler bewertet.

  • Werkrealschule: Die Abschlussprüfungen in Deutsch, Mathe und Englisch zählen genauso viel wie die restliche Jahresleistung in den einzelnen Fächern. Dazu kommt eine optionale mündliche Prüfung für die drei Hauptfächer sowie eine verpflichtende mündliche Prüfung im Fächerverbund Materie-Natur-Technik oder in dem in der zehnten Klasse belegten Wahlpflichtfach. In die Wertung fließen auch die restlichen Fächer und Fächerverbünde.

Wie es mit den Vorbereitungen auf die Prüfungen läuft und wie das Abitur vor 15 Jahren aussah erzählen eine Abiturientin, die Leiterin des Schulverbunds und eine Lehrerin, die 2002 in Stockach Abi gemacht hat, hier:

Sie setzt auf frühe Vorbereitung:

Ines Maly (18) lernt täglich auf die bevorstehenden Prüfungen.
Ines Maly (18) lernt täglich auf die bevorstehenden Prüfungen. Bild: Maximilian Gasch

Die 18-jährige Gymnasiastin Ines Maly aus Stockach schreibt bald ihre erste schriftliche Abi-Klausur gemeinsam mit ihren 66 Mitschülern. Entspannt ist sie dabei nicht. "Ich mache mir schnell selber Stress", erzählt sie. Aus diesem Grund habe sie schon vor fast zwei Monaten angefangen zu lernen. Vor allem Mathe bereite ihr Unbehagen, weswegen sie über die Osterferien an einem Intensivkurs für dieses Fach teilgenommen habe. Sie lerne vor allem morgens. "Dann weiß ich, dass ich es schnell hinter mir habe und bin motivierter", gibt sie zu. Sorge, das Gelernte im Verlauf des Tages wieder zu vergessen, hat sie keine.

Die Schülerin spielt mit dem Gedanken, auf Nummer sicher zu gehen und Baldrian mit in die Prüfung mitzunehmen. "Zumindest für Mathe kann ich mir das schon vorstellen", sagt sie. Die Lehrer, die die Zweitkorrekturen machen, bereiten der Stockacherin ebenfalls leichte Sorgen. Sie habe gehört, dass diese strenger seien, weil es nicht ihre eigenen Schüler sind. Außerdem könne man sich vor allem bei Fächern wie Deutsch seiner Note nicht allzu sicher sein. "Das ist echt schwer einzuschätzen, wenn man die Person nicht kennt." Der Schreibstil werde vielleicht plötzlich ganz anders bewertet.

Zudem ärgert sich die 18-Jährige über die Nebenfächer: "Da gibt es ja auch noch Arbeiten, die wir schreiben müssen." Und das nehme Zeit und Energie in Anspruch, weil sie darauf zusätzlich lernen müsse. Außerdem gibt es noch einzelne Prüfungen nach dem schriftlichen Abitur. "Die kommen eher ungelegen", räumt Ines Maly ein. Vor allem weil einer dieser Termine kurz nach dem Abihütten-Wochenende ist. "Die Arbeit wird wahrscheinlich nicht allzu gut ausfallen", scherzt die Schülerin. (mga)

Eine Frau mit viel Erfahrung:

Schulverbundsleiterin Beate Clot erlebt die Nervosität der Schüler mit.
Schulverbundsleiterin Beate Clot erlebt die Nervosität der Schüler mit. Bild: Maximilian Gasch

Beate Clot, Leiterin des Schulverbunds Nellenburg, erlebt den Stress, dem Schüler bei den Abschlussprüfungen ausgesetzt sind, mit. "Bei der Realschule ist das gesamte zehnte Schuljahr eigentlich ein einziges Prüfungsjahr", erklärt sie. Das sei anstrengend, für Lehrer und Schüler. Hinzu komme der noch relativ neue Schulverbund seit dem Schuljahr 2015/16. "Wir müssen immer noch Erfahrungen sammeln", sagt Clot. Schüler können ihren gewählten Bildungsgang jetzt leichter wechseln, also zum Beispiel von der Werkrealschule auf Realschule oder Gymnasium sowie umgekehrt. Das sei aber auch vor dem Verbund nicht unüblich gewesen. "Es ist gut für Schüler, sich noch später umentscheiden und korrigieren zu können", so die Schulleiterin. Sie schätze diese Möglichkeit. Trotz Wechseln zwischen den Schulformen schwanke die Größe des Abschlussjahrgangs nicht allzu stark. "Insgesamt sind es immer 100 bis 120 Realschüler, also ungefähr vier Parallelklassen", so Clot. Die Werkrealschule habe normalerweise zwei Klassen.

Die vorgegebenen Prüfungsaufgaben erhalten die Schulen durch das Schulamt, so Clot. Sie treffen erst kurz vor dem jeweiligen Termin auf und kommen bis zu ihrer Verwendung am Prüfungstag in den Tresor. Kurz vor Ostern ging bundesweit der Fall eines in Stuttgart aufgebrochenen Tresors an einem Gymnasium durch die Medien. Obwohl nichts gestohlen wurden, gab das Kulturministerium aus einem vorhandenen Pool neue Aufgaben für Mathe und Englisch heraus. Auch falls es andere Ungereimtheiten gäbe, stünden Ersatzaufgaben zur Verfügung. Der Tresor an der Stockacher Realschule ist sicher und versteckt. Bisher hätten sich noch nie Unbekannte daran vergriffen, sagt Beate Clot. (mga/löf)

Der Blick von zwei Seiten aufs Abi:

Karolin Könner hat 2002 in Stockach Abi gemacht und ist heute Lehrerin in Engen. Sie unterrichtet unter anderem Abiturienten in Englisch. Oben links im Regal steht ihr Englisch-Buch von 2002, ein Fach darunter das heutige.
Karolin Könner hat 2002 in Stockach Abi gemacht und ist heute Lehrerin in Engen. Sie unterrichtet unter anderem Abiturienten in Englisch. Oben links im Regal steht ihr Englisch-Buch von 2002, ein Fach darunter das heutige. Bild: Ramona Löffler

Zehn Prozent. Mindestens. Von etwa 55 Abiturienten des Nellenburg-Gymnasiums Stockach im Jahr 2002 sind mehrere Lehrer geworden. Eine von ihnen ist die 34-jährige Karolin Könner. Sie arbeitet als verbeamtete Studienrätin am Gymnasium Engen und hat unter ihren verschiedener Schülern auch Abiturienten. Es ist das zweite Mal, dass sie als Lehrerin junge Menschen auf dem Weg zur den Abschlussprüfungen begleitet. Allerdings gab sie im Jahr nach ihrem Abi nebenher Nachhilfe und unterstützte dabei damals eine Schülerin auf dem Weg zur Hochschulreife. “Beim meinen ersten Abiturienten im vergangenen Jahr war ich meganervös, ob ich alles richtig und gut vorbereitet hatte”, erinnert sie sich zurück. An ihre eigene Abizeit vor genau 15 Jahren habe sie in dem Moment gar nicht gedacht. “Dieses Jahr ist alles entspannter. Ich habe die Schwerpunktthemen zum zweiten Mal.”

Die Schwerpunkthemen hatten zur Zeit von Karolin Könners Abitur noch den Namen Sternchenthemen. Damals waren es in Deutsch Goethes “Faust”, “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin “Leonce und Lena” von Georg Büchener und Lyrik der Romantik. Heute muss sich der Abschlussjahrgang in den Pflichtlektüren “Dantons Tod” von Georg Büchern, “Homo faber” von Max Frisch, “Agnes” von Peter Stamm sowie Natur und Mensch in der deutschsprachigen Lyrik seit Sturm und Drang auskennen. Auch sonst funktionierte im Abi 2002 vieles anders als heute. Es gab Grund- und Leistungskurse, heute sind es Neigungs- und Kernkompetenzkurse. Karolin Könner hatte Leistungskurse in Englisch und Französisch. Englisch ist neben Deutsch eines ihrer Lehrfächer. Das Punktesystem für die Noten ist gleich geblieben, doch in Englisch zum Beispiel hat sich in den 15 Jahren seit Karolin Könners Abi die mündliche Prüfung stark verändert. “Wir mussten von Englisch ins Deutsche ohne Wörterbuch übersetzen”, erzählt die 34-Jährige. Heute gebe es eine Mediation, in der es gelte, einen Text sinngemäß vom Deutschen im Englischen wiederzugeben.

Etwas, das es in den Abi-Jahren um 2002 noch nicht gab, ist die Kommunikationsprüfung, in der sich zum Beispiel zwei Schüler auf Englisch unterhalten müssen. “Es geht jetzt mehr um die Alltagsfähigkeit”, erklärt sie. Bei einer USA-Reise habe sie selbst damals zum Beispiel nicht gewusst, wie die höfliche Frage nach der Toilette lautet. Es ist “Where’s the restroom?”. Solches Basiswissen deckt inzwischen der Fokus in den Fremdsprachenprüfungen ab. “Das Abi ist alltagstauglicher geworden.” Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass es die Prüfung der allgemeinen Hochschulreife sei und “für die Uni fit machen soll”, sagt sie.

Das Internet hat in den vergangenen zehn bis 20 Jahren große Bedeutung in den Schulen bekommen. “Wir mussten für vieles in Bibliotheken gehen, manche hatten auch einen Brockhaus zuhause”, erinnert sich die Lehrerin an ihre Schulzeit zurück. “Jetzt geht sehr viel über das Internet.”

In wenigen Tagen beginnen die schriftlichen Abiprüfungen. Wenn die Arbeit der Schüler vorbei ist, fängt die der Lehrer erst an. Karolin Könner macht in diesem Jahr wieder Korrekturen der schriftlichen Englisch-Prüfungen. Teils bei eigenen Schülern, teils bei Abschlussarbeiten anderer Schulen. “Ich schicke zum zweiten Mal Abiturienten ins Leben”, sagt sie. “Ein Teil wird bestimmt auch Lehrer und vielleicht eines Tages Kollegen an der Schule.” Genau so ging es ihr, denn unter ihren Kollegen ist zum Beispiel mit Rainer Krautheimer ein Lehrer, der zu ihrer eigenen Schulzeit in Stockach arbeitete und den sie im Grundkurs Chemie hatte.

Karolin Könners Rat an Schüler, die jetzt vor den Prüfungen stehen: Zeit nehmen, genug schlafen und vor der Prüfung in Ruhe frühstücken. Und für alle, die neugierig sind: Die heutige Lehrerin hatte eine 2,2 als Abischnitt. Mit einem Augenzwinkern sagt sie: “Ich wäre neugierig, ob ich das Abi heute in Französisch oder Mathe noch schaffen würde.” (löf)

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