Neues Bürgerbündnis für Demokratie: Ein Logo und ein Grundkonsens bilden vorerst die Basis für das Projekt
Die Initiatoren des Bürgerbündnisses: von links Ralph Schiel, Maria Füllberth (hinten), Angelika Neurohr und Monika Laule, Daniela Löchle, Nina Breimaier, Ursula Nonnen und Daniel Schenker.
Die Initiatoren des Bürgerbündnisses: von links Ralph Schiel, Maria Füllberth (hinten), Angelika Neurohr und Monika Laule, Daniela Löchle, Nina Breimaier, Ursula Nonnen und Daniel Schenker. | Bild: Claudia Wagner
Radolfzell
14.07.2017 16:51
Die Initiatoren wollen sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus und für die Entwicklung der Demokratie engagieren. Dafür sind ihnen originelle Projektideen, gerne auch mit Humor, willkommen

Eine Seite Text und ein Logo: das haben die Gründungsmitglieder des Bürgerbündnisses Radolfzell für Demokratie der Öffentlichkeit zu bieten, als sie ihr Projekt im Zunfthaus der Narrizella vorstellen. Der Anlass des Zusammenschlusses von bisher sieben Personen sind die Aktivitäten der rechtsextremen Partei "Der dritte Weg", die wiederholt in der Stadt aktiv geworden ist, wenn auch oft an der Schwelle des Wahrnehmbaren: häufig sind Aufkleber der Partei zu finden. Vor zwei Jahren warben Sympathisanten mit einem Informationsstand.

Maria Füllberth, früher im Vorstand des Bokle aktiv, formuliert ihre persönliche Zielsetzung für das Bündnis so: "Man soll sehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich für Werte wie Demokratie und Vielfalt und Menschenrechte einsetzt." Sie selbst habe diese Werte für selbstverständlich gehalten und hätte nicht gedacht, dass ihre Generation sich für sie noch engagieren müsse. Die Handlungen der rechtsextremen Gruppierung hätten diese Überzeugung aber ins Wanken gebracht.

Die Gründungsmitglieder haben einen Grundkonsens erarbeitet, der die Werte der Gruppe umreißt. Die Mitglieder wollen "gemeinsam jeder Form des Extremismus, Rassismus, gruppenbezogener Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Demokratiefeindlichkeit" entgegen treten. Sie wollen "angfristig für Demokratie begeistern" und eine Stadtkultur schaffen, die auf Akzeptanz und Solidarität beruhe.

"Wir wollen Position beziehen und sind zu Diskussionen bereit", sagt Nina Breimaier, die sich als Stadträtin mit Monika Laule um einen Antrag beim Programm "Demokratie leben" des Bundesfamilienministeriums bemüht hat. Mit den Fördergeldern steht künftig, sofern sie bewilligt werden, Geld zur Verfügung, um Projekte umzusetzen.

Welche Projekte das sein könnten, darüber kann Nina Breimaier bei der Versammlung noch keine Auskunft geben. Die Gruppe habe sich auf den Grundkonsens geeinigt, nun warte man ab, welche Ideen aus den eigenen Reihen oder von weiteren Mitstreitern kommen. Es gibt ein Logo, Flyer und Buttons, die das Bürgerbündnis unter Radolfzellern verteilen möchte.

Das Logo hatte offenbar schon in der Entwurfsphase für manche Diskussion gesorgt. Es lautet BRD, die Abkürzung für Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie. Sie seien sich bewusst, dass die Bezeichnung BRD, besser bekannt als Bundesrepublik Deutschland, voraussichtlich nicht nur auf Zustimmung stoßen werde, sagt Breimaier. "Wir wollen Position beziehen und sind zu Diskussionen bereit".

Logo und Bündnis-Idee kommen im Publikum unterschiedlich an. Pauline Meyer, Vorsitzende des Jugendgemeinderats, kann sich vorstellen, die Idee weiter zu verbreiten und Flyer und Buttons etwa bei "Rock am Segel" zu verteilen. Über das Logo lasse sich streiten, meint sie vorsichtig. Bianka ist weniger optimistisch: Unter dem Kürzel BRD könne sie sich ihr eigenes Engagement schlecht vorstellen. "Das ist mir zu staatlich". Bei einer ähnlichen Aktion "Demokratie leben" in Singen hätten alle sofort in Workshops an Projekten gearbeitet, dieses Vorgehen scheine ihr konkreter und zielführender.

 

Zu Inhalten und Strukturen

  • Grundkonsens: Ein wichtiges Ziel sei es, die Demokratiebildung zu stärken. Ein weiteres, vernetzt gegen demokratiegefährdende gesellschaftliche Entwicklungen in der Stadt zu arbeiten. Die Mitglieder des Bündnisses bekennen sich zur demokratischen Grundordnung, zum Grundgesetz und zur Erklärung der Menschenrechte.
  • Das Logo: Die Farben des Logos sind bewusst gewählt. Blau stehe für den Bodensee, erläutert Nina Breimaier, orange und rot für die Farben des Stadtwappens. Der Entwurf stammt von der Konstanzer Agentur Naturblau von Ralph Schiel.
  • Demokratie leben: Das Bundesprogramm "Demokratie leben" richtet sich an Vereine, Initiativen und Bürger, die sich für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen. Das Familienministerium des Bundes unterstützt die Initiativen mit Fördergeldern. Es geht unter anderem darum, präventiv gegen Radikalisierung vorzugehen.
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