Leinen los zum großen Segel-Abenteuer
Trotz mäßigen Wetters hat die Besatzung bei der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell viel Spaß. Skipper Jürgen Habenicht erteilt vom Bug aus seine Anweisungen. Bilder: Johannes Renner
Trotz mäßigen Wetters hat die Besatzung bei der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell viel Spaß. Skipper Jürgen Habenicht erteilt vom Bug aus seine Anweisungen. Bilder: Johannes Renner | Bild: Johannes Renner
Auf dem Wasser gibt es für die jungen Seeleute auch Proviant, der solidarisch geteilt wird. Von links: Freddi, Nick, Jennifer, Rebekka. Bild: Johannes Renner
Auf dem Wasser gibt es für die jungen Seeleute auch Proviant, der solidarisch geteilt wird. Von links: Freddi, Nick, Jennifer, Rebekka. | Bild: Johannes Renner
Skipper Jürgen Habenicht mit den Kindern bei den letzten Handgriffen vor dem Ablegen aus dem Hafen des Yachtclubs Radolfzell. Bild: Johannes Renner
Skipper Jürgen Habenicht mit den Kindern bei den letzten Handgriffen vor dem Ablegen aus dem Hafen des Yachtclubs Radolfzell. | Bild: Johannes Renner
Auch die Yachtclub-Jugendleiterin Annegret Mündermann ist an Bord. Im Klüvernetz die Kinder Freddi und Lucia. Bild: Johannes Renner
Auch die Yachtclub-Jugendleiterin Annegret Mündermann ist an Bord. Im Klüvernetz die Kinder Freddi und Lucia. | Bild: Johannes Renner
Nick und Lucia bei der Jugendausfahrt des Yachtclub Radolfzell im Klüvernetz. Bild: Johannes Renner
Nick und Lucia bei der Jugendausfahrt des Yachtclub Radolfzell im Klüvernetz. | Bild: Johannes Renner
Die jungen Teilnehmer  der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell genießen eine kleine Pause und den schönen Ausblick. Bild: Johannes Renner
Die jungen Teilnehmer der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell genießen eine kleine Pause und den schönen Ausblick. | Bild: Johannes Renner
Radolfzell
11.08.2017 14:48
Die 22 Teilnehmer der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell fahren auf sechs Booten nach Öhningen und zurück. Das Übernachten auf dem Segelboot gehört dazu.

Das Boot wird beladen und zum Ablegen klar gemacht. Kinder springen herum und befolgen die Anweisungen des Respekt einflößenden Skippers und Segellehrers Jürgen Habenicht. Auf dem Boot duzt man sich, egal wie groß der Altersunterschied auch ist. "Sonst fahren wir nur Opti. Das ist schon etwas anderes und ich habe auch vorher noch nie auf einem Boot übernachtet", erzählt der siebenjährige Freddi aufgeregt. Ein Optimist ist ein kleines Segelboot, das die Kinder üblicherweise im Trainingsbetrieb fahren. Heute segeln sie zusammen mit Jürgen Habenicht ein größeres Segelboot. 22 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren sind auf sechs Segelbooten mit an Bord zur großen Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell.

Nach kurzer Zeit weht einem schon die frische Seeluft um die Nase und das weite Wasser wird mit etwa vier bis sechs Knoten durchpflügt. Das sind rund zehn Kilometer pro Stunde. Am Liebsten klettern die Kinder vorne in das Klüvernetz. Dort spürt man das Wasser ganz nah. Als schließlich der Wind kommt, beginnt der Spaß erst so richtig. Der Skipper setzt zusammen mit Jugendleiterin Annegret Mündermann und den Kindern das Hauptsegel. Ganz oben weht eine kleine Piratenflagge. Segeln macht aber nicht nur Spaß, sondern auch hungrig. Deshalb essen die Kinder, wenige machen ein kleines Nickerchen.

Auf dem Wasser gibt es für die jungen Seeleute auch Proviant, der solidarisch geteilt wird. Von links: Freddi, Nick, Jennifer, Rebekka. Bild: Johannes Renner
Auf dem Wasser gibt es für die jungen Seeleute auch Proviant, der solidarisch geteilt wird. Von links: Freddi, Nick, Jennifer, Rebekka. Bild: Johannes Renner

Nele ist zehn Jahre alt und war schon im letzten Jahr dabei. Sie ist seit einem Jahr Mitglied im Yachtclub. Am meisten gefällt es ihr, im Klüvernetz zu sitzen oder bei gutem Wetter Wasserschlachten zu machen. Heute ist das Wetter nicht besonders gut. Es beginnt zu regnen, auch der Wind frischt auf. Man weiß nicht genau, ob einem Gischt oder Regentropfen ins Gesicht peitschen. Das Boot schwankt hin und her, als wolle es jeden Moment kentern. Doch der erfahrene Seebär bekommt nicht so schnell kalte Füße wie eine Landratte. Jürgen Habenicht fährt seit mehr als 40 Jahren zur See und hat schon viel erlebt. Bei stärkerem Wind verbietet er es, in das Klüvernetz zu klettern. Zur Sicherheit tragen alle Schwimmwesten. Schon letztes Jahr hat er ein Boot mit Kindern gesteuert. "Wenn es ein Chaos gewesen wäre, hätte ich das nicht noch einmal gemacht", sagt er. Man sieht, dass er es genießt, die Kinder für das Segeln zu begeistern und ihnen noch etwas beizubringen. Auch Freddi ist zufrieden mit dem Skipper: "Ich hätte einen strengeren Kapitän erwartet."

Skipper Jürgen Habenicht mit den Kindern bei den letzten Handgriffen vor dem Ablegen aus dem Hafen des Yachtclubs Radolfzell. Bild: Johannes Renner
Skipper Jürgen Habenicht mit den Kindern bei den letzten Handgriffen vor dem Ablegen aus dem Hafen des Yachtclubs Radolfzell. Bild: Johannes Renner

Als es windstill wird, startet Jürgen Habenicht wieder den Motor. Am Ufer wechseln die Landschaften. Auf der einen Seite Horn und Gaienhofen, auf der anderen Berlingen und Steckborn. Unter Deck gibt es einen kleinen Streit, doch im Großen und Ganzen verläuft alles harmonisch.

Vom Gefühl der Freiheit auf See ist auch Annegret Mündermann immer wieder aufs Neue begeistert. Sie ist Jugendleiterin im Yachtclub. Die habilitierte Bewegungswissenschaftlerin lebt seit acht Jahren in Radolfzell. Entgegen der Erwartung, erzählt sie, sei der Segelsport nicht nur von den Reichen gepachtet. Für Kinder koste eine Mitgliedschaft gerade einmal 30 Euro im Jahr, für Erwachsene 140 Euro.

Auch die Yachtclub-Jugendleiterin Annegret Mündermann ist an Bord. Im Klüvernetz die Kinder Freddi und Lucia. Bild: Johannes Renner
Auch die Yachtclub-Jugendleiterin Annegret Mündermann ist an Bord. Im Klüvernetz die Kinder Freddi und Lucia. Bild: Johannes Renner

Außerdem gebe es in Radolfzell Segeln als Schulfach. Schüler der Grundschule Böhringen und der Ratoldusschule Radolfzell können einmal die Woche segeln. "So können auch Kinder zum Segelsport finden, die sonst eher nicht dazu kämen", erzählt Annegret Mündermann. Die Jugendleiterin braucht das Wasser und erzählt von der Faszination des Segelns: "Es ist einfach ein grandioses Gefühl. Draußen ist das Wasser auch viel klarer als am Ufer. Bei gutem Wetter zu schwimmen ist hier sehr schön. Segler lesen den Wind und das Wasser."

Nick und Lucia bei der Jugendausfahrt des Yachtclub Radolfzell im Klüvernetz. Bild: Johannes Renner
Nick und Lucia bei der Jugendausfahrt des Yachtclub Radolfzell im Klüvernetz. Bild: Johannes Renner

Das Buch der See führt die Mannschaft heute nach Öhningen. Dort wird später gegrillt und unter Deck geschlafen. Das wird für viele völlig neu sein. Schwankend einschlafen oder vor Übelkeit über der Reling hängen, ist dann die Frage. "Auch ich werde noch manchmal seekrank", gibt die Jugendleiterin lachend zu. Am nächsten Morgen soll es auf die Reichenau und von dort zurück nach Radolfzell gehen. "Wir sind dem Segelclub Öhningen und den Jollenseglern Reichenau dankbar, für die Gastfreundschaft", so die Jugendleiterin.

Die jungen Teilnehmer  der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell genießen eine kleine Pause und den schönen Ausblick. Bild: Johannes Renner
Die jungen Teilnehmer der Jugendausfahrt des Yachtclubs Radolfzell genießen eine kleine Pause und den schönen Ausblick. Bild: Johannes Renner


Der Yachtclub Radolfzell

Der Verein wurde 1912 gegründet und hat mittlerweile 760 Mitglieder, davon 94 Jugendliche. Der clubeigene Hafen besteht seit 50 Jahren. Der hauptamtliche Trainer Jakob Janich betreut die Sportler. Trainingstage sind Dienstag bis Freitag. Mehr als 30 Kinder sind derzeit in den verschiedenen Trainingsgruppen aktiv. Im Winter geht es in die Halle. Dann steht vor allem Konditions-, Kraft- und Koordinationstraining an. Für Kinder kostet eine Mitgliedschaft 30 Euro im Jahr, für Erwachsene 140 Euro.

Informationen zum Verein: www.ycra.de

Ihre Meinung ist uns wichtig
0 Kommentare