Eine Gaienhofer Schule als Konzertsaal
Die Ouvertüre zur Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart – das Bodensee Kammerorchester sorgte für schöne Überraschungsmomente.
Die Ouvertüre zur Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart – das Bodensee Kammerorchester sorgte für schöne Überraschungsmomente.
Im Violinkonzert Nr. 3 von Camille Saint-Saens nahm sich Solistin Kathrin ten Hagen präzise und selbstbewusst ihren Raum.
Im Violinkonzert Nr. 3 von Camille Saint-Saens nahm sich Solistin Kathrin ten Hagen präzise und selbstbewusst ihren Raum.
Radolfzell
11.08.2017 15:55
Das Bodensee Kammerorchester lud zur Generalprobe. Ein beeindruckendes musikalisches Niveau traf sich mit einer ausgesprochen familiären Stimmung.

Aus Höri könnte dieser Tage fast "Hör' hi!" werden: Musik klingt über die Halbinsel, wohin das Ohr lauscht: in Öhningen finden zur Zeit zum ersten Mal die Höri-Musiktage statt, und das Bodensee Kammerorchester lud zur öffentlichen Generalprobe. Während dieser Probe für zwei Konzerte in Überlingen und in Singen verwandelten die jungen Musiker die Aula der Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen mit ihrer guten und kompakten Akustik sozusagen in einen Konzertsaal.

So verleitete dann auch das Regenwetter sehr viele Zuhörer dazu, die Generalprobe mit der Ouvertüre zur "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart, dem Violinkonzert Nr. 3 von Camille Saint-Saëns und der fünften Symphonie von Ludwig van Beethoven zu besuchen. Der Andrang war so groß, dass die Besucher auch auf der Treppe Platz nehmen mussten. Wobei natürlich die Stimmung während einer Probe lockerer ist als in einem Konzert. Durch die Fenster sehen Zaungäste zu, manch einer geht zwischendurch mal raus. An die 50 Musiker tummelten sich in der Aula, die mit ihrer ausgefeilten Dynamik und sichtlichen Freude am Musizieren schnell dazu beitrugen, dass Außenstehende sich unauffällig in den Zuschauerraum begaben.

Immer wieder schlich das große Meer der Streicher in einem hauchzarten Pianissimo über die Saiten, so dass man unsicher war, ob man überhaupt noch etwas hörte. Eine geniale Kunst war es, auch an schnellen Stellen so zu spielen, die normalerweise dazu verführen, laut zu werden. Die enorme dynamische Bandbreite des Orchesters unter dem lebendigen Dirigat von Gero Wittich zog sich durch alle drei Werke. In der Ouvertüre zur "Zauberflöte" sorgte der dynamische Feinschliff für besondere musikalische Überraschungsmomente. Im Violinkonzert mit der Solistin Kathrin ten Hagen schuf das Orchester immer wieder einen munteren Klangteppich, auf dem sich die Solistin selbstbewusst ihren Raum nahm. Melancholische, dramatische, aber auch sehnsuchtvolle Momente wechselten sich ab.

Auch bei einer wunderschönen Pizzicato-Stelle mit sanftem Oboen-Fagott-Klang zeigte sich das große Können der Musiker. Schließlich die fünfte Symphonie von Ludwig van Beethoven: Mit der typischen Bläser-Fanfare eröffneten die Musiker den ersten Satz. Beethoven zeigte sich hier wieder Komponist, der in der Symphonie den menschlichen Schicksalskampf – Niederlage und Triumph, Leid und Erlösung – beschreibt. So musste denn auch die erste Geige ausgetauscht werden, weil vermutlich eine Saite gerissen war. Vollblutmusiker treffen sich zur Probe – ein besonderes Schmankerl für Musikliebhaber.

 

Das Orchester

An die 50 junge Musiker aus der Region und dem Bundesgebiet bilden das Bodensee Kammerorchester. Einige spielen in führenden Positionen in namhaften Orchestern. Das Projektorchester trifft sich seit 15 Jahren zu den Proben für zwei Konzerte in der Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen. Zwei Konzerte fanden in Überlingen und Singen statt. Dieses Jahr verlieh der Lions Club Singen-Hegau dem Orchester seinen Kulturförderpreis 2017. (chg)

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