Totschlagsprozess gegen Mühlinger: Zeugen ordnen bestimmtes Verhalten unterschiedlich ein
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Symbolbild | Bild: David-Wolfgang Ebener (dpa)
Mühlingen/Konstanz
11.08.2017 19:03
Zeugen der Anklage und Verteidigung haben im Tötungsprozess vor dem Landgericht Konstanz gegen einen 42-Jährigen aus Mühlingen ausgesagt. Sie interpretieren die Zeit vor der Tat unterschiedlich.

Die ersten beiden Tage im Prozess wegen Totschlags gegen einen 42-Jährigen aus der Gemeinde Mühlingen zeichneten deutliche Bilder des Angeklagten, der getöteten 26-Jährigen und der Tat selbst. Dabei kristallisierte sich zunehmend ein großer Gegensatz zwischen den positiven Charakterbeschreibungen des Angeklagten und dem Delikt heraus. Genauergesagt dem, was der Tat mit dem Wegschaffen und Verstecken der Leiche folgte. Diesem Rätsel ist das Gericht bisher noch nicht genauer auf die Spur gegangen.

Für den dritten Verhandlungstag am Dienstag sind allerdings Experten aus dem psychologischen Bereich angekündigt. Es wird dann auch um Bewertungen und zurückliegende psychologische Behandlungen der Getöteten gehen. Die bisherigen Zeugenaussagen deuteten bereits eine Persönlichkeitsstörung an, die sich unter anderem in krankhafter Eifersucht geäußert haben soll.

Den Charakter der Getöteten und konkrete Beispiele für Situationen mit ihr schilderten Zeugen vor Gericht anders als in den Polizeiaussagen. Doch während die Mutter frühere Streits mit der 26-Jährigen nun eher abtat, fand die 17-jährige Schwester der Toten deutliche Worte. Die 26-Jährige solle oft schlechten Umgang gehabt und ihre Partner auch angegriffen haben. Damit schloss sie sich anderen Aussagen an.

Sie sprach aber auch davon, dass zuletzt etwas in der Beziehung ihrer Schwester mit dem Angeklagten nicht gestimmt habe. Veränderungen im Verhalten griffen viele Zeugen beider Seiten auf. Die Zeugen der Anklage sahen eine Bedrohung der 26-Jährigen durch den 42-Jährigen – die Zeugen der Verteidigung berichteten, dass der Mühlinger ruhiger geworden sei und sich mehr zurückgezogen habe.

Am zweiten Prozesstag schloss noch die Verlesung der Vernehmung des Taxifahrers, der den Angeklagten von Konstanz nach Stockach gebracht hatte, eine zeitliche Lücke und brachte neue Informationen. Die Fahrt war abends nach dem Ablegen der Leiche im Wald bei Litzelstetten sowie dem Abstellen des Autos in Konstanz beim Lorettowald.

Der Taxi-Fahrer beschrieb seinen Fahrgast als gepflegt und die Kleidung sei sauber gewesen. Der Mann habe sich mit ihm über seine Firma sowie Stockach unterhalten. Sie stellten fest, dass sie dort sogar gemeinsame Bekannte hatten. Der Taxifahrer schilderte den 42-Jährigen als ruhig. Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass er aufgeregt gewesen sei. Der Fahrgast habe nur mehrfach auf sein Mobiltelefon geschaut. Der Taxifahrer konnte sich nicht vorstellen, dass der Angeklagte eine solche Tat begangen haben sollte. Ähnliche Worte fielen in mehreren Aussagen.

Der Richter kündigte noch eine Aussage für Dienstag an, die eine neue Richtung einschlage. Auch das Thema Drogen soll eine Rolle spielen.

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