Unterwasser-Rugby: Konstanzer Studenten trainieren in fünf Metern Tiefe
Mit Taucherbrille und Schnorchel ausgerüstet, kann der Kampf um den Ball beginnen: Marius Bayer ist einer der vier Trainer der Unterwasser-Rugby-Gruppe des Hochschulsports der Universität Konstanz.
Mit Taucherbrille und Schnorchel ausgerüstet, kann der Kampf um den Ball beginnen: Marius Bayer ist einer der vier Trainer der Unterwasser-Rugby-Gruppe des Hochschulsports der Universität Konstanz. | Bild: HAnser
Hartes Training und Gerangel: Die Sportler zeigen am Boden des Sprungbeckens im Schwaketenbad großen Einsatz. Die Kombination aus Ballsport und Tauchen erfordert von den Spielern, sich auf zwei ganz unterschiedliche Disziplinen gleichzeitig einzulassen.
Hartes Training und Gerangel: Die Sportler zeigen am Boden des Sprungbeckens im Schwaketenbad großen Einsatz. Die Kombination aus Ballsport und Tauchen erfordert von den Spielern, sich auf zwei ganz unterschiedliche Disziplinen gleichzeitig einzulassen.
Konstanz
31.07.2014 01:39
Das Tor steht am Boden des Sprungbeckens im Schwaketenbad: Die Spieler bewältigen die Disziplinen Ballsport und Tauchen gleichzeitig. SÜDKURIER-Mitarbeiterin Julia Russ blickt unter die Wasseroberfläche.
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Bevor Corinna Rauleder ins Wasser steigt, zieht sie sich die Badehaube mit Ohrenschützern über den Kopf. „Das ist wichtig wegen der Schläge“, erklärt sie und bindet das Band unter ihrem Kinn fest. „Unterwasser-Rugby ist ein sehr körperliches Spiel.“

Über den Hochschulsport der Universität Konstanz üben 20 Studenten und junge Wissenschaftler von der Gruppe UWR-Bodensee den Sport zweimal in der Woche im Schwaketenbad aus, wo ihnen das Sprungbecken zur Verfügung steht. Fünf Meter ist es tief, genau richtig für den Kampf zweier gegnerischer Mannschaften um einen salzwassergefüllten Ball. Die schweren Metallkörbe von etwa 40 Zentimetern Durchmesser, die als Tore dienen, stehen üblicherweise in 3,5 bis fünf Metern Tiefe. An die Wasseroberfläche kommen darf der Ball nicht, ansonsten aber ist viel erlaubt.

Corinna streift nun die Flossen über, vorher hat sie sich Socken angezogen, damit die Flossen nicht rutschen. Flossen benötigen Rugbyspieler, um unter Wasser schnell und wendig zu sein. Nun kommt die Taucherbrille samt Schnorchel hinzu. Mit diesem kann Corinna atmen, wenn sie sich knapp unterhalb der Wasseroberfläche bewegt um vorwärts zu kommen. Dort, wo das Gerangel um den Ball mit einem Stoß in das gegnerische Tor seine Höhepunkte findet, am Beckenboden wo die die Körbe stehen, nützt ihr der Schnorchel nichts. Die Spieler müssen die Luft anhalten, so lange sie können. Geht es nicht mehr, tauchen sie auf und ein Mannschaftsmitglied steht zum schnellen Auswechseln bereit.

Mit der gleichen Ausrüstung wie Corinna steige ich nun auch ins Wasser. Während die Unterwasser-Rugbyspieler, von denen die meisten zusammen mit einer Gruppe aus Friedrichshafen am Ligabetrieb teilnehmen, sich für Trainingsspiele aufwärmen, macht Marius Bayer mit mir das Anfängerprogramm.

„Jedes Semester können wir bei unserem Schnuppertraining zwei bis drei neue Spieler gewinnen“, sagt der Junior Research Fellow im Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft, der einer von vier Trainern ist.

„Ich nehme an, Du kannst schwimmen, hast aber keinen Tauchschein?“, fragt er. So geht es den meisten Anfängern im Unterwasser-Rugby und bei mir ist es genauso. Man müsse aber auch nicht tauchen können, um mitzumachen, so Marius, denn alles Nötige lerne man hier. Schwimmen ist die einzige Voraussetzung. „Der Sport ist ideal für Leute, die etwas ganz Neues ausprobieren wollen.“

Die erste Lektion ist das Auspusten des Wassers aus dem Schnorchel. Es ist eigentlich nicht schwierig: Ich tauche kurz unter, das Wasser blubbert in die Plastikröhre, aber mit einem kurzen Luftstoß ist es sofort wieder draußen. Ein wenig mehr konzentrieren muss ich mich aber schon, wenn ich dasselbe während des Schwimmens versuche. Als nächstes kommt der Druckausgleich an die Reihe. „Das muss man bei jedem Meter machen, den man weiter in die Tiefe geht“, sagt Marius und macht es vor: Die Nase zuhalten und hineinschnaufen, sobald unter Wasser Druck auf die Ohren kommt, genauso wie in einem Flugzeug beim Start. Es knackt und die Ohren sind wieder frei, nach spätestens zwei oder drei Versuchen klappt das auch unter Wasser und mit der Taucherbrille auf der Nase.

Tief im Wasser neben Marius und mir ist inzwischen ein heftiger Kampf im Gange. Die Freizeitsportler haben mit Trainingsspielen begonnen. Vor allem aber dürfe jemand handfeste Kabbeleien bei diesem Sport nicht scheuen, sagt Marius. Wenn ein Gegenspieler den Ball in den Händen halte, sei es nicht verboten, ihn zu berühren. „Trotzdem ist die Verletzungsgefahr nicht groß, weil alles vom Wasser abgedämpft wird“, so Marius. Ernsthaft verletzt jedenfalls habe sich bei den hitzigen Spielen aus der Gruppe noch niemand.


Unterwasser-Rugby

Die Sportart gilt als weltweit einzige dreidimensionale Mannschaftssportart (Tauchen, Rugby, Handball). In 3,5 bis fünf Metern Tiefe kämpfen sechs Spieler gegeneinander. Es gibt eine Unterwasser-Rugby-Weltmeisterschaft, eine Europameisterschaft und ein Ligasystem in Deutschland. Die Unterwasser-Rugby-Gruppe UWR Bodensee gehört zum Hochschulsport der Uni Konstanz. In einer Spielergemeinschaft mit dem Tauch-Sport-Club Friedrichshafen nimmt sie am Ligabetrieb in Baden-Württemberg teil. (jru)
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