Mindestlohn-Debatte reißt nicht ab
Verweist auf Prinzip der Vertragsfreiheit: Ines Kleiner, stellvertretende Geschäftsführerin Dehoga Baden-Württemberg.
Verweist auf Prinzip der Vertragsfreiheit: Ines Kleiner, stellvertretende Geschäftsführerin Dehoga Baden-Württemberg. | Bild: AS
Bedenken gegen flächendeckenden staatlichen Mindestlohn: IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx.
Bedenken gegen flächendeckenden staatlichen Mindestlohn: IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx. | Bild: han
Konstanz
16.01.2015 01:46
Der Grundlohn wird auf 8,50 Euro erhöht, dafür werden aber Zuschläge gekürzt. Gewerkschaften kritisieren diesen Vorgang, damit würde der Mindestlohn quasi unterlaufen. Arbeitgebervertreter sehen diese Praxis als legitim an.
Konstanz interessiert Sie?

Bestellen Sie den Gratis-Newsletter "Wasserstand" von Redaktionsleiter Jörg-Peter Rau.

Arbeitgeberverbände sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) widersprechen der Darstellung von Verdi und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), nach der Arbeitgeber versuchen, den Mindestlohn zu unterlaufen. So sei es völlig legitim, den Grundlohn auf 8,50 Euro zu erhöhen und im Gegenzug die Zuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit zu kürzen, sagte Ines Kleiner, stellvertretende Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg. Allerdings dürfe dies nie einseitig geschehen. „Wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf ein neues Bezahlungsmodell einigen, entspricht das dem Prinzip der Vertragsfreiheit“, sagte Ines Kleiner. Das sei normale Arbeitspolitik.

Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, hat auch keine Einwände gegen diese unternehmerische Praxis, solange der Bestandsschutz gewahrt bleibe. Allerdings hat er grundsätzliche Bedenken gegenüber der Einführung des flächendeckenden staatlichen Mindestlohns. „Wir haben nichts gegen die Höhe von 8,50 Euro pro Stunde einzuwenden. Aber es wäre besser, wenn die Tarifparteien über einen branchenspezifischen Mindestlohn verhandeln würden“, sagte Claudius Marx.

Auch nach der Einführung des Mindestlohns verstummen die kritischen Stimmen nicht. So kritisierte Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), im Gespräch mit dem SÜDKURIER die leichtgläubige Mentalität vieler Bürger. „Die Menschen sollten mehr und genauer Zeitung lesen. Denn dann wüssten sie, dass die vermeintlichen Wahlgeschenke ihren Preis haben und dass häufig die Empfänger dafür zahlen müssten“, sagte Götz. Durch die Einführung des Mindestlohns würden in einigen Branchen Arbeitsplätze verloren gehen. „Statt des Mindestlohn haben die Betroffenen dann gar nichts mehr“, sagte Götz. Zuvor hatte bereits Horst Seehofer (CSU), Ministerpräsident von Bayern, Nachbesserungen beim Mindestlohn gefordert.

2 Kommentare