In Konstanz fehlen rund 230 Betreuungsplätze für Kleinkinder
Noch ist der Kindergarten St. Martin ein Stückwerk der Jahrzehnte. Alle 30 Jahre wurde ein Anbau erstellt. Die Sanierung ist eines der drei großen Kita-Investitionsprojekte des Doppelhaushalts 2017/18. Archivbild: Kirsten Schlüter
Noch ist der Kindergarten St. Martin ein Stückwerk der Jahrzehnte. Alle 30 Jahre wurde ein Anbau erstellt. Die Sanierung ist eines der drei großen Kita-Investitionsprojekte des Doppelhaushalts 2017/18. Archivbild: Kirsten Schlüter | Bild: Kirsten Schlüter
Konstanz
14.07.2016 18:41
In Konstanz gibt es weiterhin einen Engpass bei der Betreuung der unter Dreijährigen. Das Sozial- und Jugendamt hält weiteren Ausbau für notwendig. Die Stadt sieht momentan nur Möglichkeiten für weitere 122 Plätze bis 2019.
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Trotz Volldampfs beim Ausbau der Kitaplätze – auch im kommenden Kindergartenjahr werden mindestens 230 Kinder unter drei Jahren keinen Betreuungsplatz bekommen. Davon geht das Sozial- und Jugendamt nach der Vergabekonferenz auf Basis der zentralen Vormerkliste aus. Die Zukunftsprognosen zeigen: Allein um den jetzigen Zustand zu halten, muss Konstanz weiter auf den Ausbau der Kindertagesstätten setzen.

Obwohl in den vergangenen acht Jahren rund 30 Millionen Euro in den Bau von 400 neuen Kleinkindplätzen geflossen sind, bleibt das Angebot hinter der steigenden Nachfrage zurück. Dazu kommen nun auch noch besonders geburtenstarke Jahrgänge und eine verstärkte Suche nach Plätzen schon für Kinder unter einem Jahr. "Hier scheint sich eine neue Bedarfslage herauskristallisiert zu haben", heißt es dazu im Bericht zu den Kindertagesstätten für dieses Jahr. Neu ist ebenfalls der Anstieg der betreuten Kinder in der Kindertagespflege, obwohl dort weniger Personen arbeiten. Das Sozial- und Jugendamt sieht darin Zeichen der Professionalisierung, angekurbelt durch ein Fördermodell für qualifizierte Kräfte.

Bei den Kindern über drei Jahren haben nach Angaben der Stadtverwaltung alle Vorgemerkten, deren Eltern berufstätig, in Ausbildung oder arbeitssuchend sind, einen der begehrten Ganztagesplätze bekommen. Berufstätige Eltern allerdings, die im Laufe eines Kindergartenjahrs nach Konstanz umziehen, finden in der Regel keinen Wunschplatz. Zu den ganz wenigen nicht besetzten Plätzen gehören nie die Ganztagesangebote.

Bis 2019 sieht die Stadt Möglichkeiten, durch Aus- und Umbauten von sechs Einrichtungen sowie einen neuen Betriebskindergarten auf dem früheren Altana-Gelände 122 Plätze für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Bisher allerdings war mit dem Ausbau auch stets die Nachfrage gestiegen. Zudem könnten anhaltend hohe Geburtenraten, mehr Kinder durch Flüchtlinge und Zuzüge alle Prognosen für das langfristige Erreichen des Rechtsanspruchs über den Haufen werfen. Bei den unter Dreijährigen liegt die Versorgungsquote aktuell bei 40,5 Prozent, zur Bedarfsdeckung aber bräuchte es eine von 53 Prozent. Im Bundesschnitt liegt der Richtwert bei 34 Prozent.

Im Jugendhilfeausschuss plädierte kürzlich Till Seiler (FGL) dafür, gleich alle denkbaren Steigerungen einzukalkulieren und eine Versorgungsquote von 60 Prozent anzustreben. Die Möglichkeit der Kinderbetreuung werde zum entscheidenden weichen Standortfaktor. Uni-Rektor Ulrich Rüdiger hatte dies neulich bei der mobilen Radtour mit OB Uli Burchardt bestätigt. Wichtiger noch als die nächste Stufe beim Gehalt sei bei Berufungsverhandlungen die Zusage für einen Kita-Platz, sagte er. Die Uni betreibt ihr eigenes Kinderhaus. Im Ausschuss plädierten auch Sabine Feist (CDU) und Zahide Sarikas (SPD) für einen weiteren Ausbaukurs.

 

Die Kosten

In Konstanz wurden seit 2008 rund 30 Millionen Euro in den Ausbau von 400 Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren gesteckt. 23,5 Millionen Euro hat die Stadt Konstanz getragen, 2,8 Millionen Euro der Bund und die freien Träger 3,7 Millionen Euro. Im Jahr 2015 leistete Konstanz 21,9 Millionen Euro an Personal- und Betriebskostenzuschüsse für Kindertagesstätten in Konstanz, 9,7 Millionen Euro kamen dafür vom Land Baden-Württemberg. Insgesamt hat Konstanz aktuell 3283 belegte Betreuungsplätze, darunter 689 für Kinder unter drei Jahren, 2114 für Kinder ab drei Jahren, 330 Schulkindplätze und 150 Plätze in Spielgruppen. (rin)

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