Humboldt-Schüler gestalten grenzüberschreitende Projektwoche
Natur statt Schule: Nach einer Vorlage von Leonardo da Vinci konstruierten diese Achtklässler des Humboldt-Gymnasiums im Mainau-Erlebniswald eine Brücke, die sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Natur statt Schule: Nach einer Vorlage von Leonardo da Vinci konstruierten diese Achtklässler des Humboldt-Gymnasiums im Mainau-Erlebniswald eine Brücke, die sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Stolz auf ihre selbstgebaute Brücke (von links): Nils Havemann, Carlo Hoffmann, Jonathan Wehrle, Ben Heitz, Quirin Köble und Nicolas Heeb. Nach einer Vorlage von Leonardo da Vinci konstruierten die Achtklässler im Mainau-Erlebniswald diesen Bau, der sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Stolz auf ihre selbstgebaute Brücke (von links): Nils Havemann, Carlo Hoffmann, Jonathan Wehrle, Ben Heitz, Quirin Köble und Nicolas Heeb. Nach einer Vorlage von Leonardo da Vinci konstruierten die Achtklässler im Mainau-Erlebniswald diesen Bau, der sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Stolz auf ihr Bauwerk (von links): Laila Bohlander, Alina Leiner, Mara Bauer und Lora Waldis vom Humboldt-Gymnasium konstruierten bei der Projektwoche im Mainau-Erlebniswald eine Brücke, die sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Stolz auf ihr Bauwerk (von links): Laila Bohlander, Alina Leiner, Mara Bauer und Lora Waldis vom Humboldt-Gymnasium konstruierten bei der Projektwoche im Mainau-Erlebniswald eine Brücke, die sie sogar trägt. Bild: Kirsten Schlüter
Nachdem Lorenz und Maxim (von rechts) im Kreuzlinger Seemuseum vor ihren Mitschülern (darunter Tristan, Darian und David) über die Kurbelwelle referiert hatten, gibt Museumsleiterin Ursula Steinhauser (links) Rückmeldung. Bild: Kirsten Schlüter
Nachdem Lorenz und Maxim (von rechts) im Kreuzlinger Seemuseum vor ihren Mitschülern (darunter Tristan, Darian und David) über die Kurbelwelle referiert hatten, gibt Museumsleiterin Ursula Steinhauser (links) Rückmeldung. Bild: Kirsten Schlüter
Während Tristan (links) und Jonathan (Dritter von rechts) über Bootslackierung und Glasseidengewebe referieren, hören ihre Mitschüler im Kreuzlinger Seemuseum aufmerksam zu. Von links: Maxim, Patrick, Ben, David, Jakob, Salome und Nicola sowie Museumsleiterin Ursula Steinhauser (Zweite von rechts): Bild: Kirsten Schlüter
Während Tristan (links) und Jonathan (Dritter von rechts) über Bootslackierung und Glasseidengewebe referieren, hören ihre Mitschüler im Kreuzlinger Seemuseum aufmerksam zu. Von links: Maxim, Patrick, Ben, David, Jakob, Salome und Nicola sowie Museumsleiterin Ursula Steinhauser (Zweite von rechts): Bild: Kirsten Schlüter
Ursula Steinhauser ist Leiterin des Kreuzlinger Seemuseums. Bild: Kirsten Schlüter
Ursula Steinhauser ist Leiterin des Kreuzlinger Seemuseums. Bild: Kirsten Schlüter
Konstanz
02.06.2017 16:51
Achtklässler lernen außerhalb des Klassenzimmers: vom Brückenbau im Wald bis zur Konzeption einer Ausstellung im Museum
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Konstanz – Zaghaft besteigt Alina Leiner eine filigrane Holzkonstruktion. Zwei Mitschülerinnen halten sie an der Hand, dann lassen sie los. Ziel erreicht: Die Brücke trägt die 14-Jährige. Rund eine halbe Stunde haben die Mädchen an der letzten Version ihres Bauwerks gearbeitet – und zwar nicht im Klassenzimmer, sondern in der Natur. Stolz präsentieren sie ihr Ergebnis im Mainau-Erlebniswald. Dort verbrachten viele Humboldt-Achtklässler je zwei Tage, setzten sich mit Naturmaterialien, physikalischen Berechnungen und einem Flaschenzug auseinander. Das Modul "Physik im Wald" war eines von zwölf Angeboten in Konstanz und Kreuzlingen, aus denen alle Achtklässler des Humboldt-Gymnasiums während einer grenzüberschreitenden Projektwoche wählen konnten.

Die Brückenbauer im Erlebniswald sollten nach einer Vorlage von Leonardo da Vinci eine Brücke ohne Schrauben konstruieren und ohne das "Wasser" zu berühren. Dafür mussten sie einen Flaschenzug für die Holzbretter benutzen. "Die Schüler haben viel diskutiert und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen", freut sich Erlebnispädagoge Florian Brändle vom Mainau-Erlebniswald. Auch mit den Ergebnissen des ersten Projekttages ist der 35-Jährige zufrieden: "Es sind coole Produkte entstanden", sagt Brändle über die Murmelbahnen aus Naturmaterialien. Einzubauen waren ein freier Fall von mindestens 50 Zentimetern und eine kurvenlose Anfangsstrecke von zwei Metern. "Mit Stoppuhr und Meterstab haben die Schüler den freien Fall der Murmel und die Anfangsbeschleunigung berechnet. Auch dabei waren sie konzentriert bei der Sache", sagt der Erlebnispädagoge.

Die Achtklässler selbst genossen den Unterricht im Freien und das kreative Lernen ohne Zeitdruck. So schätzte die 13-jährige Mara Bauer, dass die Methoden sich von jenen ihrer Lehrer unterschieden und Felix Reichle das zusammenhängende Arbeiten. "In der Schule fangen wir oft etwas an und können es erst Wochen später abschließen", sagte Felix. Ben Heitz ergänzte: "Außerdem stellen die Lehrer komplexe Fragen und nehmen dann nur zwei Schüler dran, mehr Zeit ist oft nicht. Das nervt."

Ortswechsel, Gang über die Grenze. Auch im Kreuzlinger Seemuseum werkeln Humboldt-Achtklässler eifrig. Sie sollen einen kleinen Rundgang organisieren – mit selbst formulierten Texten und der nötigen Beschilderung sowie kleinen Vorträgen zu jedem Objekt. "Alles dreht sich um Textilien in der Schifffahrt", sagt Museumsleiterin Ursula Steinhauser. Der Rundgang beginnt. Je zwei Schüler präsentieren ihre Ergebnisse zum historischen Lastensegler Lädine, zur Kurbelwelle, zur Schubkarre Karette und zum Glasseidengewebe, das Boote stabiler macht. "Ich bin superstolz auf euch", sagt Ursula Steinhauser am Ende: "Ihr habt gründlich recherchiert und euch schnell mit einer eigenen Whatsapp-Gruppe organisiert." Sie hat nur wenige Verbesserungsvorschläge: Schöner schreiben, freier sprechen, noch mehr Hinweisschilder aufhängen. Als am Ende eine Diskussion über das beste Leitsystem für Besucher entbrennt, sagt Steinhauser begeistert: "Ihr seid im Museum angekommen und wisst jetzt, wie man eine Ausstellung konzipiert. " Auch im kommenden Jahr will sie wieder ein Modul bei der Projektwoche anbieten. "Das war eine tolle Erfahrung, und das Grenzüberschreitende leben wir ohnehin viel zu wenig", meint die Museumsleiterin.

So kann auch Norina Procopan, Lehrerin am Humboldt-Gymnasium und Leiterin des Hegau-Bodensee-Seminars (HBS) für besonders interessierte Gymnasiasten, zufrieden sein. "Wir wollten die Schüler aus dem Klassenzimmer herausholen, ohne sie nur zu berieseln", sagt sie.

Projektwoche

  • Bei der Projektwoche vor den Pfingstferien durften die Schüler sich aus zwölf Modulen je zwei zweitägige Angebote aussuchen. Am letzten Tag gab es eine Abschlusspräsentation. Unter anderem konnten die Teilnehmer in einer Modewerkstatt selbst Kleidung entwerfen, im Rosgartenmuseum die Stadt Konstanz im Mittelalter kennen lernen, etwas über die Geschichte des Telefons erfahren oder in der Schreibwerkstatt einer Zürcher Schriftstellerin kreativ werden.
  • Weitere Partner: Sternwarte Kreuzlingen, Bodensee-Naturmuseum, Naturschutzbund Konstanz, International Solar Energy Research Center Konstanz, der freie Schweizer Journalist Alex Bänninger und die Malteser. Humboldt-Lehrerin Norina Procopan gewann die externen Partner, ihre Kollegen Robert Materna und Jakob waren für die schulinterne Organisation der Projektwoche am Humboldt zuständig. (kis)
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