Betonklötze als Zufahrtssperren: Wie das Seenachtsfest sicher gemacht werden soll
Als Zufahrtsperre wurden beim Reichenauer Wein- und Fischerfest Betonklötze verwendet. Auch beim Seenachtfest werden sie an der Marktstätte (Einfahrt vom Bahnhofsplatz) sowie in der Hafenstraße aufgestellt. <em>Bild: Aurelia Scherrer</em>
Als Zufahrtsperre wurden beim Reichenauer Wein- und Fischerfest Betonklötze verwendet. Auch beim Seenachtsfest werden sie an der Marktstätte (Einfahrt vom Bahnhofsplatz) sowie in der Hafenstraße aufgestellt. Bild: Aurelia Scherrer
Konstanz
10.08.2017 16:54
Die Veranstalter hoffen am Samstag auf 50.000 Besucher beim Konstanzer Seenachtsfest. Das bewährte Sicherheitskonzept wurde weiter optimiert - das wird auch den Besuchern auffallen.
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Die Seenachtsfestbesucher sollen sich wohl und sicher fühlen. Das ist das Ziel, welches Veranstalter, Genehmigungsbehörden und Blaulichtorganisationen verfolgen. Das bewährte Sicherheitskonzept für die Konstanzer Großveranstaltung wurde weiter optimiert und aktuellen, abstrakten Gefährdungslagen angepasst. Manche Maßnahmen sind augenfällig, aber vieles läuft eher im Hintergrund ab.

Offenkundig werden die Zufahrtsperren sein. Eine direkte Reaktion auf den Vorfall in Berlin. Eigentlich war der Einsatz von großen, befüllten Containern, wie sie jüngst beim Allensbacher Seetorfescht aufgestellt wurden, geplant. Stephan Fuchs vom Konstanzer Bürgeramt war jedoch ganz begeistert "von den sympathischen Zufahrtsperren", die beim Reichenauer Wein- und Fischerfest am vergangenen Wochenende verwendet wurden, berichtet Bürgeramts-Chef Hans-Rudi Fischer. "Es sind Betonklötze, die wie Legosteine aufeinandergestellt werden", erläutert er. Kurzfristig und kostengünstig stelle die Gemeinde Reichenau diese Variante für das Seenachtsfest zur Verfügung. Diese rund 1,2 Tonnen schweren, mauerähnlichen Sperren werden unter anderem in der Zufahrt vom Bahnhofplatz zur Marktstätte sowie beim Wendeplatz in der Hafenstraße aufgestellt.

Ebenso augenfällig wird die Polizeipräsenz sein. Die Zahl der Einsatzkräfte werde ähnlich wie in den Vorjahren sein, aber die Einsatztaktik werde verändert, sagt Gerd Stiefel, Leiter Direktion Polizeireviere. Das heißt: Bereits ab 12 Uhr werden mehr Polizisten als sonst im Einsatz sein; weitere Kräfte werden im Laufe der Zeit gezogen. Eine wesentliche Änderung aufgrund der abstrakten Gefährdungslage: "Unsere Einsatzkräfte werden – in Abstimmung mit dem Veranstalter und der Stadt Konstanz – insbesondere an neuralgischen Punkten präsenter sein. Sie sollen sichtbar auftreten", so Stiefel. Die Besucher werden also an der Marktstätte, insbesondere im Bereich der Unterführung, auf der alten Rheinbrücke sowie an anderen Plätzen die Einsatzkräfte kaum übersehen können. Beim seenachtsfest handle es sich um ein Familien- und Volksfest und die Besucher sollen fröhlich feiern, "aber an bestimmten Fakten kommt man nicht vorbei", so Gerd Stiefel.

Änderungen bei der Besucherlenkung auf dem Festgelände gibt es nicht. Lediglich die Zugänge zum Festgelände werden etwas verbreitert, um ein Gedränge zu vermeiden, schildert Hans-Rudi Fischer. Die Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste, die vom Veranstalter engagiert werden, sind für die Einlasskontrollen zuständig. Die Besucher sollten sich darauf einstellen, dass ihre Taschen und Rucksäcke durchsucht werden, darauf weist Gerd Stiefel hin. Ferner unterstützen die Sicherheitsdienst-Mitarbeiter den Veranstalter, dass auf dem Festgelände "die Spielregeln eingehalten werden", wie Hans-Rudi Fischer formuliert.

Alte Besucherzahlen - neue Verkehrslenkung

Wie in den Vorjahren auch ist die Besucherzahl im Stadtgarten auf 17 000 begrenzt. "Im Falle einer hoffentlich nicht erforderlichen Entfluchtung" stehe die Notfallquerung über die Bahngleise neben dem Gebäude der Philharmonie zur Verfügung, so Fischer. Die Notfallquerung obliegt der Bundespolizei. Mehr als 100 Einsatzkräfte des Sanitäts- und Rettungsdienstes werden neben Feuerwehr und DLRG im Einsatz sein. Insgesamt fünf Hilfsstellen werden in der Seestraße, im Stadtgarten, an der Marktstätte, in der Hafenstraße sowie auf Klein Venedig eingerichtet.

Neu ist – bedingt durch die Baustellen im Rheinsteig und auf der alten Rheinbrücke – in diesem Jahr die Verkehrslenkung. Ab 14 Uhr werde es einen Ringverkehr um die Altstadt geben, kündigt Hans-Rudi Fischer an. Lediglich der Busverkehr werde direkt in die Konzilstraße einfahren. Allerdings: "Wenn es auf den Gehwegen eng wird, kann die Verkehrsruhe früher angeordnet werden", stellt Gerd Stiefel fest. Diese gilt ohnehin seit Jahren vor dem Feuerwerk bis zu dem Zeitpunkt, wo das Gros der Besucher das innerstädtische Gelände verlassen hat. "Die Sicherheit der Besucher priosiere ich höher als den Verkehrsfluss in der Stadt", erklärt Stiefel.

Was die Seenachtsfestbesucher nicht bemerken, ist die Arbeit der Fachleute im Hintergrund. Im Polizeipräsidium Konstanz werden Vertreter aller sicherheitsrelevanter Behörden und Organisationen und Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes wie immer im Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums präsent sein, um schnellstmöglich, abgestimmt und präzise handeln zu können. "Wir tun unser Möglichstes, um den Besuchern ein tolles, friedliches und sicheres Fest zu ermöglichen", sagt Hans-Rudi Fischer im Namen aller Beteiligten.

Das Seenachtsfest

Das Konstanzer seenachtsfest findet am Samstag, 12. August, statt. Einlass auf das Festgelände ist ab 13 Uhr; Programmbeginn um 15 Uhr. Der Eintritt kostet 21 Euro (ab 12 Jahre) und 5 Euro (Kinder 6-11 Jahre). Der Nachtbändel wird nach dem Feuerwerk für 15 Euro verkauft.
 

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