Vereinsfeste fordern die Veranstalter immer stärker
Auch wenn ein großer Teil der Infrastruktur für das Scheunenfest in Schlatt am Randen fest eingebaut ist, erfordert es einen großen Aufwand, sie so herzurichten, dass die Scheunenfestbesucher sich wohlfühlen. Archivbild: Elisabeth Stauder
Auch wenn ein großer Teil der Infrastruktur für das Scheunenfest in Schlatt am Randen fest eingebaut ist, erfordert es einen großen Aufwand, sie so herzurichten, dass die Scheunenfestbesucher sich wohlfühlen. | Bild: Elisabeth Stauder
Während des Jahres deutet nichts  darauf hin, dass diese Scheune in Schlatt am Randen am dritten Wochenende im August zum Treffpunkt von bis zu 3000 Gästen wird. Bild: Elisabeth Stauder
Während des Jahres deutet nichts darauf hin, dass diese Scheune in Schlatt am Randen am dritten Wochenende im August zum Treffpunkt von bis zu 3000 Gästen wird. | Bild: Elisabeth Stauder
Hilzingen-Schlatt
11.08.2017 16:26
Vereinsfeste fördern das Gemeinschaftsgefühl und sind eine wichtige Einnahmequelle für die Veranstalter. Aber sie sind auch eine immer größer werdende Herausforderung. Nicht zuletzt wegen zunehmender Auflagen.

Der Musikverein Schlatt am Randen lädt vom 19. bis 21. August zu seinem 34. Scheunenfest ein. Das bedeutet für die Aktiven neben dem Einsatz während des dreitägigen Festbetriebes mindestens vier Abende vorher Aufbau und am Dienstag nach dem Fest ganztägig Abbau. Dabei ist der Musikverein Schlatt am Randen nur einer von vielen, die neben dem Jahreskonzert zwischen April und Oktober zu einem mehrtägigen Fest einladen. Eingeladen wird zum Beispiel am 1. Mai vom MV Anselfingen ins Bürgerhaus, am Vatertag vom MV Büßlingen in die Weh-Scheune, Ende Juni vom MV Randegg zum Brunnenfest und Anfang Juli vom MV Mühlhausen-Ehingen zum Seehasfest.

Der Aufwand der Vereine für diese im Vergleich zur Bohlinger Sichelhenke und dem Ehinger Herbstfest eher kleineren Feste ist allerdings bereits sehr groß. Warum betreiben die Vereine diesen Aufwand? „Das Scheunenfest ist unser wirtschaftliches Standbein. Die Einnahmen brauchen wir für unsere Vereinsarbeit“, stellt Alfons Zipperer vom MV Schlatt am Randen fest. Dem pflichten Vertreter anderer Vereine bei. Die erforderlichen Helfer zu gewinnen, scheint momentan noch kein Problem zu sein. Allerdings führt Hannes Deuer vom MV Mühlhausen-Ehingen aus: „Natürlich brauchen wir die Unterstützung, zum Beispiel der Partner der Aktiven, der Eltern der Zöglinge, der ehemaligen aktiven Musiker und weiterer Gönner des Vereins.“ Die Feste in den vielerorts vorhandenen Hallen abzuhalten, wäre nicht so arbeitsintensiv. Aber Feste in Hallen sind in den Sommermonaten nicht attraktiv. In dieser Zeit müssen die Veranstaltungen im Freien, in Zelten oder wie in Büßlingen oder Schlatt, in Scheunen stattfinden.

Dennoch ist der Musikverein Anselfingen am 1. Mai vom Zelt am Ortsrand ins Bürgerhaus umgezogen. „Wir konnten den Aufbau des Zeltes mit der erforderlichen Infrastruktur fast nicht mehr stemmen“, erläutert die Vorsitzende Anja Isele, und ergänzt: „Bei schönem Wetter bewirten wir aber im Freien.“

Der Aufwand beim Aufbau, die sinkende Besucherresonanz und die Abhängigkeit vom Wetter veranlasste auch den MV Gottmadingen, sich vom anfangs sehr beliebten Gartenfest zu verabschieden. „Stattdessen gibt es nun bei schönem Wetter mit bedeutend weniger Aufwand viermal den musikalischen Feierabend“, erklärt der langjährige Vorsitzende Günter Wagner. Für Bernhard Menholz vom MV Randegg ist das Brunnenfest in Randegg Tradition. „Wir sind der Dorfgemeinschaft gegenüber verpflichtet, daran festzuhalten, auch bei nicht immer zufriedenstellender Besucherresonanz“, sagt er.

Erschwert wird die Arbeit der Vereine durch immer neue und strengere Vorschriften rund ums Fest, insbesondere was Herstellung und Ausgabe von Essen betrifft. „Man versucht alles zu beachten und ist trotzdem manchmal unsicher, ob es passt“, sagt Anja Isele. Bei den Festplätzen mitten im Dorf müssen die Vereine auch an einem guten Verhältnis zu den Anwohnern arbeiten. „Man kann nicht unbedingt erwarten, dass die Nachbarn über den dreitägigen Festrummel erfreut sind“, merkt Caroline Stump vom MV Büßlingen an. „Deshalb muss man versuchen, auf ihre Belange Rücksicht zu nehmen.“ Noch meistern die Vereine alle Probleme.


Das Scheunenfest

Seinen Ursprung hat das Fest in Schlatt am Randen im Jahr 1983, als zur 1000-Jahr-Feier ein Dorffest gefeiert wurde, für das jeder Verein sich eine Scheune oder Halle im Dorfzentrum aussuchte. Der Musikverein nutzte die Scheune seines damals stellvertretenden Vorsitzenden Eugen Sauter. Dabei stellten die Mitglieder fest, dass sich die Scheune hervorragend für eine jährliche Veranstaltung eignen würde, woraus das Scheunenfest entstand. Nachdem in früheren Jahren zu Kapellen wie den Badischen Nachtschwärmern die Junggebliebenen tanzen konnten, werden seit 2003 mit einer Open-Air-Crush-Party vor allem junge Gäste angesprochen. Am Sonntag treffen sich die Besucher zu Mittagessen oder Kaffee bei Musik von befreundeten Musikvereinen. Den größten Ansturm erlebt das Fest am Montag beim Bierabend.

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