Dellenhau-Protest wird fernsehreif
Großes Interesse herrscht beim Auftritt des SWR-Fernsehteams im Dellenhau.
Großes Interesse herrscht beim Auftritt des SWR-Fernsehteams im Dellenhau. | Bild: Sabine Tesche
Großes Interesse herrscht beim Auftritt des SWR-Fernsehteams im Dellenhau. Peter Waldschütz (Mitte) steht ihm Rede und Antwort, wie auch Ralf Baumert (rechts), Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen und der Singener OB Bernd Häusler (daneben). Bild: Sabine Tesche
Großes Interesse herrscht beim Auftritt des SWR-Fernsehteams im Dellenhau. Peter Waldschütz (Mitte) steht ihm Rede und Antwort, wie auch Ralf Baumert (rechts), Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen und der Singener OB Bernd Häusler (daneben). Bild: Sabine Tesche
Hilzingen
19.04.2017 19:17
Ein SWR-Team rückt im geplanten Kiesabbaugebiet auf der Hilzinger Gemarkung an.

Die große Fernsehkamera ist positioniert. Der Zug setzt sich im Wald unterhalb des Katzentals in Bewegung. "Etwas trauriger blicken", ruft es aus der Schar von gut 60 Menschen. Und tatsächlich: Wie eine Trauerzug marschieren überwiegend ältere Menschen über den Forstweg. Ort des Geschehens ist das Dellenhau. Das befindet sich auf Hilzinger Gemarkung, grenzt aber auch an Singen, Rielasingen-Worblingen und Gottmadingen. Der geplante Kiesabbau schlägt hohe Wellen. Auch der Fernsehsender Südwestrundfunk ist auf das hitzige Thema aufmerksam geworden. Das Aprilwetter passt zur Gemütslage der Teilnehmer des Drehs. Mal befinden sie sich äußerst ungemütlich im dichten Schneegestöber, dann hellt es kurz mal auf, und sogar die Sonne lässt sich zwischendurch blicken.

Fernseh-Redakteur Fabian Siegel lässt einige Hauptdarsteller erst mal miteinander diskutieren. Ganz ungestellt soll die Szene wirken. Kein Problem für vehemente Gegner des Kiesabbaus. Die sind reichlich erprobt, ihre Argumente ins Feld zu führen. Diesmal auf einer Waldlichtung mitten im Dellenhau. "Der Kiesunternehmer will nur Geld scheffeln und daher einen großen Teil des Rohstoffs in sein Schweizer Betonwerk fahren. Über der Grenze bekommt er ein Vielfaches an Erträgen wie in Deutschland. Der Transport dorthin führt über Rielasingen. Wir ersticken ohnehin schon im Verkehr", wettert Lothar Reckziegel, Bürgermeister-Stellvertreter von Rielasingen Worblingen.

 

Sendung und Aktionen

Der Beitrag über den Protest des geplanten Kiesabbaus im Dellenhau wird heute, Donnerstag, 20. April, um 20.15 Uhr im Südwest-Fernsehen ausgestrahlt. Er läuft innerhalb der Serie "Zur Sache Baden-Württemberg". Die Initiative gegen den geplanten Kiesabbau ruft zu einem Protestmarsch durch Singen auf, der am Samstag, 29. April, um 10.30 Uhr mit Start am Hallenbad stattfinden soll. Eine Kundgebung ist am Heinrich-Weber-Platz geplant.

"Der Dellenhau wäre erst der Anfang. Es gibt weitere beträchtliche umliegende Kiesvorkommen. Wir wollen keine große Kiesgrube unter dem Hohentwiel und einen drastischen Einschnitt in ein wichtiges Naherholungsgebiet. Deshalb muss das Vorhaben schnellstens unterbunden werden", gibt Peter Waldschütz zu verstehen. "Wir sind nicht bereit, unsere Heimat ins Ausland zu verkaufen", zementiert er. Der Gottmadinger, der zusammen mit seiner Frau Edeltraud eine Initiative gegen den Kiesabbau im Dellenhau anführt und schon an die 7000 Unterschriften gesammelt hat, findet schnell das Gehör beim Fernsehteam. Es gibt ihm genauso wie dem Gottmadinger Bürgermeister Michael Klinger und dem Singener OB Bernd Häusler im Kreis ihrer Mitstreiter exklusiv das Wort. "Wir bauchen das Dellenhau als Sicherungsgebiet für Kies. Der Landschaftsschutz muss im Vordergrund stehen", betont Michael Klinger. "Es wird alles auf eine politische Entscheidung durch das Ministerium hinauslaufen", erklärt er. Das Land ist durch seinen Forst Eigentümer des Dellenhaus. "Das alles passt nicht zusammen, den wichtigen Rohstoff Kies auf Kosten der Natur in die Schweiz zu fahren. Dazu drohen großen Belastungen durch Staub und Lärm für Anwohner, auch für das Hegau-Klinikum", führt Bernd Häusler aus. "Wir wollen keine große Narbe unter dem Hohentwiel", stellt er klar.

Klaus und Maria Kummerländer aus Twielfeld schimpfen über den geplanten Kiesabbau.
Klaus und Maria Kummerländer aus Twielfeld schimpfen über den geplanten Kiesabbau. Bild: Sabine Tesche

Redakteur Fabian Siegel wird immer hellhöriger und bohrt nach. Gutachten seien in sich nicht geschlossen. Es gebe mehr Fragen als Antworten. Mit solchen Aussagen wird Siegel konfrontiert. "Sagen sie doch das bitte nochmals vor dem Mikrofon und laufender Kamera", spricht er ein schimpfendes Ehepaar an, das er ausgemacht hat. "Patienten wären durch den Kiesabbau nach dem Flug des Rettungshubschraubers eingestaubt, wenn sie ins Krankenhaus kommen. Und auf dem Waldfriedhof könnten die Grabreden nicht mehr vernommen werden", beschreibt Klaus Kummerländer drastisch. Er wohnt zusammen mit seiner Frau Maria im nahen Twielfeld und fühlt sich von einem Kiesabbau besonders negativ betroffen. Eigentümer von Immobilien fürchteten auch um einen großen Wertverlust, wird in die Runde geworfen.

Drehort-Wechsel. Am Volksbank-Kreisel der Hauptstraße in Rielasingen muss sich das Fernsehteam nicht erst durch Ausführungen von Anwohner Herbert Schätzle oder Bürgermeister Ralf Baumert überzeugen lassen, dass der Verkehr in einer für sie unerträglichen Dichte über die Straße rollt. Dazu rauschen zu viele Laster und Autos unmittelbar an ihnen vorbei. Eine TV-Produktion am Straßenrand der etwas gefährlicheren Art. "Die Kieslaster sorgen für noch mehr Verkehr, Lärm und verdreckte Straßen. Das ist unzumutbar", sagt Bürgermeister Ralf Baumert, der zusammen mit Initiativen dafür kämpft, dass im Zuge eines Lärmaktionsplans Tempo-40 auf der Hauptstraße und Ramsener Straße eingeführt wird. Andreas Drewing, Geschäftsführer des Kiesunternehmens Birkenbühl, wollte laut Fabian Siegel keine Stellung beziehen.

Der Laster rauscht vorbei. Wenn der Kies vom Dellenhau in die Schweiz gefahren wird, verschärft sich die Verkehrssituation. Gefährlich nah an der Rielasinger Ortsdurchfahrt führt Reporter Fabina Siegel ein Interview mit Herbert Schätzle. <em>Bild: Albert Bittlingmaier</em>
Der Laster rauscht vorbei. Wenn der Kies vom Dellenhau in die Schweiz gefahren wird, verschärft sich die Verkehrssituation. Gefährlich nah an der Rielasinger Ortsdurchfahrt führt Reporter Fabina Siegel ein Interview mit Herbert Schätzle. Bild: Albert Bittlingmaier Bild: Albert Bittlingmaier

Dafür nutzten seine Gegner umso intensiver das Medium Fernsehen. "Wir müssen unseren Protest öffentlich machen. So werden wir vielleicht an den entscheidenden Stellen besser gehört", betont Peter Waldschütz, der zusammen mit dem Hilzinger Emil Grass das Fernsehen und die Mitstreiter mobilisiert hat. An einem turbulenten Apriltag wie diesem.

 

Weitere Bilder von der Aufzeichnung des Fernsehbeitrags und Protest-Aktionen:


Bild: Sabine Tesche
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