Uehlinhaus: Analyse des Schadens und Wirtschaftlichkeitsberechnung fehlen immer noch
Aus Sicht des Laien sieht es verheerend im Gebäude aus. Bilder: Marlis Jung-Knoblich
Aus Sicht des Laien sieht es verheerend im Gebäude aus. Bilder: Marlis Jung-Knoblich
Man traut sich kaum, die Treppen zu benutzen. Doch sie halten stand.
Man traut sich kaum, die Treppen zu benutzen. Doch sie halten stand.
Monika Loddenkemper sah sich auch den Gewölbekeller an.
Monika Loddenkemper sah sich auch den Gewölbekeller an.
Die Räume wurden mit fachmännischem Blick betrachtet (rechts Hochbauamtsleiter Bertram Ludwig, links Rainer Stickelberger).
Die Räume wurden mit fachmännischem Blick betrachtet (rechts Hochbauamtsleiter Bertram Ludwig, links Rainer Stickelberger).
Überall sind Schäden zu entdecken.
Überall sind Schäden zu entdecken.
Auf Einladung der SPD fand am Donnerstag eine Besichtigung im denkmalgeschützten Teil des Uehlin-Gebäudes nach dem Brand statt.
Auf Einladung der SPD fand am Donnerstag eine Besichtigung im denkmalgeschützten Teil des Uehlin-Gebäudes nach dem Brand statt. | Bild: Marlies Jung-Knoblich
Schopfheim
11.08.2017 23:07
SPD besichtigt vom Brand geschädigtes UehlinhausAspekte des Denkmalschutzes sind zu beachten

Schopfheim – Ohne Helm kam keiner rein: Artur Cremans, SPD-Fraktionsvorsitzender im Schopfheimer Gemeinderat, hatte den Sommerbesuch von Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger zum Anlass genommen, eine Besichtigung der vom Brand geschädigten Uehlin-Häuser zu organisieren. Von besonderem Interesse unter Denkmalschutzaspekten ist dabei das Eckhaus. Auf Einladung der SPD war auch Monika Loddenkemper vom Landesamt für Denkmalpflege dabei.

Aus Sicht des Laien sieht es verheerend aus in dem Gebäude. Überall liegt Schutt herum, es schimmelt an den Wänden, regnet durchs Dach, und man fragt sich, ob die Treppen überhaupt irgendwelche Lasten aushalten. Und doch: „Das Gebäude ist nicht so geschädigt, dass es nicht in Stand gesetzt werden könnte“, erklärte Monika Loddenkemper nach dem Rundgang durchs Eckgebäude. Während der Begehung wies sie auf undichte Stellen des Daches hin. Es regnete durch die Plastikschicht auf dem notdürftig abgedeckten Dach in den Raum. Das Leck müsse umgehend gestopft werden, denn permanente Nässe schade der Bausubstanz, machte sie energisch deutlich.

Von Rainer Stickelberger und Artur Cremans befragt, wie der zeitliche Ablauf aus Sicht des Denkmalamtes aussehe, erklärte Monika Loddenkemper, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Stadt maßgeblich mit davon abhänge, inklusive Sanierungskosten und Fördergelder vom Denkmalschutz. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung aus dem Jahr 2008/09 könne nicht mehr herangezogen werden. Die Unterlagen hatte Loddenkemper eigentlich bereits zum Besichtigungstermin erwartet. Gebe es einen Interessenten, der die Sanierung übernehme, könne das Gebäude nicht abgebrochen werden.

Fördermittel, so Loddenkemper, setzten allerdings eine denkmalgerechte Sanierung voraus. Fachleute müssten sie übernehmen. Die Stadt habe aus Sicht der Denkmalbehörde ein erhöhtes Erhaltungsgebot für das Uehlin-Gebäude am Eck. Die Stadt warte auf das Gutachten eines Sachverständigen der Badischen Gebäudeversicherung, danach werde die Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen, erklärte Stadtplanerin und Fachbereichsleiterin Karin Heining. Dann lasse sich auch besser einschätzen, wie viel an „Denkmaleigenschaften“ noch da sei, ergänzte Hochbauamtsleiter Bertram Ludwig.

In einem Antwortschreiben an Rainer Stickelberger hatte Monika Loddenkemper das Denkmalwürdige des Gebäudes erläutert. Das gesamte Gebäude mit seinem Äußeren und dem Inneren sei denkmalgeschützt. Hierzu zählen sowohl die Gebäudestruktur mit den Grundrissen, die Ausstattungselemente, die historischen Oberflächen und der Dachstuhl mit seinen Konstruktionselementen. „Der zweigeschossige Putzbau mit seinen Sandsteinfenstereinfassungen als typisches Geschäftshaus der Mitte des 19. Jahrhunderts prägt das Straßen- und Stadtbild Schopfheims wesentlich mit“, heißt es in dem Schreiben. Innen seien zahlreiche Elemente bemerkenswert, unter anderem die beiden Gewölbekeller, historische Türen mit Umrahmungen, hölzerne Lamperien und historische Fenster, die auch heute noch den Anspruch Uehlins (Verleger und Dichter) mit deutlichen repräsentativen Elementen erlebbar machten. Mehrfach habe das Landesdenkmalamt darum gebeten, dass die Stadtverwaltung Schopfheim für das Abbruchbegehren eine Wirtschaftlichkeitsberechnung oder eine Schadensanalyse, entsprechend der Handreichung des Wirtschaftsministeriums vom März 2016, als Grundlage vorlegt.

„Frau Loddenkemper hat eine eindeutige Haltung eingenommen“, sagte Rainer Stickelberger nach der Besichtigung des vom Brand geschädigten Uehlin-Gebäudes, die sehr eindrucksvoll gewesen sei. Monika Loddenkemper stelle hohe Anforderungen an die Aufgabe des Objektes. Für das denkmalgeschützte Gebäude habe sich die Situation auch nach dem Brand nicht so sehr verändert. Pikiert zeigte sich Artur Cremans, dass die Stadt mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung in Verzug sei. Und er sei erstaunt, dass von Fördergeldern des Denkmalamtes die Rede gewesen sei. Eines steht für Artur Cremans aber auch fest: „Die Öffentlichkeit hat vom Denkmalschutz nichts.“ Seiner Meinung nach würde es reichen, mit einer Tafel am Gebäude zum Gedenken an Johann Georg Uehlin an die Geschichte des Hauses zu erinnern. „Die Stadt sollte den Abbruchantrag stellen“, erklärte Artur Cremans. Sehr gefreut habe es ihn, dass Monika Loddenkemper zum Vor-Ort-Termin gekommen sei.

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