„Wir wollen Europa bereisen“ – langjähriger Rektor der Christian-Heinrich-Zeller-Schule Klaus Weber zu seinen Plänen im Ruhestand
Der Lieblingsplatz von Klaus Weber war bei Sekretärin Susanne Wiedmann, die ihm über die Jahre eine verlässliche Stütze war.
Der Lieblingsplatz von Klaus Weber war bei Sekretärin Susanne Wiedmann, die ihm über die Jahre eine verlässliche Stütze war. | Bild: Verena Pichler
Klaus Weber.
Klaus Weber. | Bild: Verena Pichler
Rheinfelden
11.08.2017 23:59
Seit Ende Juli ist Klaus Weber, der 13 Jahre lang Rektor der Christian-Heinrich-Zeller-Schule war, im Ruhestand. Im Interview spricht er über seine Pläne für die Zukunft, über das Reisen und wagt einen Rückblick.

Herr Weber, die Schulferien haben begonnen, Sie sind im Ruhestand und dennoch treffen wir uns in Ihrem Büro.

Ich werde auch noch einige Zeit hier verbringen, bis alles abgewickelt ist. Drüben sitzen die Kollegen und bereiten die Stundenpläne vor. Sie sehen, das Klischee vom Lehrer, der sechs Wochen Sommerferien hat, bestätigt sich nicht.

Klingt, als hätten Sie dieses Vorurteil in Ihrem Berufsleben ab und zu gehört

Klar, aber ich habe nie zu denen gehört, die mit vollgepacktem Campingbus am letzten Tag vor den Ferien auf den Schulhof gefahren kamen. Im Übrigen kenne ich auch keinen anderen Kollegen, der das macht (lacht).

Sie waren die letzten 13 Jahre Ihrer Laufbahn nicht bloß Lehrer, sondern auch Schulleiter. Können Sie die Jahre mit einem Wort zusammenfassen?

Sicher nicht ausreichend. Aber es war anstrengend. Denn neben der Leitungsfunktion war ich viele Jahre lang noch Klassenlehrer. Das hieß für mich morgens vor Schulbeginn Mails checken, Absprachen mit den Sekretärinnen treffen und so weiter. Dann war ich in den Klassen und habe unterrichtet. Danach gab’s weitere Besprechungen mit den Kollegen oder Termine mit Eltern. Zuhause war der Tag noch nicht vorbei, denn dann musste ich ja wieder Unterricht vorbereiten. Hinzu kamen viele Abendtermine mit den Schulträgern und, und, und.

Hätten Sie sich mehr Entlastung gewünscht? Und wie könnte die aussehen?

Kleine Grundschulen haben, neben anderen, ein Problem: Es gibt keine Konrektorenstelle. Ein Stellvertreter, an den man Dinge delegieren kann, ist sehr wichtig – auch als Ansprechpartner und Vertrauensperson. Die Deptutatsentlastung mit aktuell zehn Stunden ist für diese Aufgabe noch zu gering.

Welche anderen Probleme haben Sie noch beschäftigt?

Natürlich Geld. Denn die finanzielle Ausstattung von Grundschulen muss man schon hinterfragen, es gibt seitens des Landes keine Zuschüsse wie für andere Schulformen. Ein Beispiel: Wir haben einen Etat von rund 20 000 Euro. Interaktive Tafeln, um einen modernen, digitalen Unterricht anzubieten, kosten pro Stück rund 5000 Euro. Das könnten wir uns gar nicht leisten. Oder auch ergonomische Möbel, die mit den Kindern mitwachsen – solche Dinge sehe ich dann auf der Bildungsmesse Didacta und denke: Wäre auch schön, ist aber nicht drin. Aber jetzt sollte ich aufhören zu jammern!

In Ordnung. Ihr Namenskollege Michael Weber von der Bärenfelsschule in Grenzach ist jetzt ebenfalls Ruheständler und wird viel Zeit in seinem Häuschen in Griechenland verbringen. Haben Sie so was auch vor?

Nein, aber ich werde ihn besuchen (lacht). Ich kenne Michael schon aus dem Studium und uns verbindet viel. Meine Frau muss noch ein Jahr lang arbeiten und danach wollen wir schon viel reisen.

Bestimmte Ziele auf dem Zettel?

Wir wollen Europa bereisen. Nach Cornwall zum Beispiel, da war ich als Jugendlicher einmal und das hat mir sehr gut gefallen. Auch Kanada würde uns reizen.

Bleiben wir bei Ihrer Familie – Sie haben zwei Söhne und eine Tochter. Und alle sind in Ihre Fußstapfen getreten, oder?

Auf gewisse Art ja. Ein Sohn ist Sonderpädagoge, der andere Diplompädagoge und arbeitet in der Erwachsenenbildung. Als die Tochter uns eröffnet hat, sie will Gymnasiallehrerin werden, habe ich gesagt: Ich hatte gehofft, eines meiner Kinder würde was Rechtes lernen.

Und was hat sie geantwortet?

Papa, wir hatten doch gar keine Chance, etwas anderes zu machen, wir haben am Tisch über nichts anderes gesprochen.

Das heißt, den Pädagogen Weber konnten Sie zuhause nicht ablegen?

Es stimmt schon, dass Gespräche sich häufig um dieses Thema gedreht haben. Aber auch um die Gesellschaft im Allgemeinen und Politik. Meine Kinder sind zwar in keiner Partei, aber sozialpolitisch geprägt und stellen sich Fragen nach einer gerechteren Gesellschaft.

Sie sind Mitglied der SPD, sitzen im Ortschaftsrat und engagieren sich unter anderem bei der Arbeiterwohlfahrt und der Bürgerinitiative Tunnel Karsau-Minseln. Werden Sie diese Engagements nun ausbauen?

Nicht sofort, ich werde es erst mal ruhig angehen lassen. Die Dinge auf mich zukommen lassen. Denn dieser Gefahr bin ich mir durchaus bewusst: Plötzlich hat man viel Zeit und das weckt Begehrlichkeiten. Ich war nie einer, der sich nach irgendwelchen Posten umgesehen hat, vieles ist von außen auf mich zugekommen.

Was werden Sie dann außer Reisen mit ihrer Zeit anfangen?

Alles etwas langsamer angehen lassen – Zeitung lesen zum Beispiel. Ich möchte gerne auch wieder in einem großen Chor singen. Ich spiele in einer privaten Gruppe Gitarre. Außerdem habe ich zum Abschied eine Schnupperstunde Tennis geschenkt bekommen. Die werde ich auf jeden Fall einlösen.

Gibt es eigentlich einen Leitspruch, der Sie als Pädagoge und vielleicht auch als Mensch geprägt hat?

Ich und viele meiner Kollegen wurden in den 70er und 80er Jahren politisiert. Für viele von uns galt: Man muss für die Menschen arbeiten und unter den Menschen sein. Das war unser Anspruch und ist es bei mir bis heute. Gerade habe ich eine Mail an die Vereinsvertreter geschickt und mich für die Hilfe bei der Entlassfeier, aber auch bei anderen Festen bedankt. Und ich habe meine Hilfe angeboten: Wenn ihr Mal jemanden braucht, steh’ ich auch hinter eurer Theke.

Zur Person

Klaus Weber (64) ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seit 1989 war Klaus Weber Lehrer an der Christian-Heinrich-Zeller-Schule in Karsau, 1992 wurde er Konrektor, seit 2004 leitete er die Grundschule. Ende Juli wurde er in den Ruhestand entlassen.

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