Als Sabine Spitz am Samstag die Silbermedaille im olympischen Mountainbike-Rennen gewann, jubelten nicht nur die Zuschauer an der Strecke nahe London: Auch in Niederhof, dem Heimatort der Sportlerin, wurde ordentlich gefeiert. Bei Irmgard Schäuble, der Schwiegermutter von Spitz, fieberten Schwägerin Silvia Gerspacher, deren Familie und Vater Heinz Spitz dem Ausgang des Rennens entgegen. Besonders letzterer verbarg seine Anspannung lange – und war dann doch ganz gerührt von dem hervorragenden Abschneiden der Mountainbikerin.
„Ich bin wirklich glücklich. Ich kann es nicht erwarten, Sabine richtig fest in den Arm zu nehmen“, sagte der Pensionär nach dem Wettkampf. Während seine Frau Wilma die gemeinsame Tochter vor Ort unterstützte, zog er die Beobachter-Position am Monitor vor. Zu Beginn des Rennens versuchte Heinz Spitz zwar eine Weile, ruhig zu bleiben – doch seine Tochter machte es in mehrfacher Hinsicht allzu spannend. Zunächst mit einem Sturz in der 49. Minute: Hatte sie lange nur geringen Abstand zur führenden Julie Bresset aus Frankreich, warf ein Bremsfehler Spitz plötzlich weit zurück.
„Das darf sie sich nicht nehmen lassen. Sie muss kämpfen“, rief ihr Vater darauf hin dem Fernseher entgegen. Irmgard Schäuble hingegen fürchtete um die Gesundheit ihrer Schwiegertochter, hob die Hände vor ihr Gesicht. „Das kann ich nicht sehen“, flüsterte sie, merklich besorgt. Und auch den Kampf um Platz zwei, den die Radfahrerin sich danach mit Georgia Gould aus den USA lieferte, ließen die Angehörigen nicht unkommentiert: „Ich habe schon blaue Daumen, drücke sie ihr so fest, damit sie durchhält“, meinte Heinz Spitz.
Nach einer Stunde und fünfzehn Minuten, zu Beginn der letzten Runde, gab dann Schwägerin Silvia Gerspacher eine vorsichtige Prognose ab: „Das schafft die Sabine“, orakelte sie – und behielt Recht.
Lauter Jubel brach in Niederhof aus, als die Mountainbikerin mit immerhin 40 Jahren ihre Medaillensammlung um olympisches Silber erweiterte. Die Familie öffnete eine große Flasche Sekt, nahm erste Glückwünsche per Telefon entgegen und atmete durch. „Jetzt müssen wir uns nur noch überlegen, wie wir unsere Sabine am Montagabend empfangen“, erklärte Silvia Gerspacher. Nach dem Sieg in Peking 2008 waren Angehörige, Fans und Bürgermeister Schmidle mit einem Bus nach Zürich gefahren, um Spitz am Flughafen abzuholen. „Dieses Jahr“, so die Schwägerin der Olympia-Zweiten, „lassen wir uns ganz bestimmt auch wieder etwas Außergewöhnliches für sie einfallen.“