Wochenmarkt: Oft fehlt der Nachwuchs
Bis zu 50 Stände sind an einem Samstag im Sommer auf dem Marktplatz aneinandergereiht.
Bis zu 50 Stände sind an einem Samstag im Sommer auf dem Marktplatz aneinandergereiht.
Viele regionale Produkte sind auf dem Wochenmarkt zu finden. Bilder: Sarah Beha
Viele regionale Produkte sind auf dem Wochenmarkt zu finden. Bilder: Sarah Beha
bis hin zur Feinkost ist alles da.
bis hin zur Feinkost ist alles da.
Selbst bei Regenwetter zeigt sich der Markt farbenfroh.
Selbst bei Regenwetter zeigt sich der Markt farbenfroh. | Bild: Sarah Beha
Lörrach
11.08.2017 23:15
Wochenmarkt in Lörrach hat eine lange Tradition. Augenmerkt liegt auf regionalen Produkten

Lörrach – Die Wochenmärkte in Lörrach, allen voran der große Wochenmarkt auf dem Marktplatz, sind ein Aushängeschild der Lerchenstadt. Doch auch die traditionsreichen Märkte sind vom Wandel der Zeit nicht ausgeschlossen. Oft fehlt es den Marktbeschickern an Nachfolgern und auch die Kundschaft erscheine unter der Woche nicht mehr so zahlreich, klagen sie.

Mit der Lerche könnten sich auch die Standbetreiber der Wochenmärkte schmücken. Steht der Vogel doch für Frühaufsteher. Seit fünf Uhr sind die Obst- und Gemüsehändler, die Blumenverkäuferin, der Feinkosthändler und die vielen weiteren Marktbetreiber am Donnerstagmorgen bereits auf den Beinen, um ihre Wagen zu beladen. Es regnet in Strömen, doch unter den großen Schirmen und Kühlwagendächern bleibt es für Verkäufer und Kunden trocken. Um halb acht sind die Verkaufsflächen der Obst- und Gemüseverkäufer bereits voll befüllt.

Der Markt in Lörrach hat eine lange Tradition. Das Marktrecht bekam die Stadt Lörrach im Jahr 1403 verliehen. Seit 1941 wird der Wochenmarkt auf dem neuen Marktplatz abgehalten. Der Aufbau der Stände erfolgt immer nach demselben Prinzip. „Zuerst bauen die Eigenerzeuger in der Mitte ihre Stände auf. Das sind die, die keinen Strom brauchen. Dann kommt der Rand dran mit den Händlern und ihren Verkaufswagen“, erklärt Anja Busse, die für die Marktorganisation seit Juni 2016 bei der Stadtverwaltung zuständig ist, beim Presserundgang am Donnerstagmorgen über den Markt. Damit der Auf- und Abbau reibungslos vonstatten gehen kann, sind ab 5.30 Uhr Mitarbeiter des Werkhofes damit beschäftigt, die Marktbänke für die Marktfrauen und -männer aufzustellen. Auch für die Stromanschlüsse und die Poller sind Mitarbeiter der Stadt zuständig.

Bis zu 50 Stände sind an einem Samstag im Sommer auf dem Marktplatz aneinandergereiht. Unter der Woche, am Dienstag und am Donnerstag, sind es bis zu 25. Die Bandbreite der angebotenen Produkte ist groß. Bei der Vergabe der Marktstände legt die Marktorganisation besonderen Augenmerk auf regionale Händler und Erzeuger. „Alle beneiden uns um diesen Markt und wir sind auch sehr stolz drauf“, sagt Oberbürgermeister Jörg Lutz am Donnerstagmorgen. Auch in Basel gebe es keinen so schönen Markt.

In der Mitte des Platzes verkauft Getrud Probst frisches, selbstgepflanztes Gemüse von ihrem Hof in Binzen. Die Arbeit auf den Feldern beschreibt sie als Knochenjob, im Betrieb arbeite die ganze Familie mit. Seit 1966 komme sie auf den Markt. „Es hat sich viel verändert.“ Vor allem fehle es an einer nachrückenden Generation: „Die Älteren sind jetzt nicht mehr da und niemand rückt nach.“ Diesen Trend sieht auch Barbara Leser. Sie ist Marktfrau und Mitglied im Marktgremium, das sich aus vier Eigenerzeugern und einem Händler zusammensetzt, die gemeinsam mit der Marktorganisation Anliegen und Herausforderungen besprechen. „Unter der Woche kaufen jetzt auch weniger Leute ein. Das ist mühsam, wenn man die Ware da hat und denkt, man müsste doch jetzt eigentlich alles verkaufen.“

„Es hat sich viel verändert. Die Älteren sind nicht mehr da und niemand rückt nach.“ Marktfrau Gertrud Probst

Eine weitere Veränderung, die auch das Bild des Marktes prägt, sind die zunehmenden Verkaufanhänger der Eigenerzeuger, die für die Beschicker eine deutliche Arbeitserleichterung bedeuten. „In Zukunft werden die bereitgestellten Marktbänke zurückgehen“, sagt Anja Busse. So werde es in fünf bis zehn Jahren aufgrund des Nachwuchs­problems und der mehr benötigten Fläche wegen der Anhänger wohl nur noch zwei statt der momentan drei Reihen von Eigenerzeugern geben. Auch werden sich die Erzeuger in Zukunft immer stärker untereinander austauschen, sodass sie möglichst viele verschiedene Produkte anbieten können. „Die Marktorganisation und das Marktgremium werden aber immer Wert darauf legen, dass die Produkte und Erzeugnisse in einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern produziert oder hergestellt werden“, betont Anja Busse.

„Ich wünsche mir, dass mehr Leute den Weg zu uns finden, vor allem unter der Woche“, sagt Marktfrau Barbara Leser. Der Wunsch hin zum Regionalen sei zumindest bei vielen Leuten da und Produkte von lokalen Erzeugern werden nachgefragt. Außerdem bedeute auf dem Markt einkaufen, auch umweltfreundlich einkaufen, weil viel weniger Verpackungsmüll entsteht und die Produkte keinen allzu langen Transportweg hinter sich haben.

Entgegen des Trends hat Barbara Leser keine Nachwuchssorgen. „Meine Tochter beendet bald ihre Teilzeitstelle, um dann komplett in unserer Hofbäckerei und auf dem Betrieb mitarbeiten zu können.“ Und Anja Busse weiß von einem Beispiel zu erzählen, in dem der Sohn nach 25 Jahren Pause den Betrieb des Vaters weitergeführt hat.

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