<strong>Spektakulär</strong> war die Übung der Bergwacht Schwarzwald gemeinsam mit der schweizerischen Rettungswacht Rega und der Berufsfeuerwehr Basel, hoch über dem Felsen, auf dem das Räuberschlössle thront. Winfried Redhaber von der Bergwacht Schwarzwald. <strong>Unwegsam:</strong> Im schroffen Felsen sollten die angenommenen Verletzten zunächst aufgesucht und erstversorgt werden, bevor die Helikoptermannschaft Retter und zu Rettenden dann an der Rettungswinde aufnehmen konnte. Retter und zu Rettender hängen gemeinsam an der Seilwinde, um jenseits der Schlucht auf der rettenden Wiese abgelassen zu werden. <strong>Luftig</strong> ist der Arbeitsplatz des an der offenen Tür des Helikopters stehenden Rettungssanitäters.
Eine spektakuläre Übung hat die Bergwacht Schwarzwald absolviert - Mit Video
Bild: Gudrun Deinzer
Bonndorf
10.04.2017 17:31
Ein Dutzend Spezialisten von Bergwacht Schwarzwald mit der Alpinen Rettung Schweiz, der Berufsfeuerwehr Basel und der Crew von Rega 2 aus Basel rettet länderübergreifend einen gespielten Verletzten am steilen Felshang. Die Raumschaftsübung am Räuberschlössle verläuft reibungslos.

Ein Sturm erhebt sich, kaum kann man stehen bleiben, ohne festen Halt. Dennoch sind die Männer der Bergwacht mitten im Fels standhaft, sichern einen Kameraden, der einen Verletzten mimt, haken sich an der Rettungswinde ein und lassen sich mit dem "Verletzten“ nach oben in den Helikopter der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega ziehen. Halsbrecherisch scheint das Manöver auch für den oben im Helikopter an der offenen Tür stehenden Rettungssanitäter zu sein, der die Winde bedient. In schwindelerregender Höhe, über dem Felsen des Räuberschlössles, der an dieser Stelle schroff zig Meter in die tief unten liegende Wutach reicht, zieht er Retter und zu Rettenden behutsam nach oben zum Eingang des Hubschraubers.



Der Pilot steht und lenkt dann behutsam seine lebendige Fracht aus dem schmalen Tal über die Baumwipfel zur Wiesenfläche beim Gündelwanger Hirschen. „Das Team im Helikopter muss perfekt aufeinander eingespielt sein, auch in der Nacht, sonst haben wir ein Problem“, sagt Senior Pilot Bert Gutermuth, im Felsrund des Räuberschlösschens stehend, und blickt seinen Kollegen nach. Seit 15 Jahren ist er selbst Spezialist für solche Einsätze im Ernstfall. „Wir arbeiten intensiv mit komplexer Technik, mit hochprofessionellen Teams und über die Sinnhaftigkeit unseres Tuns muss man nicht reden“, sagt er zur Faszination, die der Beruf nach wie vor auf ihn ausübt. Was an diesem Samstag bei frühlingshaftem Wetter hoch über der Wutach geübt wurde, ist für manchen Wanderer die Grundlage dafür, im Ernstfall vor dem Tod bewahrt zu werden.



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Rund fünf bis zehn Einsätze mit dem Helikopter gebe es an der Wutachschlucht in Jahresfrist, schätzt Markus Probst, Luftretter und Einsatzleiter bei der Bergwacht Schwarzwald. „Die Leute von der Rega sind unsere Freunde“, freut sich Winfried Redhaber, im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei der Bergwacht für das Sponsoring zuständig. Speziell auch bei Nachtflügen sind es übrigens sie, manchmal auch Hubschraubermannschaften aus Bayern, die hier im Schwarzwald eingesetzt werden. In Baden-Württemberg gibt es keine entsprechenden Gerät- und Mannschaften.

„Es ist schön und interessant, bei dieser Übung dabei sein zu können, und man sieht, wie wichtig sie für die Notfälle sind, die ja immer komplexer werden“, sagt Volker Krems, neuer Vorsitzender der Bergwacht Wutach. Bei ihm und Matthias Schübel, dem Leiter der örtlichen Bergrettung, bedanken sich am Nachmittag alle Vertreter der teilnehmenden Gruppierungen für die Vorbereitung und Unterstützung: „Ohne eure Ortskenntnis und die guten Kontakte zum Wutachranger wäre die Übung für uns nicht möglich gewesen“, sagte Markus Probst. Die Übung war ein faszinierendes und auch spektakuläres Zusammenspiel von Lufthelfern der Bergwacht Schwarzwald mit der Alpinen Rettung Schweiz, der Berufsfeuerwehr Basel und der Crew von Rega 2 aus Basel. Direkt beteiligt war damit ein rundes Dutzend hochspezialisierter Rettungskräfte.

„Das größte Ziel ist erreicht, wenn alles gut abgelaufen ist und niemand verletzt wurde“, sagt Gutermuth bei der Abschlussbesprechung. Er hat auch ein dickes Lob für die „samt und sonders sehr erfahrenen Bergretter“. Es gebe kleine Anpassungen in den Abläufen zu besprechen, aber deshalb übe man ja gemeinsam. Zudem sei das Gelände „nicht anspruchslos“ gewesen: „Das war wirklich herausfordernd und die Aufnahmestellen waren schwierig, aber die gesamte Übung ist professionell, seriös und diszipliniert abgelaufen.“

"Wir sind so ein Stiefkind als Bergwacht"

Winfried Redhaber, bei der Bergwacht Schwarzwald zuständig für Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit, spricht über die Truppe.

Herr Redhaber, wie wichtig ist die Zusammenarbeit der Bergwacht mit der Schweizer Rettungsflugwacht?

Diese Zusammenarbeit sichert im Grunde die hiesige Bevölkerung, die in der Wutachschlucht unterwegs ist oder auch im Skigebiet. Alles, was mit unwegsamem Gelände zu tun hat, macht die Rega. Der Rettungshubschrauber in Freiburg, der Christoph 54, kann die Menschen nur abholen. Die Rega absolviert für uns auch die Nachtflüge in dem Raum, weil es hier sonst keine Rettungshelikopter gibt, die rund um die Uhr verfügbar sind. Und die Rega hat an jedem Heli eine Rettungswinde, das ist in der Schweiz gar kein Thema. Und es sind natürlich hervorragend ausgebildete Piloten.

Es gab immer wieder Vergleiche mit der Feuerwehr, bei der die Bergwacht Ungleichbehandlung moniert hat.

Über die Feuerwehr spricht man. Und für die Feuerwehr wird im Haushalt auch immer eine gewisse Summe verhandelt. Wir sind so ein Stiefkind als Bergwacht. Wir leisten sehr viel, haben eine 100-prozentige ehrenamtliche Tätigkeit. Die Kosten sind jedoch gestiegen und man hat einfach nicht diese Rücklagen. Nun sind wir in der Situation, dass fünf Fahrzeuge von den sechs Ortsgruppen nicht mehr ausrückfähig sind. Bisher bekam die gesamte Bergwacht circa 70 000 Euro im Jahr. Und ein Einsatzfahrzeug mittlerer Größe kostet rund 80 000 Euro. Also könnten wir ein Fahrzeug für eine Ortsgruppe kaufen, aber die restlichen fünf stehen. Dann kommt dazu, dass die jungen Leute viele ihrer Dinge selbst bezahlen müssen, beispielsweise gute Bergschuhe oder Skier.

Hat die Bergwacht vielleicht auch deshalb nicht so viele Mitglieder, weil sie eine Nischengeschichte ist?

Nischengeschichte würde ich nicht sagen. Bis dato wussten viele nichts über die Bergwacht. Durch einige Fernsehsendungen, über Winter- und Sommerrettung sind tatsächlich sehr viele Menschen aufmerksam geworden. Beispielsweise sitzt am Feldberg vier Monate durchgehend die Skiwacht. Wenn es ein größeres Ereignis gibt, wie eine Lawine, kommen die zuständigen Ortsgruppen dazu. Und es gibt sogar Gebiete, wo die Bergwacht früher da ist als alle anderen Helfer. So einen Fall haben wir in Todtnauberg. Da ist die nächste Wache in Schönau oder Todtnau unten.

Wie sind denn die Leute von der Bergwacht ausgebildet?

Die Ausbildung ist zweieinhalb Jahre lang und anspruchsvoll. Das geht los mit der Ersten Hilfe, also das sind Rettungssanitäter. Sie lernen das Klettern, sie müssen Skifahren können. Dann gibt es die Luftrettung. Und es müssen vor allem Menschen sein, die das Herz auf dem richtigen Fleck haben, die helfen wollen aus Überzeugung.

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