Wo sich die Maschine ins Gestein gräbt: SÜDKURIER-Leser besuchen Baustelle am Bözbergtunnel
20 Monteure sind damit beschäftigt, die Bohrmaschine „S1012 Bözberg“ zusammenzubauen. Die Leser des SÜDKURIER hatten die Möglichkeit, sich die Maschine zu betrachten, bevor sie in wenigen Wochen im Inneren des Bözbergtunnels verschwinden wird. In zwei Gruppen von je zehn Personen ging es in voller Sicherheitsmontur aufs Baustellengelände.
20 Monteure sind damit beschäftigt, die Bohrmaschine „S1012 Bözberg“ zusammenzubauen. Die Leser des SÜDKURIER hatten die Möglichkeit, sich die Maschine zu betrachten, bevor sie in wenigen Wochen im Inneren des Bözbergtunnels verschwinden wird. In zwei Gruppen von je zehn Personen ging es in voller Sicherheitsmontur aufs Baustellengelände. | Bild: Daniel Schottmüller
Fachsimpeln auf der Baustelle: Die SÜDKURIER-Leser stellen Projektleiter Hamid Rahimi ihre Fragen.
Fachsimpeln auf der Baustelle: Die SÜDKURIER-Leser stellen Projektleiter Hamid Rahimi ihre Fragen. | Bild: Daniel Schottmüller
Posieren von der Bohrscheibe: Projektleiter Hamid Rahimi (in blau-orangener Arbeitsjacke) und die SÜDKURIER Leser vor der Bohrmaschine, die ein Loch mit 12,36 Meter Durchmesser schaffen wird. An einem Arbeitstag frisst sie sich rund 20 Meter in den Berg hinein.
Posieren von der Bohrscheibe: Projektleiter Hamid Rahimi (in blau-orangener Arbeitsjacke) und die SÜDKURIER Leser vor der Bohrmaschine, die ein Loch mit 12,36 Meter Durchmesser schaffen wird. An einem Arbeitstag frisst sie sich rund 20 Meter in den Berg hinein. | Bild: Daniel Schottmüller
Angeregte Gespräche auf dem Weg zum Tunnel.
Angeregte Gespräche auf dem Weg zum Tunnel. | Bild: Daniel Schottmüller
Von der Aussichtsplattform oberhalb des Tunnels bietet sich den SÜDKURIER-Lesern ein spektakulärer Blick auf die Baustelle.
Von der Aussichtsplattform oberhalb des Tunnels bietet sich den SÜDKURIER-Lesern ein spektakulärer Blick auf die Baustelle. | Bild: Daniel Schottmüller
Im dunklen Tunnelbauch: Hier wird bereits eifrig gearbeitet. Ab Meter 174 gilt es dann, festen Fels aus dem Weg zu schaffen. Dazu wird ab Juni die Bohrmaschine eingesetzt werden.
Im dunklen Tunnelbauch: Hier wird bereits eifrig gearbeitet. Ab Meter 174 gilt es dann, festen Fels aus dem Weg zu schaffen. Dazu wird ab Juni die Bohrmaschine eingesetzt werden. | Bild: Daniel Schottmüller
Schinznach-Dorf
21.04.2017 17:36
Eine 90 Meter lange und knapp 20 Millionen Schweizer Franken teure Bohrmaschine wird sich in Kürze bei Schinznach-Dorf ins Gestein bohren. 20 Leser des SÜDKURIER haben die spektakuläre Tunnel-Baustelle genauer unter die Lupe genommen.

Auch wenn Stefan Bihlmann kein Auto besitzt, wollte der Mann aus Wehr die Baustellenführung am neuen Bözbergtunnel in keinem Fall verpassen. "Vom Bahnhof Bad Säckingen aus habe ich mir ein Taxi hierher genommen", erzählt der 56-Jährige. "So etwas bekommt man ja nicht alle Tage geboten." Bihlmann ist einer von 20 SÜDKURIER-Lesern, die sich am Donnerstagvormittag anschauen wollen, wie im schweizerischen Schinznach-Dorf ein drei Kilometer langer Eisenbahntunnel durch das Juragestein gebohrt wird.

Der Projektleiter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Hamid Rahimi begrüßt die Truppe bei bestem Besichtigungswetter. Einen kleinen Wermutstropfen verkündet der Ingenieur aber gleich zu Beginn: "Unsere Tunnelbohrmaschine wird erst im Juni mit dem Vortrieb beginnen." Im Moment werde die knapp 20 Millionen Franken teure Maschine noch vor dem Tunneleingang montiert. "Das werden Sie gleich von Nahem betrachten können", erklärt Rahimi. "Die Maschine ist fast fertig." Zudem verspricht er den Besuchern, bereits die ersten Tunnelmeter zu zeigen. "Ab Meter 174 beginnt der feste Fels, durch den wir uns mit der Maschine bis nach Effingen durchbohren."



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Zunächst erläutert der Bauingenieur seinen Zuhörern die Hintergründe des Großprojekts. Ziel sei es, den alpenquerenden Güterverkehr von der Straße auf die Schiene umzuleiten. "Auf lange Sicht erhoffen wir uns, die Zahl der LKW um fast die Hälfe zu reduzieren." Rahimi erklärt die Pläne der SBB, den Güterverkehr auf der Gotthardt-Achse mithilfe des sogenannten Vier-Meter-Korridors zu optimieren: "Das bedeutet, dass in Zukunft Sattelauflieger mit einer Eckhöhe von vier Metern transportiert werden können." Die bisherige Standardhöhe: 3,80 Meter. Um das neue Ziel zu erreichen, sei auch im Raum gestanden, den bestehenden Bözbergtunnel anzupassen. "Wenn wir den alten Tunnel saniert hätten, hätten wir aber eine wesentlich längere Bauzeit gehabt." Die Gesamtkosten für ein solches Projekt kalkuliert er auf etwa 600 Millionen Franken.

"Aber wie viel kostet denn der neue Tunnelbau?", kommt postwendend die Frage der SÜDKURIER-Leser. Der Projektleiter erklärt, dass man mit 300 Millionen Franken rechne. "Der neue Tunnel soll 2020 in Betrieb genommen werden, die letzten Querverbindungen zum alten Tunnel werden danach fertiggestellt." Bis dahin gebe es noch einiges zu tun. Was genau, will der Ingenieur seinen Gästen vor Ort zeigen. Im Besucherzentrum dürfen sie sich mit Sicherheitsschuhen, Arbeitsanzügen und Schutzhelmen ausrüsten. "Jetzt sehen wir aus wie Marsmenschen", fasst es ein Leser schmunzelnd zusammen.

In Wahrheit zeigt sich bald, dass sich unter den orangenen Overalls echte Baukenner verstecken. Auf dem Weg den Berg hinauf, löchern die Leser Rahimi mit Detailfragen zu Bohrung und Abtransport. Auch der Lärmschutz interessiert die deutschen Gäste. "Man kann schon sagen, dass in der Schweiz nicht ganz so großer Widerstand gegen ein solches Projekt herrscht", wagt Rahimi einen Vergleich zum Nachbarland. Auf der Aussichtsplattform angekommen macht er an dem Wiesenhang oberhalb der Baustelle auf drei Gebäude aufmerksam: "Diese Häuser haben von uns Lärmschutzfenster erhalten."

Der Blick talabwärts offenbart dann die Ausmaße der Tunnelbohrmaschine. 90 Meter lang sei die "S1012 Bözberg", erläutert Hamidi seinen beeindruckten Zuhörern. "Drei Wochen wird es alleine dauern, die Maschine an ihren Ausgangspunkt im Tunnel zu transportieren." Einer, der zwölf Arbeiter, die sich dort vorgraben werden, wird ein speziell ausgebildeter Fahrzeugführer sein, der die Arbeiten an mehreren Monitoren überwacht. "Weil er seinen Arbeitsplatz im Inneren der Maschine nie verlassen darf, steht aber immer ein sogenannter Sprinter Gewehr bei Fuß, um seine Anweisungen umzusetzen."

Posieren von der Bohrscheibe: Projektleiter Hamid Rahimi (in blau-orangener Arbeitsjacke) und die SÜDKURIER Leser vor der Bohrmaschine, die ein Loch mit 12,36 Meter Durchmesser schaffen wird. An einem Arbeitstag frisst sie sich rund 20 Meter in den Berg hinein.
Posieren von der Bohrscheibe: Projektleiter Hamid Rahimi (in blau-orangener Arbeitsjacke) und die SÜDKURIER Leser vor der Bohrmaschine, die ein Loch mit 12,36 Meter Durchmesser schaffen wird. An einem Arbeitstag frisst sie sich rund 20 Meter in den Berg hinein. Bild: Daniel Schottmüller

Jetzt dürfen die Leser die Maschine, an der gerade 20 Monteure beschäftigt sind, von nahem betrachten. "Im Verkehrshaus in Luzern steht auch so eine Bohrscheibe", sagt Helmar Burkhart, als er die gigantische Maschinenfront in Augenschein nimmt. Karlheinz Glaisner aus Laufenburg macht die Gruppe auf eine Statue der heiligen Barbara am Tunneleingang aufmerksam. "Seit dem Spatenstich steht sie hier", sagt Hamidi. Bis man im Januar 2018 die andere Tunnelseite erreicht hat, soll sie über die Bauarbeiter wachen.

Glaisners Vater Hugo hat sich fest vorgenommen, in der Zwischenzeit wiederzukommen. "Ich will mir das bald noch einmal anschauen", erzählt der 86-Jährige auf dem Rückweg zum Besucherzentrum. Auch dem 13-jährigen Samuel Breineter hat es am Bözberg sehr gut gefallen. "Den Baustellenbesuch hat er am Montag zum Geburtstag bekommen", verrät Patentante Regina Matt. Die beiden sind gespannt darauf, die Bilder, die Samuel geschossen hat, zuhause am Computer anzuschauen.

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