Persönlichkeiten aus der Region erinnern sich an ihre Erstkommunion: "Ein Tag, der unvergessen bleibt"
Ernst Beck bei seiner Erstkommunion 1944. Bild: Siegfried Lauterwasser
Ernst Beck bei seiner Erstkommunion 1944. Bild: Siegfried Lauterwasser | Bild: Siegfried Lauterwasser
Der ehemaliger Billafinger Ortsvorsteher Ernst Beck hat vor 73 Jahren die Erstkommunion empfangen. Bilder: Baur/Lauterwasser
Der ehemaliger Billafinger Ortsvorsteher Ernst Beck hat vor 73 Jahren die Erstkommunion empfangen. Bilder: Baur/Lauterwasser | Bild: Martin Baur
Überlingens Stadtpfarrer Karl-Heinz Berger bei seiner eigenen Erstkommunion im Jahre 1962. Bild: privat
Überlingens Stadtpfarrer Karl-Heinz Berger bei seiner eigenen Erstkommunion im Jahre 1962. Bild: privat | Bild: Karl-Heinz Berger
Stadtpfarrer Karl-Heinz Berger ist es heute ein großes Anliegen, dass die Kinder wie er einst gerne zur Kommunion gehen. Bilder: Hilser/privat
Stadtpfarrer Karl-Heinz Berger ist es heute ein großes Anliegen, dass die Kinder wie er einst gerne zur Kommunion gehen. Bilder: Hilser/privat | Bild: Stefan Hilser
Donata Tarantino, geborene Lomuscio (links), und ihre große Schwester Carolina bei der Erstkommunion in Canosa, Italien, in der dortigen Kathedrale San Sabino. Bild: privat
Donata Tarantino, geborene Lomuscio (links), und ihre große Schwester Carolina bei der Erstkommunion in Canosa, Italien, in der dortigen Kathedrale San Sabino. Bild: privat | Bild: Donata Tarantino
Donata Tarantino beging gemeinsam mit ihrer großen Schwester Carolina die Erstkommunion in der Kathedrale San Sabino im italinischen Canosa. Bilder: Hilser/privat
Donata Tarantino beging gemeinsam mit ihrer großen Schwester Carolina die Erstkommunion in der Kathedrale San Sabino im italinischen Canosa. Bilder: Hilser/privat | Bild: Stefan Hilser
Der neue Sipplinger Bürgermeister Oliver Gortat heute und am Tage seiner Erstkommunion. Bilder: Kleinstück/privat
Der neue Sipplinger Bürgermeister Oliver Gortat heute und am Tage seiner Erstkommunion. Bilder: Kleinstück/privat | Bild: privat
Der künftige Sipplinger Bürgermeister Oliver Gortat.
Der künftige Sipplinger Bürgermeister Oliver Gortat. | Bild: Holger Kleinstück
Regine Klusmann bei ihrer Konfirmation. Bild: privat
Regine Klusmann bei ihrer Konfirmation. Bild: privat | Bild: privat
Dekanin Reguine Klusmann . Bild: Hanspeter Walter
Dekanin Reguine Klusmann . Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder
Maria Gratia Rinderer bei ihrer Erstkommunion. Bild: privat
Maria Gratia Rinderer bei ihrer Erstkommunion. Bild: privat | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder
Maria Gratia Rinderer hat eine ganz persönliche Erstkommunion erlebt. <sup></sup>Bilder: Walter/privat
Maria Gratia Rinderer hat eine ganz persönliche Erstkommunion erlebt. Bilder: Walter/privat | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder
Überlingen
21.04.2017 14:47
Am Weißen Sonntag feiern viele katholische Gemeinden traditionell Erstkommunion. Auch in Überlingen und der Region empfangen viel Kinder erstmals die heilige Kommunion – und erleben damit einen besonderen Tag. Bekannte Persönlichkeiten aus der Region erinnern sich an ihren großen Tag.

Der Weiße Sonntag, also der erste Sonntag nach Ostern, ist in vielen katholischen Gemeinden traditionell der Tag der Erstkommunion. Auch in Überlingen und der Region empfangen hunderte Kinder am Sonntag zum ersten Mal die heilige Kommunion. Für Katholiken stellt dieser Vorgang die Verbindung mit Jesus Christus und zur Gemeinschaft (lateinisch: communio) der Kirche her. Das heißt: Alle, die den Leib und das Blut Christi in Form von Brot und Wein empfangen, schließen sich zu einer großen Gemeinschaft des Glaubens zusammen. Im SÜDKURIER erinnern sich bekannte Persönlichkeiten an ihren großen Tag:

  • Ernst Beck, ehemaliger Ortsvorsteher von Billafingen: Ernst Beck erinnert sich noch genau an seine Erstkommunion: „Es war das Kriegsjahr 1944. Die Mutter war in großer Sorge um unseren Vater.“ Die Kinder aber fieberten dem Tag der ersten heiligen Kommunion entgegen, erzählt der heute 83-Jährige. Das Problem: Der junge Ernst hatte keinen ordentlichen Kommunionsanzug. Aber woher nehmen, wo es doch nichts zu kaufen gab? Mit einem alten Frack und in der Tasche die damals hochbegehrten Naturalien machte sich seine Mutter mit dem Buben auf den Weg zu einem Schneider in Stockach. So wurde aus dem Frack, wie die Mutter stolz erzählte, der schönste Kommunionsanzug. Zur Kirche nach Seefelden war man von Nußdorf aus zu Fuß eine gute Stunde unterwegs. „Frag doch den Großvater“, meinte Becks Mutter, „ob er nicht den Schimmel einspannt, um nach Seefelden zu fahren.“ Doch die Antwort vom Großvater war knapp und eindeutig: „Der Bub hat noch junge Füß, der läuft wohl.
    Das Pferd bleibt im Stall.“ Anstatt mit der Kutsche ging es zu Fuß nach Seefelden. „Die Aufregung und die Freude, im Mittelpunkt zu stehen, machte die Füße auf dem Weg zur Kirche locker und leicht“, erzählt Beck. „Wie wir paarweise und wohlgesittet mit Herzklopfen zum Altar schritten, um die heilige Kommunion zu empfangen, steht mir auch nach 73 Jahren noch bildhaft vor Augen.“ Insgesamt musste der Junge vier Mal an diesem Tag den weiten Weg von Nußdorf nach Seefelden gehen, war also rund vier Stunden unterwegs. „Wieder zuhause angekommen wurde ich von den Verwandten gelobt, weil ich so tapfer und brav marschiert wäre. Sie selber hatten es vorgezogen, die mittägliche Kaffeerunde zu verlängern.“ Dennoch hat Ernst Beck nur gute Erinnerung an die Erstkommunion: „Es waren, weil Krieg war, bescheidene Freuden, aber dennoch ein Tag mit schönen und bleibenden Erinnerungen, der unvergessen bleibt.“
  • Maria Gratia Rinderer, Pfarrgemeinderätin in der katholischen Kirche Überlingen: Eine Kommunion mit Hindernissen war es im April 1964 für die junge Maria Gratia Rinderer, die damals mit ihrer Familie in Freiburg zuhause war. „Ich war zwei Tage zuvor krank geworden, habe das aber zu verbergen versucht“, erinnert sie sich. Doch mit einer Angina und 42 Grad Fieber geht das nicht. „Wir mussten das Fest absagen und die Gäste wieder ausladen.“ Dafür durfte sie eine Woche später im Chor der St.-Johannes-Kirche alleine mit den Eltern ihre ganz persönliche Kommunion feiern. „Das war dann auch etwas ganze Besonderes.“ In einem kleinen Büchlein hat Rinderer alles sorgfältig aufgeschrieben – auch die Geschenke vom Rosenkranz bis zur Heiligen Schrift. Unerwähnt blieb allerdings das erste Karl-May-Buch, das sie vom Metzger bekommen hatte. Geblieben ist ihr jedoch vor allem das Gebot zur Nächstenliebe aus der Bibel, ein kritisches Engagement für die katholische Kirche und die Ökumene.
  • Oliver Gortat, künftiger Bürgermeister von Sipplingen: Wegen unterschiedlicher Auffassungen zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften ist Oliver Gortat aus der katholischen Kirche ausgetreten, hat aber gute Erinnerungen an seine aktive Zeit in der Kirchengemeinde: „Ich erinnere mich an eine schöne Vorbereitungszeit auf die Erstkommunion in Form von Gruppenstunden. Ich erinnere mich auch daran, wie stolz ich darauf war, das erste Mal die geheiligte Hostie zu empfangen und natürlich erinnere ich mich an das schöne Familienfest", erzählt er heute. "Was mir dieser Tag mit auf den Lebensweg gab? Dieser Tag gab mir den gefestigten Glauben mit auf den Lebensweg und die Gewissheit, dass wir die Menschen in unserem Sinne nicht formen können, sondern sie so akzeptieren und lieben müssen, wie Gott sie uns gab.“
  • Donata Tarantino, geborene Lomuscio, bekannt vom Kiosk am Mantelhafen: Donata Tarantino und ihr Mann Gerardo zählten zu den ersten italienischen Gastarbeitern, die 1960 nach Überlingen kamen. Sie feierte gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Carolina die Erstkommunion. Das war um das Jahr 1940 herum. Die Familie in Apulien war arm, da hatten ihre Eltern die Feiern kurzerhand auf nur einen Termin gelegt, wie sich Donata Tarantino mit glänzenden Augen erinnert, als sie das Kommunionsfoto zeigt, das sie, Jahrgang 1933, ihre Schwester Carolina, Jahrgang 1931, in ihrer Heimatstadt Canosa in der berühmten Kathedrale San Sabino zeigt. Praktisch jeder im Ort war katholisch, Canosa ist heute noch berühmt für seine vielen Prozessionen in der Karwoche. Donata Tarantino sagt: "Ich vermisse es jeden Tag". Ihre Schwester trägt ein aufwändiges weißes Kleid, das ihre Tante aus Amerika geschickt hatte. Das Fest war schön, in Erinnerung blieb der Fotograf: Ein buckeliger kleiner Mann, „aber seine Frau, das war eine ganz elegante Frau“.
  • Karl-Heinz Berger, katholischer Stadtpfarrer von Überlingen: Karl-Heinz Berger wurde 1953 in Schwenningen a. N. geboren und kam 1962 in Sigmaringen zur Erstkommunion. "Die Erinnerung an meine Erstkommunion im Jahr 1962 ist mir immer noch sehr lebendig", erzählt der Pfarrer. "Die Vorbereitung darauf war sehr streng, der Pfarrer selbst machte es. Wir durften in diesem Jahr nicht an Fastnacht teilnehmen, was uns Kinder natürlich sehr traf." Der Tag selbst begann aufregend, aber schön. Da die Kinder seit Mitternacht nüchtern bleiben mussten, sah manches von ihnen sehr bleich aus. "Da stopfte mir eine Gemeindeschwester vor der Feier noch schnell etwas Schokolade in den Mund und ich dachte, jetzt ist es vorbei mit der Erstkommunion." Aber der Pfarrer war großzügig. Der Tag verlief wunderbar – mit einer Ausnahme: "Dass ich kurz vor der Dankfeier durch einen Sturz meinen Anzug schrottete, das war sehr ärgerlich", erzählt Karl-Heinz Berger, für den die Erstkommunion auch heute noch eine große Bedeutung hat: "Geblieben für mein Leben ist mir die Ehrfurcht vor Dingen, die mich, auch wenn ich sie im Moment nicht verstehe, bis heute staunend vor dem, was Menschen heilig ist, stehen lassen. Dass ich mit besonderer Liebe und ohne Angst die Kinder heute zur Erstkommunion begleite, ist mir ein großes Anliegen."

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