Neue Gesänge für das Suso-Haus
Überlingen
07.07.2010 00:00
Überlingen (hpw) Die innere, inhaltliche Erneuerung soll mit der äußeren sichtbaren Sanierung des Suso-Hauses einhergehen. Dafür will der Initiator und Projektleiter Michael Stoll verschiedene Mosaiksteine und Mithelfer zusammenführen: Architektur und Bildhauerei, Dichtung und Musik sollen sich zu einem Gesamtkunstwerk fügen.

Dazu gehört auch ein „Quellturm“, dessen Basis ein vier Tonnen schwerer Block aus Buntsandstein im Keller des Hauses sein wird und auf den aus dem Dachgeschoss Wassertropfen gelassen in die Tiefe fallen. Den Effekt probiert Michael Stoll derzeit mit einem medizinischen Tropf aus: Pling, pling...

Prominente Mitstreiter konnte Michael Stoll für sein Projekt schon gewinnen: Ministerin Annette Schavan hatte sich als Theologin nicht nur gleich für das Vorhaben begeistert, sie wird zur feierlichen Eröffnung der Einrichtung einen Vortrag zum Thema „Politik und Mystik“ halten und will persönlich 10 000 Euro aus Stiftungszuwendungen beisteuern. Jeweils 150 000 Euro der Sanierungskosten tragen die Stadt, der Förderverein und die Denkmalpflege aus verschiedenen Quellen. Investitionen und Umbauten sind inzwischen auch sichtbar, das Dachgeschoss wurde mit einer Gaube und einem Dachflächenfenster zusätzlich belichtet, in den nächsten Wochen soll die Fassade verputzt werden. „Bis zu Eröffnung im November sollte es reichen“, sagt Stadtrat Lothar Fritz, der im Vorstand des Fördervereins aktiv ist. Der kleine hübsche Garten werde allerdings erst im kommenden Jahr fertig sein. Einen engagierten Unterstützer hatte der Verein in dem tödlich verunglückten Bernd Wiedmann. Der Ex-OB von Friedrichshafen hatte die ZF-Stiftung zu einer Förderung des Vorhabens bewegen können. Eine ganz besondere Beziehung hat der im englischen Essex wohnhafte Musiker Johann Maria Gropp (56) zu Überlingen und dem Susohaus. Schon seit seiner Kindheit besucht Gropp regelmäßig seinen Patenonkel Werner Seydlitz, der mit seiner Frau unmittelbar gegenüber dem Sanierungsobjekt in der Susogasse wohnt. So kam der Komponist und Meisterschüler von Györgi Ligeti mit Michael Stoll zusammen und war angetan von dessen Vorhaben.

Inzwischen komponierte Gropp zwölf Gesänge, die mystisch-mittelalterliche Anklänge haben. „So etwas darf nichts Elitäres sein, vor dem die Menschen zurückschrecken“, betont Gropp. Seine Kompositionen sollen daher eingängig sein, beim näheren Hinhören jedoch auch tiefgründig. „Das ist wie bei einer Zwiebel, bei der man sukzessive zu tieferen Schichten vordringen kann“, sagt Gropp. Gleich mehrere Versionen hat der Musiker geschaffen, für akustische Gitarre im Suso-Haus und für Klavier bzw. Flügel in größeren Räumen. Die Texte für die Gesänge hat Stoll geschrieben. Zu hören sein wird die Musik erstmals zur Eröffnung des Suso-Hauses am 5. November.

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