Die Erstkommunionskinder im Münster St. Nikolaus
Dekan Peter Nicola über die Erstkommunion: „Ich möchte die Tradition erhalten“
Bild: Dieter Leder
Überlingen
04.04.2016 01:47
Am Weißen Sonntag feierten wieder hunderte Kinder Erstkommunion. Dekan Peter Nicola spricht über die Bedeutung der Zeremonie in der heutigen Zeit.

Am gestrigen Weißen Sonntag feierten hunderte Kinder Erstkommunion. Dekan Peter Nicola spricht über die Bedeutung der Tradition in der heutigen Zeit.

Herr Nicola, welche Bedeutung hat die Kommunion in der katholischen Kirche?

Die Feier der Eucharistie ist die höchste Form von Liturgie, die wir feiern. Sie ist das große Vermächtnis Jesus: ‚Nehmt und esst, nehmt und trinkt, das ist mein Leib, das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis.' Das hat unsere Kirche seit ihrer Gründung immer praktiziert und deshalb hat der Empfang der Kommunion einen sehr hohen Stellenwert.



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Weshalb dürfen Kinder gerade im Alter von acht bis zehn Jahren zum ersten Mal daran teilnehmen?

Diese Tradition geht auf Papst Pius X. zurück, der größten Wert darauf legte, die Kinder möglichst früh zur Eucharistie hinzuzuführen. Es gab Zeiten, in denen die Menschen eine geradezu panische Ehrfurcht vor der Eucharistie hatten. Dem wollte Papst Pius X. entgegenwirken und die Kinder möglichst früh zur Kommunion bringen.

Hat sich die Art, Erstkommunion zu feiern, in den letzten Jahren verändert?

Ja, sehr. Während es früher auch mal vorkam, dass der Kirchenchor eine Mozartmesse feierte, haben sich meiner Ansicht nach die meisten Kollegen darauf eingestellt, dass die Erstkommunion zuvorderst eine Kinder-Liturgie ist – nicht kindisch sondern kindgerecht. Wir berufen uns dabei auf Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran.'

Sie sagen, niemand sollte zum Kirchenbesuch verpflichtet werden. Inwiefern können Neun- oder Zehnjährige schon selbst entscheiden, ob sie an der Erstkommunion teilnehmen möchten?

Da ist natürlich auch ein Stück weit der Herdentrieb verantwortlich. Ich bemerke bei den Kindern aber durchaus ein Interesse und eine große Freude an der Sache. Es ist manchmal sogar umgekehrt so, dass Kinder zu ihren Eltern sagen: Ich will das auch machen.



In einer Eucharistiefeier in Oberteuringen, geleitet von Pfarrer Robert Müller (links oben), gingen am Sonntag 22 Kinder zum ersten Mal zum Tisch des Herrn und empfingen die Heilige Kommunion. Dies waren: Lenya Bisinger, Jana Enser, Pascal Haberbosch, Samuel Herceg, Lena Jankowiak, Amelie Julitz, Maria Knöpfler, Timea Kopp, Hannes Kraus, Kai Kübele, Rosalie Laur, Alisa Mutter, Stefan Rueß, Felicitas Ruggaber, Jessica Rullo, Jakob Schlegel, Emma Ströhle, Alena Vögtlin, Louis Vögtlin, Jade Werkmann, Jule Wetzel und Luca Zeni. Acht Kinder der Kirchengemeinde <b>St. Gangolf in Kluftern </b>haben am Sonntag zusammen mit Pfarrvikar Johannes Treffert (links) und Diakon Werner Ströbele (rechts) die erste Heilige Kommunion in der Klufterner Pfarrkirche empfangen. Die Erstkommunion-Kinder waren (von links): Jannis Hameister, Jannick Neher, Jan Bartschat, Manuel Benz, Carina Battisti, Lea Kanz, Maximilian Karpf und Fabian Müller. Sichtlich aufgeregt waren zwei Mädchen und drei Buben, die ihren großen Tag der Heiligen Kommunion in der <b>Ittendorfer St.-Martin-Kirche</b> feiern durften. Feierlich wurden (von links) Alexander Ainser, Marina Kley, Tizian Manz, Paula Ritzer und Oskar Stetter von Pfarrer Ulrich Hund, den Ministranten und dem Musikverein mit einem kleinen Festzug in die Dorfkirche begleitet. Die Kinder besuchten zuvor zwölf Stunden lang ihren Kommunionunterricht, um sich auf ihre Kommunion, die dieses Jahr unter dem Motto „Schiff“ stand, vorzubereiten.
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Also bietet die Erstkommunion heute, da die Religion im Alltag häufig nicht mehr die ganz große Rolle spielt, auch die Möglichkeit, wieder an die Menschen heranzukommen?

Das ist in der Tat richtig. Zum einen durch die intensive Vorbereitung: Aufgrund des Priestermangels können wir schon seit längerem die Vorbereitung nicht mehr alleine übernehmen. Deshalb ist es seit vielen Jahrzehnten gute Tradition, dass es Kommunionkatechetinnen gibt, die in der Regel aus dem Kreis der Eltern kommen. Zum anderen aber auch über die Liturgie: Häufig ist es so, dass am Erstkommunionstag viele Menschen da sind, die schon länger nicht mehr in der Kirche waren oder gar den Kirchenaustritt erklärt haben. Da ist es schon eine reizvolle Aufgabe, nicht nur den Kindern sondern auch den Erwachsenen etwas mitzugeben und sie zum Nachdenken anzuregen.

Ein großes Thema bei der Erstkommunion sind die Geschenke. Sehen Sie die Gefahr, dass der religiöse Aspekt dadurch in den Hintergrund rückt?

Die Geschenke sind eine große Sache, das ist klar – manchmal vielleicht sogar zu groß. Auf der anderen Seite ist das aber einfach eine schöne Tradition. Auch ich kann mich noch an die Geschenke erinnern, die ich damals zur Erstkommunion bekommen habe. Ich denke, die Geschenke sind eine äußerst angenehme Nebenerscheinung, aber wenn ich am Tag der Erstkommunion in die strahlenden Kinderaugen schaue und sehe, mit welchem Ernst sie dabei sind, dann denke ich nicht, dass es ihnen in erster Linie um die Geschenke geht. Und es ist ja noch heute eine schöne Tradition, dass sich viele Kinder mit dem geschenkten Geld ein größeres Fahrrad kaufen.

Eine schöne Metapher: Man gibt das Kinderfahrrad ab, um sich ein größeres zu kaufen. Ist die Erstkommunion auch ein Schritt vom Kinder- ins Jugendalter?

Ja, es ist ein erster Schritt. Die meisten Kinder sind zum Zeitpunkt der Erstkommunion aber noch nicht pubertierend, weshalb es auch nicht der Übergang vom Kind zum Jugendlichen sein kann. Ein Anfang ist es aber auf jeden Fall.

Welchen Stellenwert hat die Erstkommunion für Sie persönlich?

Sie ist für mich ein ganz wichtiger Abschnitt im Verlauf des Kirchenjahres, der mir sehr viel Freude macht. Und ich gehöre nicht zu den Priestern, die sagen, die Volkskirche ist so am Ende, dass die Erstkommunion abgeschafft gehört. Ich möchte die Tradition erhalten.

 

Zur Person

Peter Nicola ist seit 2010 Dekan des Dekanates Linzgau, zu dem die Seelsorgeeinheiten Birnau, Deggenhausertal, Markdorf, Meersburg, Salem-Heiligenberg, Sipplingen und Überlingen gehören. Zuvor war er Vikar in Elztal-Dallau und Karlsruhe-Durchlach sowie Pfarrer der fünf Pfarreien in Salem, die 2003 zur Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen wurde. (mde)
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