Alpenverein sieht den Bau einer Kletterhalle auf dem Campus in Gefahr
Ein Bild vom Bouldercup auf dem Landungsplatz. Der Alpenverein will in Überlingen eine Kletterhalle bauen, sieht das Projekt aber gefährdet. <em>Archiv-Bild: Christopher</em><em>Storck</em>
Ein Bild vom Bouldercup auf dem Landungsplatz. Der Alpenverein will in Überlingen eine Kletterhalle bauen, sieht das Projekt aber gefährdet. Archiv-Bild: ChristopherStorck | Bild: Christopher Storck
Überlingen
18.05.2017 20:16
Sektionsvorsitzender Klaus Haberstroh vom DAV Überlingen äußert Bedenken, wonach der Bau einer Kletterhalle noch finanzierbar ist. OB Zeitler hält diese Äußerung für verfrüht.

Der aktuelle Masterplan für den Schulcampus sieht eine Trennung von städtischer Sporthalle und Vereins-Kletterhalle vor. Damit würden Synergieeffekte entfallen, mit denen der Alpenverein bislang fest gerechnet hatte. Drei Jahre lang sei er mit der Planung für eine Kletterhalle beschäftigt, nun aber sei alles infrage gestellt worden. Klaus Haberstroh, Vorsitzender der Sektion Überlingen des Deutschen Alpenvereins (DAV), klingt deshalb frustriert: "So wie ich die Lage momentan einschätze, werden wir uns die Kletterhalle nicht leisten können."

Oberbürgermeister Jan Zeitler hält die Äußerung von derlei Bedenken für verfrüht. "Momentan gibt es keine Grundlage dafür, dass von einem Scheitern des Projekts gesprochen werden könnte." Er bekenne sich zu dem Projekt. "Ich möchte es." Die Diskussion solle aber bitte dann erst geführt werden, "wenn eine verlässliche Kostenschätzung vorliegt".

Um was geht es, dass Klaus Haberstroh, Vorsitzender des größten Überlinger Vereins, des DAV, von einer "Vollkatastrophe" spricht? Es geht um den über Bord geworfenen Plan, wonach die Kletterhalle an die neu auf dem Schulcampus entstehende Sporthalle so angebaut werden sollte, dass ein Teil der Einrichtung wie Duschen und Umkleiden gemeinsam genutzt werden kann. So hätten die Kosten für die Kletterhalle reduziert werden können. Zudem war daran gedacht, die Kletterhalle für den Schulsport an die Schulträger zu vermieten. Außerdem ging der DAV davon aus, dass eine Tiefgarage gebaut wird, auf der die Hallen aufsetzen, womit man sich den Bau einer eigenen Bodenplatte hätte sparen können.

Der vor einer Woche vom Gemeinderat verabschiedete Masterplan sieht anderes vor, nämlich die Trennung der Gebäude und den Verzicht auf eine Tiefgarage. Nach Auffassung von Haberstroh fielen damit so viele Synergieeffekte weg, dass der Alpenverein die Baukosten "vermutlich" nicht werde stemmen können. Hätte man das früher gewusst, hätte man einen "günstigeren Industriebau" an anderer Stelle geplant. Er werfe die Flinte noch nicht ins Korn und warte nun verlässliche Zahlen ab, gab sich Haberstroh auch zuversichtlich. Doch stellte er die Frage, was sein wird, wenn die Kosten über den 1 bis 1,2 Millionen Euro liegen, die der DAV selbst tragen könnte? Ob die Stadt dann in die Bresche springen werde? Er wirbt dafür: "Denn so günstig kommt die Stadt nie mehr zu so einem tollen Sportangebot." OB Zeitler verweist in dieser Frage auf den Gemeinderat und betont für sich: "Ich habe viele Vereine in der Stadt und muss mit dem Thema Vereinsförderung sensibel umgehen."

Warum die Abkehr von der bisherigen Planung? Raphael Wiedemer-Steidinger, Pressesprecher der Stadt: "Die Sicherung des Kindswohls und die Aufsichtspflicht der Lehrer im Sportunterricht lassen die von der DAV Sektion gewünschte Mitnutzung der Umkleiden und sanitären Anlagen nur für die Zeiten außerhalb des Schulsports zu." Auch für den Vereinssport in den Abendstunden werde von den Landessportverbänden eine Trennung der Umkleiden nach Alter und Geschlecht "empfohlen". Er verweist auf "rechtliche und wirtschaftliche Belange", ein "komplexes Vertragswerk" zwischen Stadt und Verein. Die Stadt könne sich eine Mitfinanzierung für die Kletterhalle und Mietkosten für den Schulsport in der Kletterhalle nicht leisten. Zu Beginn des Projekts sei der heutige Stand nicht vorhersehbar gewesen. Das Grundstück könne über einen Erbbaurechtsvertrag "mit den für die Vereine üblichen Konditionen" dem DAV angeboten werden, so Wiedemer-Steidinger.

Er sehe sich in der Verantwortung, eine Fehlplanung zu verhindern, sagte Zeitler. "Wir planen in erster Linie eine Schulsporthalle." Bei einer Parallelnutzung von Sport- und Kletterhalle seien "Engpässe" zu erwarten. "Es ist uns nicht geholfen, wenn wir etwas planen, das im harten Alltagsbetrieb nicht funktioniert." Nach seiner Auffassung gibt es dennoch Synergien wie eine gemeinsame Baustelleneinrichtung.

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