Viel Wasser, wenig Wärme: Nicht gut für den Spargel, den der Spargelanbauer Thomas Geiger hier auf einem seiner Felder präsentiert. In der Ernte eine nie endende Aufgabe: Barbara Pruska aus Polen ist Spargelschälerin auf dem Hof Geiger. Das meist angebaute Gemüse in Deutschland: der weiße Spargel, der momentan überall angeboten wird.
Hoffnung auf trockene Spargelernte bleibt
Bild: Axel Pries
Tettnang
21.04.2017 17:15
Die Spargelsaison hat dank viel Wärme für die Spargelbauern gut begonnen. Derzeit gibt es allerdings zu viel Wasser und Kälte. Der Tettnanger Spargelbauer Thomas Geiger über Wetter, Preise und Unabhängigkeit.

Tettnang – Wenn Thomas Geiger dieser Tage schauen will, wie es seinem Spargel geht, dann packt er Gummistiefel ein: Der Regen hat einige Felder des Spargelbauern in Schlammpisten verwandelt. Das gefällt ihm nicht und die Kälte auch nicht: Spargel braucht nicht so viel Wasser, aber will bei tiefen Temperaturen nicht wachsen. Ausfall droht. Dabei fing die Spargelernte in diesem Jahr so gut an, erzählt der Tettnanger – besser als in vielen Jahren zuvor.

Thomas Geiger ist seit 26 Jahren im Spargelanbau aktiv und kann vergleichen: "Jede Ernte war anders." Es gab richtig schlechte Jahre, so wie 1999 oder 2000, als viel Wasser für abgesoffene Anlagen und Ertragsausfälle sorgte. Es gab aber auch schön warme und trockene Jahre, in denen der Spargel förmlich aus den Dämmen schoss, unter denen er mehrere Jahre gedeiht, um dann im Frühjahr die Triebe nach oben zu schieben. Trockenheit macht nichts, Wärme mag der Spargel, erklärt Thomas Geiger, warum ihm das Frühjahr 2017 bis vor Kurzem noch gut gefallen hat. Seine seit Jahren bewährten Arbeiter aus dem Osten Europas rückten frühzeitig an, die mehrmonatige Ernte begann ungewöhnlich früh, und der Ertrag im warmen Frühjahr 2017 ließ das schlechte, weil nasse Jahr 2016 erst einmal vergessen. So etwas kann Thomas Geiger gebrauchen.

Auf 20 Hektar Land in weiterer Umgebung um Tettnang baut er Spargel an, den er selbst auf seinem Hof vermarktet. Dahinter stecke nicht einmal bewusst ein Nahkauf-Konzept. Die Supermärkte seien für kleine Anbauer, wie sie in der Bodensee-Region überwiegen, ohnehin nicht erreichbar: "Wenn ich mit den klassischen Spargelanbaugebieten konkurrieren würde, hätte ich keine Chance." Der Markt ist nicht reguliert wie beim Getreideanbau; es gibt nicht einmal einen regionalen Dachverband, der den Spargelanbauern zur Seite stehen könnte. Thomas Geiger muss wie seine Berufskollegen selbst sehen, wie er das Gemüse, das übrigens das meist angebaute in Deutschland sei, gewinnbringend an die Kundschaft bringt. Irgendwie will er auch diese Freiheit, so verlockend Großabnehmer auch wären: "So bin ich unabhängiger."

Geiger baute vor Jahren einen Hofladen, der längst nicht mehr nur Spargel in allen Variationen anpreist, sondern mit einem kleinen, ausgewähltem Angebot rund um die Mahlzeit das Gefühl von exklusivem Genuss beim Einkauf vermittelt. Dabei hat er nicht einmal Bio-Ware als besonderes Merkmal, sondern setzt auf Vertrauen in den bewährten, heimischen Bauern: "Ich biete frische, ehrliche Ware. Es ist drin, was draufsteht." Die Kundschaft sei da, aber dennoch muss Thomas Geiger sich von Jahr zu Jahr Neues einfallen lassen, weil die Preise nicht mitgehen. Seine orientieren sich am allgemeinen Angebot, und er stellte fest: "Der Preis ist nicht nennenswert gestiegen. " Aus 18 Mark das Kilogramm vor 25 Jahren seien heute eben elf bis zwölf Euro für das Kilogramm geworden – während die Kosten kräftiger stiegen. Als im vergangenen Jahr der Ertrag unter der Erwartung blieb, musste der Bauer Investitionen verschieben.

Bleibt die Hoffnung, dass das Wetter während der verbleibenden Erntewochen wieder besser wird, damit er die erwarteten drei bis fünf Tonnen Spargel pro Hektar einfahren kann. Hoffnung bleibt, denn das geht bei diesem Gemüse anders zu als beim Getreide, wo wenige Wochen "hopp oder top" bedeuten. Die Menge und die Qualität des Spargels hängen an der wechselnden Witterung: "Jeder Tag kann anders sein."

Spargelanbau

Nur eine Handvoll Landwirte im Bodenseekreis baut Spargel an – und meist auf eher übersichtlichen Flächen. Den Ertrag bieten diese Bauern dann meist auf dem eigenen Hof an. Mancher heimische Spargel landet auch in den Kochtöpfen der Restaurants, die gerne mit heimischer Ware locken. Den bekannten Damm setzen Bauern übrigens nur, damit die Spargeltriebe beim Wachsen kein Chlorophyll bilden wie beim selteneren grünen Spargel. Plastikplanen helfen, dass die Pflanze früher warm wachsen kann.

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