Obstbauern rund um Markdorf bangen wegen Nachtfrost
Karl Knecht hofft, dass die doppelte Isolierung seine Erdbeeren vor dem Nachtfrost schützen wird.
Karl Knecht hofft, dass die doppelte Isolierung seine Erdbeeren vor dem Nachtfrost schützen wird. | Bild: Jan Manuel Heß
Bermatingen
20.04.2017 22:00
Die Früchte sind durch die derzeitigen Minusgrade gefährdet. Missernte oder mit einem blauen Auge davongekommen? Die kommenden Nächte werden entscheidend sein, sagen die Landwirte im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Wenn die Obstplantagen rund um den Gehrenberg im Frühling in einem Meer weißer Blüten versinken, ist das für viele die schönste Jahreszeit in der Bodenseeregion. Doch aktuell zeigt sich der April von seiner eher unschönen Seite. Die Obstbauern blicken in diesen Tagen angespannt auf den Wetterbericht, denn aufgrund des sehr warmen März und den sonnenintensiven ersten Apriltagen steigt die Gefahr, dass durch eintretenden Nachtfrost die Blüten leiden und damit die Ernte gefährdet wird. In der Nacht zum gestrigen Donnerstag war genau das passiert: Die Temperaturen sanken auf bis zu minus drei Grad. Besonders für die niederstämmigen Plantagenäpfel und die Erdbeeren kann das Folgen haben.

Die Schutzschichten aus Vlies und Folie können Tiefsttemperaturen bis zirka minus vier Grad aushalten.
Die Schutzschichten aus Vlies und Folie können Tiefsttemperaturen bis zirka minus vier Grad aushalten. Bild: Jan Manuel Heß

Die Obstbauern gehen nach den Minusgraden der vergangenen Nacht bislang noch von insgesamt überschaubaren Schäden an den Blüten ihrer Pflanzen aus. "Uns steht eine weitere Nachtschicht bevor, in der wir die Erdbeeren kontrollieren müssen. Wie dramatisch es ist, können wir jetzt noch nicht sagen", erklärt Erich Pfleghaar aus Reute. Ebenfalls im Dauereinsatz ist Erdbeerbauer Karl Knecht: "Wir haben die Felder mit Vlies und Folie abgedeckt, um die Pflanzen vor dem Frost zu schützen." Das Vlies wiegt pro Quadratmeter gerademal 23 Gramm, sodass die Pflanzen nicht Gefahr laufen, vom Gewicht erdrückt zu werden. Die tiefen Temperaturen machten diesen doppelten Schutz notwendig. "Inwieweit die Blüten bereits Schaden genommen haben, lässt sich jetzt noch nicht sagen, das wird sich erst zeigen", so Knecht.

Zu frühe Vollblüte

Auch Thomas und Veronika Ainser aus Ittendorf machen sich Sorgen um ihre Äpfel: "Wir stehen sehr früh in der Vollblüte, es war zu früh zu warm. Friert es nochmal, drohen uns schiefe Äpfel mit Frostnasen", so Thomas Ainser. Bei Steffelins nebenan wartet man auch ab, was die kommende Nacht bringen wird, dazu Christoph Steffelin: "Man kann ja eigentlich gar nichts machen, außer zu schauen, was die Folgezeit bringt." Neben den Minusgraden in der Nacht, ist es die Windkühle am Tag, die ihm Sorgen bereitet: "Der starke Wind sorgt dafür, dass die Kälte überall verteilt wird. Die Bäume waren heute Morgen vereist und die Blüten hingen." Das einzige, was er tun konnte, war, den Boden frisch aufzumulchen, damit die Bodenwärme aufsteigen kann. "Es gibt leider kein Wundermittel. Die kommende Nacht ist mit Vorsicht zu genießen, sie entscheidet über den Ertrag."

Die Frostschäden an den Apfelblüten sind an den braunen Blütenblättern deutlich zu erkennen.
Die Frostschäden an den Apfelblüten sind an den braunen Blütenblättern deutlich zu erkennen. Bild: Jan Manuel Heß

Frostgeschädigtes Obst bedeutet für die Bauern zum einen mehr Arbeit, weil es mühsam in Handarbeit herausgelesen werden muss und zum anderen bringt es weniger Ertrag, da es nicht mehr als Tafelobst taugt und nur noch vermostet werden kann. In der Mosterei Kopp im Deggenhausertal sieht man die Situation etwas entspannter, wie Philipp Kopp erklärt: "Unsere Hochstamm-Apfelbäume blühen später. Anders sieht es bei den Birnen aus, die stehen in der Blüte und hier wird der Ertrag dünn ausfallen." 

Auch er ist der Ansicht, dass man jetzt erst mal abwarten muss, was die kommenden Nächte bringen: "Wir stehen gerade am Anfang des Jahres, es gibt noch viel mehr Faktoren, die die Ernte beeinflussen können, wie etwa zu viel Regen und zu wenig Sonne."

Nicht ohne Grund heißt es im Volksmund "Der April macht, was er will", und das ist den Obstbauern bewusst. Ihnen bleibt jetzt nicht mehr übrig, als dem Wetterbericht zu folgen und zu hoffen, dass, bevor die Temperaturen wieder steigen, die Nächte nicht zu eisig werden und der Schaden an den Blüten nicht zu groß ausfallen wird. Zudem stehen noch die Eisheiligen im Mai und die Schafskälte im Juni an, die auch noch Unbill bringen können.


Rund um den Obstbau

  • Das Wetter: Ähnlich wie schon in vergangenen Jahren, ist auch in diesem Jahr das Wetter in den ersten Monaten teils problematisch für die Obstbauern. Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf vermeldet in seiner Analyse des Wetterverlaufs 2017 einen viel zu warmen März. Mit im Mittel 8,2 Grad war er um 4,1 Grad wärmer als der langjährige Schnitt. Auch die 199 Sonnenscheinstunden im März sind weit mehr als gewöhnlich, sie liegen um 40 Prozentpunkte über dem Schnitt (140 Prozent gegenüber 100 Prozent als Langjahresmarke). Januar und Februar bewegten sich eher im langjährigen Mittel, wobei der Februar bei Niederschlägen von 65 Prozent des Mittels auch schon trocken ausgefallen war. Das Kompetenzzentrum berät Obstbauern und hält auf seiner Internetseite Informationen, Tipps, Termine und Diagramme bereit.
  • Die Vermarktung: Unter der Dachmarke "Obst vom Bodensee" vermarkten die Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG (MaBo, Friedrichshafen) und die Württembergische Obstgenossenschaft Raiffeisen eG (Ravensburg) einen großen Teil des am Bodensee angebauten Obstes. So erstreckt sich das Anbaugebiet der MaBo von Öhningen im Westen bis nach Lindau im Osten. Auf rund 4100 Hektar erzeugen die rund 650 MaBo-Betriebe zwischen 80 000 und 120 000 Tonnen Obst pro Jahr. (gup)
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