Markdorfer Ehepaar schlägt Brücke nach Afrika
Wollen mit ihrer Kooperative den Familien in Togo helfen: Antje Strathmann und Achraf Kayamaga Cisse in Markdorf. Bild: Axel Pries
Wollen mit ihrer Kooperative den Familien in Togo helfen: Antje Strathmann und Achraf Kayamaga Cisse in Markdorf. Bild: Axel Pries
Achraf Kayamaga Cisse (links) vergangenes Jahr im Kreis von Bauern in Bafilo. Er versucht, sie von der Teilnahme an der Kooperative zu überzeugen. Bild: privat/Strathmann
Achraf Kayamaga Cisse (links) vergangenes Jahr im Kreis von Bauern in Bafilo. Er versucht, sie von der Teilnahme an der Kooperative zu überzeugen. Bild: privat/Strathmann
Diskussion über die Cashew-Kooperative unter Bekannten in Sokode: Achraf Kayamaga Cisse (Zweiter von links) mit dem Deutschen Alexander Kusch und den Einheimischen Traore Dofik und Nafiou Mola. Bild: privat/Strathmann
Diskussion über die Cashew-Kooperative unter Bekannten in Sokode: Achraf Kayamaga Cisse (Zweiter von links) mit dem Deutschen Alexander Kusch und den Einheimischen Traore Dofik und Nafiou Mola. Bild: privat/Strathmann
Markdorf
21.04.2017 18:15
Antje Strathmann und Achraf Kayamaga Cisse wollen mit ihrem Projekt "Cashew to'go" afrikanischen Erzeugern den direkten Zugang zum deutschen Markt ermöglichen.

Markdorf – Es ist die Geschichte einer Verbindung zwischen Afrika und Deutschland, zwischen der Stadt Sokode in Togo und einer Wohnung in Markdorf. Es ist eine kleine Geschichte, die einmal konkrete Förderung für viele Menschen bewirken soll, wenn Antje Strathmann und Achraf Kayamaga Cisse ihr ehrgeiziges Projekt einer Brücke zwischen afrikanischen Erzeugern und dem deutschen Markt verwirklicht haben. "Cashew to'go" heißt es: ein Wortspiel um diese nahrhaften Nüsse.

Die Kunsttherapeutin vom Bodensee und der Händler aus Afrika sind ein eher ungewöhnliches Ehepaar mit Wurzeln in viele Richtungen. Seine führen in einen schmalen Streifen Land an der afrikanischen Westküste zwischen Benin und Ghana: Togo. Dort liegt seine Heimatstadt Sokode, dort besitzt die Familie des 30-Jährigen ein paar Hektar Land.

Es ist eine ländliche Region, in der die Menschen vor allem vom Anbau der beliebten Cashew-Nuss leben. Aber sie leiden dabei unter den üblichen Marktbedingungen: Großhändler kaufen die Nüsse bei ihnen billig als Massenware ein, lassen sie in Indien schälen und bedienen dann den europäischen Markt günstig mit dem beliebten Produkt. So erklären es die beiden Markdorfer und schließen, wie viele ähnliche Schilderungen: "Bei den Bauern bleibt so nicht viel."

Aber die Menschen in der Umgebung von Sokode haben seit ein paar Jahren einen kleinen Vorteil: Einer der ihren lebt in Deutschland. Achraf Kayamaga Cisse folgte 2012 seiner große Liebe an den Bodensee, inzwischen ist das Paar auch verheiratet.

Bei einem seiner Heimataufenthalte im September 2016 sprachen Einheimische den gelernten Fensterbauer an, dessen Familie durch Holzhandel recht bekannt ist. Ob er nicht helfen könnte, einen direkten Absatzweg nach Deutschland einzurichten. Dafür würden sie auch den höchsten Standard an Qualität anpeilen, erzählt er. Die Bauern möchten die "Bio"-Zertifizierung erhalten, um in Deutschland einen höheren Preis erzielen zu können. Diese Zertifizierung zu erlangen, kostet allerdings Geld. Die Idee kam an. Achraf Kayamaga Cisse und Antje Strathmann wollen ihnen helfen: Das Unternehmen "Cashew to go" soll der Schlüssel zum deutschen Markt sein.

Das Paar fuhr in Togo von Dorf zu Dorf, und überzeugte auch dank des guten Rufs seiner Familie in ausgiebigen Debatten 265 Bauernfamilien zum Einstieg in die Kooperative. Zusammen bewirtschaften sie 528 Hektar Land mit Cashew-Nüssen. Dazu kommen 18 Bauern, die auf 54 Hektar Land Kakao ernten. 60 bis 100 Tonnen Nüsse können da zusammen kommen.

Zehn Euro bringt das Kilogramm auf dem üblichen Weg beim Endabnehmer, erzählt Antje Strathmann. 50 Cent pro Kilogramm bekommen die Bauern – dabei könnten es bis zu 2,50 Euro werden, wenn sie die Nüsse als Bioware direkt auf den Markt bringen würden. Das will sie: "Man schafft Arbeitsplätze, man schafft Lebensqualität."

Das Paar arbeitet seither zweigleisig an der Verwirklichung des Projekts: Sie spricht in Deutschland mögliche Abnehmer an und bekommt von den Unternehmen mit durchaus bekannten Namen auch wohlwollendes Gehör, erzählt sie. Bei wem genau, möchte Antje Strathmann allerdings nicht sagen: "Ich will die Leute nicht verschrecken."

Die GLS-Bank in Bochum, die sich laut Website der Förderung von sozial-ökologischen Projekten verschrieben hat, zeigte sich auf ihre Anfrage sehr interessiert, erzählt sie. Inzwischen habe sie auch eine Kreditzusage. Die Bank könnte unter anderem helfen, den anderen Pfeiler der Deutschland-Afrika-Brücke zu errichten: die Zertifizerung der Bauern und die Einrichtung der für den Handel nötigen Logistik.

Das ist sein Part: Der 30-Jährige errichtet auf seinem Grundstück in Sokode eine Lagerhalle und schafft Maschinen an, die die Cashew-Nuss vor Ort schälen sollen – eine nicht ungefährliche Arbeit übrigens, da die Nuss-Schale ein ätzendes Öl enthält. Der Bau habe begonnen, erzählt sie.

Wenn alles klappt, werden die Nüsse ab 2018 von dort direkt nach Europa verkauft. "Oder woanders hin", lacht die Kunsttherapeutin. Vielleicht sogar nach China. "Da gibt es zur Zeit einen Run auf Cashew-Nüsse."

Cashew

Die Cashew-Pflanze ist auf mehrfache Weise ein nützliches Gewächs, weshalb sie auch in Afrika gerne angebaut wird. Die Nuss ist wegen ihrer vitamin- und mineralreichen Nahrhaftigkeit auch bei Veganern recht beliebt. Das Öl wird unter anderem für den Holzschutz verwendet. Die Cashew-Pflanze bringt aber auch einen schmackhaften Apfel hervor. Und aus dem Fleisch des Cashew-Apfels wird Schnaps hergestellt. Wegen seiner großen Empfindlichkeit lässt er sich aber nicht exportieren.

Informationen im Internet: http://wirundjetzt.org/projekte/cashew-togo/
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