Montfort Jazz Club: Standards aus dem Bauch heraus
Standards aus dem Bauch heraus: Andi Schnoz (Gitarre), Marc Jenny (Bass) und Rolf Caflisch (Drums) fühlten sich sichtlich wohl im Montfort Jazz Club. Bild: Thomas Kapitel
Standards aus dem Bauch heraus: Andi Schnoz (Gitarre), Marc Jenny (Bass) und Rolf Caflisch (Drums) fühlten sich sichtlich wohl im Montfort Jazz Club. Bild: Thomas Kapitel | Bild: Thomas Kapitel
Langenargen
11.08.2017 15:15
Das Trio Schnoz-Jenny-Caflisch interpretiert im Montfort Jazz Club Langenargen gute alte Klassiker ganz eigen

Warum gute Musiker aus der Ferne holen, wenn St. Gallen liegt so nah: Michael T. Otto, Profitrompeter und Vorstand beim Montfort Jazz Club Langenargen, spielt viel mit den Profis aus der Kulturstadt überm See: Um die dortige Jazzschule hat sich eine hervorragende Musikerszene gebildet. Drei von ihnen machen das, wovon viele Profis leben: Als Rhythmusgruppe begleiten sie Solisten, darunter Stars von Bill Frisell bis Ella Fitzgerald. Bei der Konzertreihe „Weekly Jazz“ in Chur sind sie dafür bestens gebucht. Wenn Gitarrist Andi Schnoz, Bassist Marc Jenny und Ralf Caflisch dann mal nur als Trio auftreten, darf man ein exzellent eingespieltes kleines Ensemble erwarten.

Im Montfort Jazz Club am Donnerstag jedenfalls spielten sie sich die Bälle virtuos zu. „Wenn wir zusammen Standards spielen, dann machen wir das voll aus dem Bauch heraus“, sagt Andi Schnoz. Nein, mit „easy listening“ hat das nichts zu tun, und solcherlei gespielte Jazz-Standards passen weder in eine Hotel-Lounge noch auf eine Firmenfeier. Gleich bei „All or Nothing at all“ ging Andi Schnotz vom Gitarrestimmen ins Intro über und die Band begann vom Anfang an, das Thema aufzulösen. Sehr modern, sehr kunstvoll. Das Langenargener Publikum scheint sich, seit es diesen Club gibt, an solch anspruchsvolle Hörkost gewöhnt zu haben: Konzentriertes Zuhören wechselte mit begeistertem Szenenapplaus für die Solisten. „S’isch hurageil hier“, freute sich Marc Jenny in breitestem St. Gallerisch über die Atmosphäre: „Ich weiß nicht, ob ihr viele Jazzclubs kennt. Aber so fantastisch wie hier ist es nicht überall. Das ist wahnsinnig inspirierend.

“ Ornette Colemans „Turnaround“ swingten sie als mittelschnellen 12-Takter-Blues durch, „It could happen to you“ ebenfalls. In Horace Silvers „Nica’s Dream“ genossen sie die Wechsel von Swing zu Latin. „Falling Grace“ klang wie eine ECM-Aufnahme aus den Siebzigern, mit melodischem Bass, Metheny-Gitarrensound und Becken-Klingeling über alles drüber.

„You don’t know what Love is“ sei ihre Wundertüte, sagt Schnoz: „Wir wissen nie, wie wir es letztendlich spielen. Diesmal war‘s mit ausuferndem Kontrabass-Intro plus Bogen-Solo (in klassisch geschulter Perfektion), dazu bluesy Slide-Gitarre mit Bottleneck am kleinen Finger.

Man muss einen Song schon sehr in sich drin haben, um so drumherum spielen zu können. Wenn sich das Publikum fragt, wo im Stück sie jetzt eigentlich gerade sind, und die Musiker es ganz genau wissen, weil sie nach ihren Höhenflügen auf den Punkt wieder drin sind. Das ist Jazz – wenn man’s richtig macht. Marc Jenny ist ein Viech, wenn er spielt, und widerlegt die Mär, dass Bassisten immer cool und zurückhaltend seien. Rolf Caflisch spielt filigran, mal mit Besen, mal mit einer Art Stricknadeln. Nur bei Mongo Santamarias „Afro Blue“ lässt er es mit dicken Stöcken krachen. Zwei Zugaben, „Idle Moments“ und „Solftly as in a Morning Sunrise“, lässt die Band noch von der Bühne. „Alles Weitere schwätzen wir nachher an der Bar“, sagte Marc Jenny. Dort wurden sie vor allem gefragt, wann und wo man sie bald mal wieder hören kann.

Nächstes Konzert im Montfort Jazz Club: „Ensemble Clazzic“ am Donnerstag, 7. September.
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