Gib Gummi! Beim Burnout-Roulette qualmen bei der Tuning World die Reifen. Stolz präsentiert Sidney Hoffmann seinen RWB-getunten Porsche, der den Namen "Furusato" trägt.
Die eigentlichen Stars: Tuning World zeigt etwa 1000 getunte Autos
Bild: Anette Bengelsdorf
Friedrichshafen
21.04.2017 18:11
Bei der Tuning World zeigen Privatleute, Clubs und Firmen von 28. April bis 1. Mai, was man aus Autos alles machen kann. Ein Programm mit Shows, dem Burnout-Roulette und der Wahl zur Miss Tuning soll wieder zahlreiche Besucher anlocken.

Der Motor des schwarzen, tiefergelegten BMW heult auf, mit blockierter Vorderradbremse gibt Matthias Heinzler Vollgas. Die Hinterräder des modifizierten Fahrzeugs drehen durch, hinterlassen auf dem Parkplatz vor Halle B4 breite schwarze Streifen auf dem Asphalt und beginnen mit Gestank zu qualmen – voll Gummi! Auf die linke, hintere Felge hat Heinzler eine Roulette-Scheibe montiert. Als der Reifen zum Stillstand kommt, zeigt der rote Pfeil auf dem Kotflügel auf 23. Miss Tuning World, Julia Oemler, jubelt, sie hat ihren Jeton auf die 23 gesetzt und gewinnt.

Nicht weniger spektakulär als das Burnout-Roulette, aber fern ab von rauchenden Showeffekten präsentiert Sidney Hoffmann seinen violetten Porsche bei der Pressekonferenz zur Tuning World und erntet von Pressevertretern bewundernde Blicke. "Die eigentlichen Stars sind die Autos", findet Geschäftsführer Klaus Wellmann. Doch was wären sie ohne die Menschen dahinter, mit ihrer Leidenschaft und Passion fürs Optimieren des heiligen Blechles.

"Vor vier Jahren habe ich zum ersten Mal einen Porsche von Rauh-Welt Begriff gesehen und sofort gewusst – so einen will ich!", erzählt Hoffmann. Tief war die Enttäuschung, als er erfuhr, dass er drei Jahre darauf warten musste.

Der Fernsehmoderator mit eigener Tuning-Werkstatt und eigenen Fernsehsendungen, wie "PS-Profis im Einsatz" und "Mein neuer Alter", kaufte sich einen verunfallten Porsche 993 C2 und bereitete ihn vor für den Einsatz von Akira Nakai, dem japanischen Porsche-Künstler, der sich seit 20 Jahren einzig und allein dem Tunen dieser luftgekühlten Prestigeautos widmet. Er stellte ihm Werkbank und Hebebühne zur Verfügung, was der Meister allerdings verschmähte. "Er arbeitet ausschließlich am Boden", berichtet der 37-Jährige. Akira Nakai, ein Star der Szene, fliegt um die ganze Welt, ausschließlich, um dafür vorbereitete Porsches zu zersägen. Mit dabei, ein Köfferchen mit seinem Werkzeug. So findet er überall dieselben Bedingungen vor. Am Boden sitzend, in der Hand eine Druckluftsäge, sägte er zunächst mit schlafwandlerischer Sicherheit – er kennt jede Schraube – an Sidneys Porsche Kotflügel und hintere Seitenteile weg. In zwei Tagen war das Kunstwerk fertig. Dann taufte er es auf den Namen "Furusato" – Heimatstadt. "So etwas kostet von bis", antwortet Sidney, der Quereinsteiger mit Studium 'Logistik im Maschinenbau', mit einem Schmunzeln.

Das Tuning-Kit zur Verbreiterung der Karosse, mit Kotflügel, Stoßstange, Seitenschweller und Motorhaube, schlägt mit 25 000 Euro zu Buche. Inklusive Auto landet man da schnell bei etwa 100 000 bis 150 000 Euro. Kein Problem für Leute, die auf einen ganz individuellen Porsche Wert legen. Doch die Begeisterung dafür ist nicht ungeteilt. Eine Gruppe "konservativer Pullunderträger" musste er erst davon überzeugen, dass es sich um Kunst und nicht um Frevel handelt. Doch die Skepsis mutierte zu begeistertem "Habenwollen". Doch alleine das nötige Kleingeld reicht nicht. Sidney Hoffmann sucht sich seine Kunden aus.

Etwa 104 bis 120 Fahrzeuge modifiziert Akira Nakai jährlich. Weit weniger als es Nachfragen gibt. Sidney Hoffmann, der heute Repräsentant der japanischen Firma "Rauh-Welt Begriff" (RWB) in Deutschland ist, vermittelt dem Japaner nur Kunden, die für ihre Leidenschaft leben und im Ernstfall ihr Haus dafür verkaufen würden, um anschließend stolz auf ihren Porsche zu sein. Angeber sind Akira fremd. "Wer proletenhaft auf die Kacke hauen will, der ist bei uns fehl am Platz", sagt Sidney Hoffmann, der diesbezüglich das volle Vertrauen des Meisters genießt. Am 26. April wird dieser in Friedrichshafen landen. Dann gestaltet er, sichtbar für alle Besucher, Hoffmanns zweiten Porsche. Diesmal nicht elegant, sondern als kompromisslosen Motorsport RWB.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und die Wahl zur Miss Tuning

  • Die Tuning World Bodensee findet von Freitag, 28. April, bis Montag, 1. Mai, statt und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 203 ausstellende Unternehmen, 154 Clubs und Privatleute bieten mit insgesamt rund 1000 Fahrzeugen einen Einblick in die Szene.
  • Tageskarten kosten 14, ermäßigt 12 Euro, Zweitageskarten 25 Euro, die Familienkarte (zwei Erwachsene und zwei Kinder von sechs bis 14 Jahren) gibt es für 32 Euro. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei. Im Vorverkauf (online) kostet die Tageskarte 12, die Zweitageskarte 22 Euro. VIP-Parking für getunte Autos in A2 (gültig für zwei Personen) kann für 49 Euro gebucht werden.
  • Auf den offiziellen Besucherparkplätzen ist das Parken kostenlos. Kostenlose Bus-Shuttles verkehren von Stadt- und Hafenbahnhof zum Messegelände.
  • Die Messe bietet Fahrzeuge mit Optik-, Fahrwerks- und Leistungstuning, sportliche Serienfahrzeuge, Autoteile und Zubehör, Soundsysteme und Navigation. Neben Stars der Szene, etwa Ralley-Fahrer Ken Block, Moderator und Tuner Sidney Hoffmann, YouTube-Tuner Franz Simon und Miss Tuning 2016, Julia Oemler, sind zahlreiche Aktionen und Prämierungen, wie die des schönsten Club-Standes und des besten Showcars Europas geplant. Am Montag wird der Yokohama Tuning Award vergeben.
  • "Auto Bild "sucht Deutschlands beste Autofahrer, Miss Tuning 2017 wird aus zwölf Finalistinnen auf der Bühne im Foyer Ost gewählt. Eine Speed Drift -, Lowrider -und Monster-Truck-Show, sowie ein Offroad-Parcours stehen ebenfalls auf dem Programm. Außerdem: Sonderausstellungen wie 50 Jahre AMG und 30 Jahre VDAT Ruhrpott-Tuning. Drei After-Show-Partys, Freitag und Samstag in Etage Eins und Sonntag im Club Metropol, runden das Programm ab.
Informationen im Internet: www.tuningworldbodensee.de
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