Blaue Blume: Freiwillige packen als Bauarbeiter an
Tabea Louis (von links) und Wietske Howell arbeiten an der Glas-Holz-Wand der überdachten Terrasse. Gerade wird ein quadratisches Fenster eingesetzt und verschraubt. <em>Bild: Toni Ganter</em>
Tabea Louis (von links) und Wietske Howell arbeiten an der Glas-Holz-Wand der überdachten Terrasse. Gerade wird ein quadratisches Fenster eingesetzt und verschraubt. Bild: Toni Ganter | Bild: Toni Ganter
Franziska Ortgies (von links) und Philine Rzadtki arbeiten am sogenannten Amphitheater. Gerade wird eine Strebe passend gesägt und danach an der Holzkonstruktion verschraubt. <em>Bild: Toni Ganter</em>
Franziska Ortgies (von links) und Philine Rzadtki arbeiten am sogenannten Amphitheater. Gerade wird eine Strebe passend gesägt und danach an der Holzkonstruktion verschraubt. Bild: Toni Ganter | Bild: Toni Ganter
Tobias Brand (von links) und Jan Tumpej verschrauben in einem ehemaligen Bauwagen Nut- und Federbretter aus Kiefernholz als Boden für das künftige Bad. Die Wände sind isoliert und mit einer Dampfsperre versehen. Sie werden mit Holzbrettern verkleidet, die Tumpej und Brand von Hand gehobelt haben. <em>Bild: Toni Ganter</em>
Tobias Brand (von links) und Jan Tumpej verschrauben in einem ehemaligen Bauwagen Nut- und Federbretter aus Kiefernholz als Boden für das künftige Bad. Die Wände sind isoliert und mit einer Dampfsperre versehen. Sie werden mit Holzbrettern verkleidet, die Tumpej und Brand von Hand gehobelt haben. Bild: Toni Ganter | Bild: Toni Ganter
Blick über einen Teil des Blaue-Blume-Areals vor dem alten Heizhaus im Fallenbrunnen. Regen hat die Wiese aufgeweicht, Holzpaletten und Bretter dienen als Wege durch Matschflächen. Im Hintergrund in der Mitte die überdachte Terrasse mit Holz-Glas-Wand als Windschutz. <em>Bild: Toni Ganter</em>
Blick über einen Teil des Blaue-Blume-Areals vor dem alten Heizhaus im Fallenbrunnen. Regen hat die Wiese aufgeweicht, Holzpaletten und Bretter dienen als Wege durch Matschflächen. Im Hintergrund in der Mitte die überdachte Terrasse mit Holz-Glas-Wand als Windschutz. Bild: Toni Ganter | Bild: Toni Ganter
Friedrichshafen
11.08.2017 14:34
Der Friedrichshafener Verein Blaue Blume richtet sich im Fallenbrunnen ein. Mehrere Wägen und zwölf Bauten sind innerhalb von ein paar Tagen auf den Platz vor das alte Heizhaus umgesiedelt worden.

Um die 30 Freiwillige wirken am Umzug des Vereins Blaue Blume von der Windhager Straße in den Fallenbrunnen mit und leisten Ab- und Aufbauarbeiten sowie Transporte. Regen hat die Wiese vor dem alten Heizhaus im Fallenbrunnen aufgeweicht. Bretter und Holzpaletten sind als Wege zwischen den Bauten ausgelegt worden. Nasskaltes Wetter, lausige Temperaturen um die 15 bis 17 Grad und Matsch beeindrucken die international besetzte Heim- und Handwerkergemeinschaft allem Anschein nach nicht.

Philine Rzadtki wohnt in Berlin und ist übers Internet auf die Blaue Blume aufmerksam geworden. Sie und Franziska Ortgies, ehemalige Studentin der Zeppelin-Universität, arbeiten am sogenannten Amphitheater, eine tribühnenähnliche Holzkonstruktion. Was motiviert jemanden, aus Berlin an den Bodensee zu fahren, um dort am Umzug der Blauen Blume mitzuwirken? "Das Projekt hat mich interessiert, ich wollte helfen – und die lieben Leute", lächelt Rzadtki. Sie und Ortgies nehmen Maß an einer Holzlatte und sägen von Hand Gehrungen (Schrägen). Das Werkstück wird anschließend als eine von vielen Stützstreben am Amphitheater verschraubt.

Rund zehn Meter weiter in einem ehemaligen Bauwagen: Jan Tumpej aus der Nähe von Maribor/Slowenien und Tobias Brand, Tischlerlehrling aus Leipzig, beraten die nächsten Arbeitsschritte für die Umgestaltung des Bauwagens zu einer Sanitäranlage. Auf der einen Seite einer Trennwand entsteht ein Bad, auf der anderen Seite eine Toilette mit Wasserspülung. "Die Wände und die Decke sind mit Holzwolle isoliert und haben schon Dampfsperren", erzählt Tumpej. "Der Boden ist mit wasserabweisenden Holzfaserplatten ausgelegt, darüber werden Nut- und Federbretter verschraubt", ergänzt Brand. Kabel zur Stromversorgung von Steckdosen und Lampen und eine Waschmaschine sind verlegt. "Die Wände werden noch mit Holzbrettern verkleidet", berichtet Brand. Tumpej ergänzt: "Die haben wir von Hand glatt gehobelt." Bis der Bauwagen als Sanitärstation betriebsbereit ist, rechnen beide mit rund 14 Arbeitstagen.

Ein paar Schritte weiter etwa in der Mitte des Areals geht's an die Vollendung der überdachten Terrasse. Dach und Holzbretterboden sind fertig. Auf der Windseite gibt es letzte Arbeiten an einer Glas-Holz-Wand zu erledigen. Wietske Howell ist ebenfalls übers Internet auf die Blaue Blume aufmerksam geworden und aus Südengland angereist, wie sie erzählt. Die Verständigung mit der ZU-Studentin Tabea Louis über die jeweiligen Arbeitsschritte klappt völlig selbstverständlich in Englisch. Howell, okay, das hört sich schon Englisch an. Aber Wietske? Etwas Deutsch spricht Howell doch: "Meine Mutter ist aus Holland." Louis und Howell haben Maß genommen und an zwei Brettern 90-Grad-Ecken ausgesägt. Nun werden ein rechteckiges Fenster eingesetzt und das untere Brett passgenau schräg angeschraubt.

Jakob Wirth, Sprecher und Mitglied der Kernmannschaft des Vereins Blaue Blume, ist reichlich mit organisatorischen Aufgaben beschäftigt. Immer wieder Telefonate, um diesen und jenen Transport abzuklären, Details besprechen, und so weiter. Wirth ist's zufrieden, wie der Umzug und parallel dazu das Kulturprogramm vonstattengehen: "Vor Kurzem war das noch eine brachliegende Wiese. Inzwischen sind fünf Wägen umgezogen und zwölf Bauten transportiert worden." Die meisten Helfer seien noch bis Sonntag da, ein paar werden etwas länger bleiben. "Ja das Fazit nach dieser Woche ist echt positiv. Die Disziplin, mit der die Helfer im Regen und Matsch arbeiten, ist schon beeindruckend", sagt Wirth. Im Laufe der nächsten Woche soll der alte Standort Windhager Straße 32 vollends aufgelöst und das dortige Areal aufgeräumt und sauber verlassen sein.

Wirth freut sich schon auf den Klassiksonntag, 13. August. Es gibt ab 16.30 Uhr Musik vom Häflerinnen-Trio "Les Trois Ortilles". Ab 20 Uhr gibt der Pianist Billy Contreras ein Klavierkonzert. Bereits um 14.30 Uhr wird ein "Sonntagscafé" angeboten. Wer möchte, kann sich auf dem Areal vor dem alten Heizhaus im Fallenbrunnen gegenüber von Zeppelin-Universität und Duale Hochschule umsehen.

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