Diese Länder haben bereits einen gesetzlichen Mindestlohn
Wirtschaft
19.12.2014 11:29
So funktioniert der Mindestlohn in Frankreich, England, Amerika und Holland.
Frankreich hat schon seit 1950 einen gesetzlichen Mindestlohn, genannt SMIC. Er soll nicht nur das Existenzminimum sichern, sondern jedem Arbeitnehmer „die Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes“ ermöglichen. .Der SMIC beträgt derzeit 9,53 Euro pro Stunde. Ausgenommen vom Mindestlohn sind Jugendliche, Auszubildende, Praktikanten und Behinderte. Problematisch am französischen Modell ist, dass junge Menschen ohne Studium nach dem Schulabschluss aufgrund des hohen Mindestlohns nur schwer ins Berufsleben finden. Der Niedriglohnsektor ist so schwach ausgeprägt, dass die Jugendarbeitslosigkeit fast 25 Prozent beträgt.

 

England garantiert seit 1999 einen Mindestlohn, den eine Kommission bestehend aus Vertretern der Arbeitgeber, Gewerkschaften und Wissenschaftlern jährlich festlegt. Derzeit beträgt der englische Mindestlohn umgerechnet 7,53 Euro. Das englische Mindestlohnmodell wird von vielen Experten gelobt. Denn England stieg bei der Einführung vor 15 Jahren mit einem sehr niedrigen Mindestlohn von 3,60 Pfund (4,25 Euro) ein, so dass die Unternehmen sich langsam an die steigenden Lohnkosten gewöhnen konnten. Problematisch ist, dass regionale Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten durch den Mindestlohn nicht aufgefangen werden können.

 

In den USA gibt es bereits seit 1938 einen gesetzlichen Mindestlohn. Die aktuelle Höhe beträgt 7,25 US-Dollar (5,84 Euro). Die Bundesstaaten können vom Mindestlohn nach oben abweichen. So garantiert Kalifornien 10,55 Dollar pro Stunde (8,50 Euro). Wer wie Kellner Trinkgeld bekommt, erhält einen niedrigeren Mindestlohn. De facto verdienen viele Arbeitnehmer weniger als den gesetzlichen Mindestlohn.
Viele Einwanderer machen sich mit einem Restaurant oder Kiosk selbständig und kommen so nicht in Genuss des gesetzlichen Mindestlohns. Auch viele der illegal beschäftigten Einwanderer aus Lateinamerika leben als Tellerwäscher oder Bauarbeiter von Niedriglöhnen.

 

Die Niederlande hat seit 1968 einen Mindestlohn. Aktuell liegt er bei 9,11 Euro pro Stunde. Um Schocks durch zu hohe Steigerungen zu vermeiden, passt die niederländische Regierung den Mindestlohn zweimal im Jahr an die wirtschaftliche Entwicklung an. Für die 15- bis 23-Jährigen gilt der Mindestlohn für Jugendliche, je nach Alter gestaffelt von 448,55 im Monat für einen 15-Jährigen bis 1270,90 Euro für einen 22-Jährigen. Einige Unternehmen versuchen den Mindestlohn zu umgehen, indem sie 23-Jährige entlassen und dafür jüngere Arbeitnehmer einstellen oder Arbeitsverhältnisse als Praktikum tarnen.

 

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