Franken und Euro fast gleichauf
Die Aufwertung des Franken ist einer der größten Einschnitte in der jüngeren Geschichte der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Zumindest auf kurze Sicht werde Südbaden davon profitieren, glauben viele Experten.
Die Aufwertung des Franken ist einer der größten Einschnitte in der jüngeren Geschichte der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Zumindest auf kurze Sicht werde Südbaden davon profitieren, glauben viele Experten. | Bild: dpa
Wirtschaft
17.01.2015 16:13
Der Kurssprung hat viele Gewinner und Verlierer. Die langfristigen Folgen sind jedoch noch vollkommen ungewiss.

Der Kurswechsel der Schweizer Notenbank verunsichert Kämmerer und Anleger, Pendler entlang der deutsch-schweizerischen Grenze schauen gespannt auf die Währungsschwankung. Wechselstuben und örtliche Banken haben Hochkonjunktur. Nach der Freigabe des Schweizer Franken zum Euro spürt der deutsche Südwesten, das Gebiet in direkter Nachbarschaft zur Schweiz, die Auswirkungen.

Der Andrang beim Umtausch von Franken in Euro ist groß. Bad Säckingen ist zum Beispiel in Schweizer Franken verschuldet. Es sind derzeit 13 Millionen Franken, sagt Bürgermeister Alexander Guhl. Um die finanziellen Verluste in Grenzen zu halten, will die Stadt nun so rasch wie möglich Franken-Schulden in Euro-Schulden umwandeln – eine Folge der Schweizer Währungspolitik. „Für Euro-Verdiener ist die Zinsbelastung um 15 bis 20 Prozent gestiegen“, meint André Marker, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. „Wir vergeben Kredite in Franken eigentlich nur an Grenzgänger, die auch Franken verdienen.“ Trotzdem habe es vereinzelt Anfragen gegeben, die Kredite in Euro zu tauschen. Verbraucherschützer raten zu diesem Schritt. „Wir haben in allen unseren Filialen sehr, sehr lange Schlangen vor den Kassen. Es sind deutlich mehr Menschen, die Franken umtauschen wollen. Wir liegen im vierstelligen Kundenbereich“, berichtet der Sparkassen- Chef in Lörrach.



Wieviel getauscht wird, ist unterschiedlich: „Es sind im Durchschnitt zwischen 1000 und 5000 Franken“, hat Marker beobachtet. Damit habe sich der Umsatz der Sparkasse von einem Tag auf den anderen verzehnfacht. „Normalerweise haben wir Umsätze von 230 000 bis 300 000 Franken, nun liegt es zwischen 3 und 4 Millionen.“ Er ist gespannt auf Samstag: „Da werden sicher noch einmal mehr Pendler und Schweizer, die gerade beim Einkaufen sind, zum Umtauschen kommen.“ Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Donnerstag überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben. Er war ursprünglich eingeführt worden, um die Schweizer Exportwirtschaft vor einem allzu starken Franken zu schützen.

Was war das Motiv der Notenbank?

Die Freisetzung des Franken spürt auch der Shoppingtourismus in der deutsch-schweizerischen Grenzregion: „Schon immer sind die Schweizer nach Deutschland zum Einkaufen gekommen, jetzt mit dem günstigeren Kurs fahren sie noch weiter ins süddeutsche Gebiet rein“, sagt der Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein- Bodensee, Claudius Marx, in Konstanz.Über die Gründe für die radikalen Schritte der Schweizer Notenbank wird derweil weiter heftig gerätselt. „Die Schweizer Nationalbank ist durch die Geldpolitik der EZB und ihre Ankündigung, Staatsanleihen aufkaufen zu wollen, unter Druck geraten. Auch die Wahlen in Griechenland haben ihren Schatten vorausgeworfen. Die Wahl einer linken Regierung in Griechenland würde zu noch mehr Unsicherheit in Europa führen und den Wert des Euro weiter schwächen“, glaubt Günter Franke, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Finanzmanagement an der Universität Konstanz.

„Beim bisherigen Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro hätte die Schweizer Nationalbank vermutlich in erheblichem Umfang weitere Euros über Wert kaufen müssen. Dieses Risiko war ihr wohl zu hoch“, so Franke.

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