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Stalken leicht gemacht: Neue Webseite zeigt Risiken von Facebook auf
Bild: Armin Weigel (dpa)
Facebook
17.02.2017 16:35
Facebook-Profile können zum Problem werden, wenn Nutzer zu viele Daten öffentlich preisgegeben. Auch bei strengen Privatsphäre-Einstellungen können Fremde viele Inhalte sehen, wie eine neue Webseite jetzt beweist.
Peinliche Partybilder, freizügige Strandfotos und weitere fragwürdige Postings auf dem eigenen Facebook-Profil - dass das böse Folgen haben kann, ist zwischenzeitlich bekannt. Die Personaler dieser Welt googeln die Bewerber mittlerweile standardmäßig, wobei der Blick auf das größte soziale Netzwerk Facebook eine zentrale Rolle spielt. Doch nicht nur die Wirtschaft nutzt Facebook, um sich über Personen zu informieren. Jeder einzelne Nutzer kann erschreckend viele Infos über jedes Profil erhalten - völlig unabhängig davon, ob er mit der Person befreundet ist, oder nicht.

Facebook bietet detaillierte Suche

Möglich macht das die Funktion "Graph Search", die es seit 2013 für das englischsprachige Facebook gibt. Nutzer, die bei den Einstellungen die Sprache Deutsch ausgewählt haben, können bei der Suchfunktion keine zusätzlichen Suchfilter einstellen. Tippt man beispielsweise als Suchwort SÜDKURIER ein, klappt lediglich eine kleine Liste mit passenden Treffern auf. Ganz andere Welten eröffnen sich Nutzern, die bei den Spracheinstellungen "Englisch (US)" angegeben haben. Hier kann man den Begriff SÜDKURIER in den Kategorien Top-Treffer, aktuellste Beiträge, Personen, Fotos, Videos, Shop, Seiten, Orte, Gruppen, Apps und Veranstaltungen suchen. Doch Graph Search spuckt auch Antworten auf konkretere Fragen aus. Sucht man nach "Personen, die SÜDKURIER mögen", tauchen alle Nutzer auf, die eine SÜDKURIER-Facebook-Seite mit "Gefällt mir" markiert haben.

Auch wenn man als Nutzer, der Facebook auf Englisch nutzt, deutlich genauer suchen kann, findet man als Laie nicht alles, was eine Person, vielleicht auch unbewusst, auf Facebook preisgibt. In vielen Fällen ist deutlich mehr zu finden, als eine einfache Suche offenbart, denn das Netzwerk speichert alle Daten für die Ewigkeit. Um darauf aufmerksam zu machen, hat der belgische Hacker Inti De Ceukelaire "Stalk Scan" entwickelt, eine einfache Anwendung, die einem alle öffentlich zugänglichen Daten jedes beliebigen Facebook-Profils dieser Welt ausspuckt.

Zwar werden Inhalte, die durch die persönlichen Privatsphäre-Einstellungen geschützt sind, in der Regel nicht angezeigt. Sobald jedoch andere Freunde den Inhalt geteilt haben, oder Personen darin vertaggt, also markiert sind, kann Graph Search die Inhalte auslesen. "Durch meine Aktionen und benutzerfreundlichen Tools möchte ich die weniger technikaffinen Leute erreichen, weil die meisten von ihnen keinen Schimmer haben, was sie alles mit der Öffentlichkeit teilen", erklärte er die Idee hinter Stalk Scan gegenüber dem Magazin VICE. Dass diese Handreichung zum Stalking trotz aller missionarischen Intention einen fragwürdigen Beigeschmack hat, scheint dem Macher durchaus bewusst. Teilt man Stalk Scan über Twitter, wird als Vorspann zum Link die Zeile: "Gruselig. Facebook-Scanner enthüllt alles Öffentliche, das Facebook Dir nicht zeigt." vorgeschlagen.
 

Altes Problem entfacht neue Diskussion

Mit Stalk Scan stößt De Ceukelaire in seinem Heimatland Belgien eine neue Debatte zum Thema Datenschutz an. Andere nutzen die Gelegenheit, um das eigene Profil auf Lücken abzuklopfen, oder mehr über den den ein oder anderen User zu erfahren. Dazu kopiert man den Link eines beliebigen Facebook-Profils. Stalk Scan bietet dabei verschiedene Filter an:

Zeit: Alles, heute, diese Woche, diesen Monat, die Jahre von 2009 bis 2017, die Jahre vor 2009

Nach was gesucht wird: Personen, Seiten, Freunde, einen bestimmten Freund, Familie, Freunde von Freunden, Kollegen, Klassenkameraden, Personen, die in derselben Stadt leben.

Geschlecht und Alter

Beziehungsstatus: single, verlobt, verheiratet

In folgenden Kategorien wird ausgewertet: Profil, Tags, Kommentare, Likes, Orte, Personen und Interessen

Doch nicht nur ein Werkzeug zum Stalken bietet De Ceukelaire der Internetöffentlichkeit an, sondern auch einen Tipp, wie man möglichst viele Inhalte verbergen kann. "Ich würde Leuten raten, ihr Profil zu überprüfen, während sie über das Konto eines Freundes eingeloggt sind. Wenn sie unerwünschte Inhalte sehen können, sollten sie vielleicht einige Tags, Likes und Fotos von ihrem Profil löschen. Wenigstens können sie auf diese Weise überprüfen, was andere Leute sehen können."
 
Auf die Gefahren, die eine allzu freizügige Nutzung von Facebook verursachen kann, wird immer wieder von verschiedensten Seiten hingewiesen. Besonders eindrücklich ist die Facebook-App "Take this Lollipop", in der das eigene Profil in einen drei minütigen Clip eingebunden wird. In dem ist ein Stalker zu sehen, der scheinbar das Profil des Nutzers nach Daten durchsucht. Das 2011 veröffentlichte Projekt zeigt besonders eindrücklich, welche Risiken hinter gedankenlosen Postings schlummern.
 
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