Pressestimmen zum Nordkorea Konflikt: Krieg eher unwahrscheinlich
Berlin
10.08.2017 19:36
Droht ein Krieg zwischen Nordkorea und den USA? Internationale Kommentatoren sehen eher taktische Manöver hinter den verbalen Attacken. Dennoch ist die Lage hochbrisant.

Drohungen und Spott, der Krieg der Worte zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un spitzt sich zu. Eine militärische Eskalation halten viele internationale Medien aber eher für unwahrscheinlich. Doch in Trumps aggressiver Rhetorik sehen sie eine Gefahr.

„Magyar Nemzet“ (Ungarn): „So kämpferisch es sich auch gibt – das Regime von Kim Jong Un hat kein Interesse an einem Krieg. Denn obwohl es in einem solchen dem Gegner bedeutende Verluste zufügen kann, besteht kein Zweifel daran, dass am Ende Nordkorea besiegt und es damit auch mit dem Regime vorbei wäre.“

„Lidove noviny“ (Tschechien): „Unsereins sagt sich, dass es diesmal nicht zu einem heißen Krieg kommen wird. Nicht dass Kim Jong Un dies ausschließen würde, aber anhaltende Spannungen nutzen ihm mehr. Er ist nicht so verrückt zu glauben, er könne die USA in einem Krieg besiegen. Doch er kann vielleicht die USA dazu bewegen, mit ihm wie mit einem Gleichen unter Gleichen zu verhandeln – und nicht wie mit einem tollwütigen Hund.“

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz): „Was die aggressiven Töne Amerika nützen, ist nicht ersichtlich.(...) Obwohl amerikanische Stellen immer wieder sagen, "alle Optionen" gegenüber Nordkorea blieben auf dem Tisch, ist unverändert klar, dass ein Krieg gegen Kim ein fürchterliches Gemetzel auf der koreanischen Halbinsel nach sich ziehen würde. An einer derartigen Eskalation dürfte keine der involvierten Parteien ein Interesse haben.“

„La Repubblica“ (Italien): „Falls Trump jedoch glaubt, einen "psychischen Kleinkrieg" zu führen, könnte er sich verrechnet haben. Kim als Paranoiker kann die Aussicht auf einen amerikanischen Angriff aufregen und weiter aufhetzen (...). Und sie beflügelt seinen Allmachtsrausch im Traum von einer finalen Konfrontation zwischen dem kleinen Nordkorea und dem großen amerikanischen Imperium.“

„Die Presse“ (Österreich): „Dieser Wettlauf des Wahnwitzes kann schnell im Abgrund enden. Dann nämlich, wenn einer der beiden Maulhelden glaubt, dass der andere nur blufft – oder tatsächlich zu einem Präventivschlag ausholt. Machterhalt ist das oberste Prinzip der Kim-Dynastie. Deshalb wird Kim keinen Krieg vom Zaun brechen, der sein sicheres Ende bedeutet. Doch er wird auch unter keinen Umständen seine Lebensversicherung aufgeben: das Atomwaffenprogramm, das sein Clan unbeirrt von Sanktionen seit Jahrzehnten vorantreibt. In dieser Krise kann es nur eine Strategie geben: abwarten, abschrecken und auf einen Zerfall des stalinistischen Regimes hoffen. Trumps Dr.-Seltsam-Taktik, sich ähnlich unberechenbar wie Kim zu geben, könnte sich indes als Rezept für die Apokalypse erweisen.“

„Times“ (Großbritannien): „Sollte es tatsächlich zu einem Präventivschlag gegen Pjöngjang kommen, würde vor allem Südkorea "Feuer und Wut" zu spüren bekommen. Nordkorea hat schwere Artillerie in Schussweite von Seoul installiert, wo rund 25 Millionen Menschen leben. Trotz der allgemeinen Furcht vor den Absichten von Kim Jong Un wäre es für das Weiße Haus schwierig, in der Region Unterstützung für einen von den USA geführten Krieg zu bekommen. (...) der Preis in Form von zivilen Opfern und der Vertrauensverlust für die USA in der Region und in der ganzen Welt würden daraus eine Pyrrhussieg und eine außerordentliche Tragödie machen.“

„Aftenposten“ (Norwegen): „China ist Nordkoreas Rettungsboje. Das Land ist unter anderem abhängig von chinesischem Öl und chinesischen Banken. Alles deutet darauf hin, dass China wünscht, zu einer Lösung beizutragen, die Nordkorea aus der Atomspur bringt.“

„New York Times“ (USA): „Der beste Weg, um diesen Konflikt friedlich zu Ende zu bringen, sind härtere Sanktionen in Verbindung mit (Außenminister) Tillersons weiteren Bemühungen um eine diplomatische Lösung. Darauf sollte sich auch Trump konzentrieren. Sich auf ein Wortgefecht mit Nordkorea einzulassen, erschwert es beiden Seiten, die Situation zu deeskalieren.“

„De Tijd“ (Belgien): „Diplomatie betreibt man nicht mit Drohungen, ganz sicher nicht bei einem Widersacher, der sich davon nicht beeindrucken lässt. Wenn die USA Nordkorea dazu bringen wollen, mit der Entwicklung von Atomwaffen zu stoppen, bedarf es dazu ernsthafter diplomatischer Anstrengungen. Es scheint jedoch, dass der jetzige Bewohner des Weißen Hauses für eine derartige Aufgabe nicht gemacht ist.“

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