Lastwagen rast in Stockholm in Menschenmenge und Kaufhaus
Überblick über den Tatort, aufgenommen am 08.04.2017 in Stockholm (Schweden) abgelegt. In einer zentralen Einkaufsstraße der schwedischen Hauptstadt waren am Freitagnachmittag vier Menschen getötet und 15 verletzt worden, als ein Lkw erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast war. Foto: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Überblick über den Tatort, aufgenommen am 08.04.2017 in Stockholm (Schweden) abgelegt. In einer zentralen Einkaufsstraße der schwedischen Hauptstadt waren am Freitagnachmittag vier Menschen getötet und 15 verletzt worden, als ein Lkw erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast war. Foto: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | | Bild: Antti Aimo-Koivisto (Lehtikuva)
Ein Lastwagen war in Stockholm gegen 15 Uhr in einer Fußgängerzone in eine Menschenmenge gerast. Dabei sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden.
Ein Lastwagen war in Stockholm gegen 15 Uhr in einer Fußgängerzone in eine Menschenmenge gerast. Dabei sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden. | Bild: AFP
Blumen werden in Stockholmin der Nähe des Einkaufszentrums «Åhléns City», dem Ort des LKW-Anschlags vom Vortag, niedergelegt.
Blumen werden in Stockholmin der Nähe des Einkaufszentrums «Åhléns City», dem Ort des LKW-Anschlags vom Vortag, niedergelegt. | Bild: Markus Schreiber (AP)
Stockholm
07.04.2017 23:09
Knapp 24 Stunden nach dem Lastwagen-Anschlag von Stockholm setzt die Polizei das Bild von der Tat wie ein Mosaik zusammen. Noch ist aber unklar, ob der Hauptverdächtige aus Usbekistan allein handelte. Und ob die Terrormiliz IS hinter der Bluttat mit vier Toten steht.

Der mutmaßliche Terroranschlag mit einem Lastwagen in der Stockholmer Innenstadt geht nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden auf das Konto eines 39-jährigen Usbeken. Ob der am Freitagabend festgenommene Mann aus Sympathie für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, werde noch untersucht. «Nichts besagt, dass wir die falsche Person festgenommen haben», betonte Reichspolizeichef Dan Eliasson auf einer Pressekonferenz in Stockholm. Man könne aber noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt gewesen seien.

Staatsanwalt Hans Ihrman sagte auf die Frage nach einem terroristischen Motiv: «Viel spricht zum jetzigen Zeitpunkt dafür, dass das der Fall ist.» Das Telefon des Verdächtigen und seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken würden untersucht, teilten die Ermittler weiter mit. Der Verdächtige war der Polizei seit dem Vorjahr namentlich bekannt. Nach dem Anschlag in Stockholm gebe es genügend Verdachtsmomente, um den Mann festzuhalten. Das Tatmotiv sei derzeit aber noch unklar. «Wir kennen seine Absichten nicht», sagte Eliasson über den 39-Jährigen.

Am Vortag war ein Lastwagen im Zentrum der schwedischen Hauptstadt in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gefahren. Dabei wurden vier Menschen getötet. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden gab es außerdem 15 Verletzte. Davon waren am Samstagnachmittag acht noch im Krankenhaus.

Der Täter war mit einem gekaperten Lastwagen am Freitagnachmittag erst in eine Menschenmenge in einer großen Stockholmer Einkaufstraße gefahren, dann in die Front eines Kaufhauses. Dort hatte der Lkw Feuer gefangen und der Täter war zunächst geflohen. Der am Freitagabend festgenommene Mann stimmt nach Polizeiangaben mit Beschreibungen einer Person überein, die sich in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll. 

Polizei schließt mehrere Täter in Stockholm nicht aus

Die Polizei in Stockholm schließt nicht aus, dass an dem Lkw-Anschlag mit vier Toten mehrere Täter beteiligt waren. «Wir können weiter nicht ausschließen, dass mehr Personen in die Attacke verwickelt sind», sagte der Chef der Reichspolizei, Dan Eliasson, am Samstag auf einer Pressekonferenz. Es werde weiter ermittelt.

Der Anschlag hatte die Stadt am Freitag tief erschüttert, das öffentliche Leben kam weitgehend zum Erliegen. Augenzeugen berichteten von «Unmengen an Blut» und Leichen auf dem Asphalt.

Die schwedischen Behörden bleiben in Alarmbereitschaft

Der Lastwagen wurde in der Nacht zum Samstag abgeschleppt und soll nun kriminaltechnisch untersucht werden. Der Tatort und die Umgebung blieben zunächst abgesperrt. Nachdem der U-Bahn- und Zugverkehr in Stockholm stundenlang stillgestanden hatte, rollten am frühen Morgen wieder Züge aus den Bahnhöfen.

Die schwedischen Behörden bleiben in Alarmbereitschaft. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven. Innenminister Anders Ygeman sagte dem schwedischen Rundfunk, die Kontrollen könnten um weitere 20 Tage verlängert werden, um einen Täter oder gegebenenfalls Helfer an der Flucht zu hindern.

«Das ist ein furchtbares Attentat. Das, was zuvor in Nizza, Berlin und zum Teil in London geschehen ist, ist nun auch hier passiert», so Ygeman am Samstag im schwedischen Fernsehen. «Wir müssen überlegen, welche Formen von Hindernissen wir für Autos haben können, die auf Straßen und Plätze fahren, und wie man Fußgänger schützen kann», fügte er hinzu.

In der Einkaufsstraße Drottninggatan hatte es bereits im Dezember 2010 einen Anschlag gegeben. Damals explodierte dort ein Auto, während sich fast zur gleichen Zeit an einer anderen Straße im Zentrum Stockholms ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung in die Luft sprengte. Zwei Passanten wurden leicht verletzt. Auch der Mord an dem damaligen schwedischen Regierungschef Olof Palme 1986 hatte sich ganz in der Nähe abgespielt.

Für die Opfer des Lkw-Anschlags soll es am Montagmittag eine Gedenkfeier und eine landesweite Schweigeminute geben, kündigte Löfven an, nachdem er einen Strauß roter Rosen in der Nähe des Tatorts niedergelegt hatte. Nun müssten er und seine Landsleute versuchen, ihre Wut in etwas Konstruktives zu verwandeln. «Wir sind eine offene, demokratische Gesellschaft, und das werden wir auch bleiben.»

Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel von Schweden stehen am 08.04.2017 in Stockholm (Schweden) am Ort des LKW-Anschlags vom Vortag und geben Interviews. In einer großen Einkaufsstraße in der schwedischen Hauptstadt waren am Freitagnachmittag vier Menschen getötet und 15 verletzt worden, als ein Lkw erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast war.
Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel von Schweden stehen am 08.04.2017 in Stockholm (Schweden) am Ort des LKW-Anschlags vom Vortag und geben Interviews. In einer großen Einkaufsstraße in der schwedischen Hauptstadt waren am Freitagnachmittag vier Menschen getötet und 15 verletzt worden, als ein Lkw erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast war. Bild: Antti Aimo-Koivisto (Lehtikuva)

Schwedens Kronprinzessin Victoria (39) und ihr Mann Prinz Daniel (43) legten am Tag nach dem Lkw-Anschlag in der Nähe des Tatorts rote Rosen nieder. «Ich fühle große Trauer und Leere», sagte die Thronfolgerin laut Boulevardzeitung «Aftonbladet». «Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen.»

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