Keine Welpen vom Fließband - So findet man seriöse Züchter
Ratgeber
23.03.2017 20:00
Soll es ein Rassehund sein, führt der Weg häufig zum Züchter. Dabei sind viele Dinge wichtig: Welchen Eindruck die Welpen machen oder wie viele Rassen angeboten werden. Wer sicher gehen will, dass der Züchter seriös ist, lässt sich am besten vom Tierarzt begleiten.
Mops, Dackel, Schäferhund oder eine andere Rasse: Diese Entscheidung haben wohl alle Hundenarren schon getroffen, bevor es an den Kauf geht. Doch dann steht eine weitere wichtige Wahl an - die des Züchters, bei dem man den Wunschhund kaufen möchte. Tatsächlich sollte man sich dafür ausreichend Zeit nehmen und mehrere Züchter miteinander vergleichen.

   «Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, sollte man darauf achten, dass der Züchter in einem Zuchtverband ist, der wiederum dem Verband für das Deutsche Hundewesen angeschlossen ist», sagt Prof. Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer in Berlin. Das sei ein sehr gutes Indiz dafür, dass der Züchter seriös ist. Udo Kopernik, Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Dortmund, sagt: «Es gibt natürlich auch seriöse Züchter außerhalb des VDH, aber tatsächlich kann die Mitgliedschaft ein wichtiger Hinweis auf Seriosität sein.» Schließlich müssten alle VDH-Mitglieder die Rahmenzuchtordnungen anerkennen und würden von einem Zuchtwart überwacht und kontrolliert.

   Damit ist es für den künftigen Hundebesitzer allerdings noch nicht getan. Er sollte sich den Züchter noch genauer ansehen, empfehlen die Experten. «Der erste Eindruck ist sehr wichtig», sagt Tierarzt Mantel. Man sollte daher schauen, wie die Hunde gehalten werden, ob die Anlage gepflegt ist und ob die jeweilige Rasse die richtigen Spielmöglichkeiten hat.
«Außerdem sollte man darauf achten, wie die Welpen vom Wesen her sind: Wirken sie offen, fröhlich und putzmunter oder eher nicht?»

   Fällt dieser erste Eindruck positiv aus, sollten potenzielle Käufer den Züchter am besten mehrmals besuchen, rät Kopernik. «Zum einen muss die Chemie zwischen Züchter und Käufer stimmen.» Vertrauen sei schließlich sehr wichtig. «Zum anderen wird ein seriöser Züchter genau das begrüßen, weil auch er mehr über die neuen Halter herausfinden und prüfen kann, ob sein Tier in gute Hände kommt.» Außerdem könne der Züchter dann besser einschätzen, welcher Welpe am besten zu einem passt. «Neugierde und Nachfragen von Seiten des Züchters sind ein gutes Zeichen.»   So niedlich die jungen Tiere auch sein mögen - zu früh darf man sie nicht mit nach Hause nehmen. «Welpen müssen mindestens acht Wochen beim Züchter bleiben, wenn möglich sogar zehn», sagt Tierarzt Mantel. Kopernik ergänzt: «Werden Welpen zu früh abgegeben, ist das unseriös, denn dann fehlt dem Tier die Verhaltensgrundausstattung und es kann später unverträglich werden.» Dabei sei auch wichtig, dass man das Muttertier sehen könne und dass der Welpe bei der Mutter aufwachse. «Das ist wichtig für die Entwicklung des Hundes.»

   Noch etwas anderes ist entscheidend: «Ein Züchter sollte nicht mehr als zwei Rassen anbieten», sagt Kopernik. «Er darf nicht nur den Markt bedienen, sondern muss sehr viel lernen über die Zucht und die Tiere.» Das sei für jede Rasse sehr aufwendig.»

   «Besonders wenn die Nachfrage nach bestimmten Hunderassen deutlich steigt, werden diese Tiere aus rein kommerziellen Gründen verstärkt nachgezüchtet, um so ein schnelles Geschäft zu machen», erklärt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund aus Bonn. «Gesundheitliche und charakterliche Merkmale der Tiere bleiben dabei auf der Strecke.» Die Hunde könnten nicht nur schwere Infektions- und Erbkrankheiten aufweisen. «Sie können auch schwere Verhaltensstörungen haben, die entweder durch genetische Defekte bedingt oder aber Resultat der schlechten, restriktiven Zuchtbedingungen sein können.»

Als Laie kann einen das alles sicherlich überfordern - es gibt so viel zu beachten. Mantel empfiehlt daher, einen Tierarzt mitzunehmen, wenn man sich unsicher ist. Dieser könne neutral beraten und zum Beispiel auf anatomische oder psychische Auffälligkeiten aufmerksam machen.   Stutzig sollten Käufer auch werden, wenn ein Züchter ständig neue Welpen hat. «In der Regel muss man warten, kein seriöser Züchter kann permanent junge Tiere anbieten», sagt Kopernik.   All das hat jedoch auch seinen Preis. «Ein vernünftiger Züchter investiert Geld in jeden Hund», sagt Kopernik. Er müsse die Gesundheitsprüfung, die Ernährung, die Zuchtzulassung und andere Dinge finanzieren. Wenn also der Preis bei nur 200 oder 300 Euro liegt, sollte man die Finger davon lassen. «Für ein Rassetier aus seriöser Züchtung muss man oft 1000 Euro oder mehr zahlen.»

 Dubiose Händler vermeiden

Einige Menschen kaufen Tiere auf dem Parkplatz aus dem Kofferraum von angeblichen Händlern. «Das darf man auf keinen Fall tun», warnt Prof. Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Erst wenn es keine Nachfrage nach solchen Hunden aus dubiosen Haltungen mehr gibt, gebe es auch keinen Markt mehr für diese Händler. 
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