Die Polizei hat den Zugang zum Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées gesperrt, nachdem dort Polizisten angegriffen worden waren.
Angriff auf Champs-Elysées: Ein Polizist getötet, zwei verletzt - Antiterror-Staatsanwaltschaft ermittelt
Bild: THOMAS SAMSON (AFP)
Paris
20.04.2017 22:01
Ein Angreifer hat auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées einen Polizisten erschossen und zwei weitere Beamte verletzt.
Nach einem tödlichen Angriff auf Polizisten mitten in Paris gehen die Sicherheitsbehörden einem Terrorverdacht nach. Auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées schoss ein Unbekannter in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wurde getötet. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, im Sender BFMTV. Der Angreifer wurde kurz darauf von der Polizei getötet.
 

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Zu den Hintergründen der Tat gab es zunächst keine Informationen. 

Am kommenden Sonntag ist in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Die Abstimmung soll von 50 000 Polizisten und Soldaten geschützt werden.
Angespannte Situation in Paris: Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Zentrum vor Ort.
Angespannte Situation in Paris: Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Zentrum vor Ort. Bild: THOMAS SAMSON (AFP)

Angreifer eröffnete das Feuer auf einen Polizeiwagen


Die Attacke habe sich gegen 21.00 Uhr abgespielt, hieß es. Ein Auto habe neben einem Polizeiwagen gehalten, ein Insasse des Wagens habe das Feuer eröffnet und einen Beamten getötet, sagte der Ministeriumssprecher. Anschließend habe er nach ersten Informationen versucht, zu Fuß zu fliehen, und habe dabei auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen. Der Mann habe wohl eine automatische Waffe benutzt.

Laut Innenministerium untersuchen Sprengstoffexperten das Fahrzeug des Angreifers. Es sei noch zu früh, um etwas zum Motiv des Angreifers zu sagen, hieß es. Ein Polizeigewerkschafter sagte nach Angaben des Senders BFMTV, derzeit werde weder ein krimineller Hintergrund noch ein Terrorakt ausgeschlossen.
Auch Feuerwehr- und Rettungskräfte sind in Paris im Einsatz.
Auch Feuerwehr- und Rettungskräfte sind in Paris im Einsatz. Bild: FRANCK FIFE (AFP)

Die Champs-Élysées waren am späten Abend weiträumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste über der Szene. Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz, auch Soldaten waren vor Ort. Polizisten schrien Passanten an, von der Straße zu gehen. Die Polizei rief außerdem über Twitter dazu auf, den Bereich zu meiden.
 

Pariser Innenministerium: Nach ersten Erkenntnissen nur ein Angreifer


Bei der Schießerei auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées gab es nach ersten Erkenntnissen nur einen Angreifer. Das gehe aus ersten Zeugenaussagen hervor, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, am Donnerstagabend vor Journalisten. Man könne aber nicht ausschließen, dass es einen oder mehrere Komplizen gebe, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt waren.

Nach dem tödlichen Angriff auf Polizisten in Paris hat der Sprecher des Innenministeriums betont, dass es keine weiteren Vorfälle „dieser Art“ in Paris gegeben habe. Pierre-Henry Brandet rief am Donnerstagabend vor Journalisten zu Vorsicht wegen kursierender Gerüchte auf. „Es gibt heute Abend ein einziges Ereignis dieser Art in Paris, es gibt keine anderen Aktionen“, sagte der Sprecher. Er widersprach auch Berichten, wonach ein zweiter Polizist gestorben sei.
Die Polizei sichert nach dem Angriff eine Straße nahe des Champs Elysees in Paris.
Die Polizei sichert nach dem Angriff eine Straße nahe des Champs Elysees in Paris. Bild: Kamil Zihnioglu (AP)

Krisentreffen im Élyséepalast


Nach dem Angriff auf Polizisten in Paris hat Frankreichs Präsident François Hollande wichtige Regierungsmitglieder zu einer Krisensitzung versammelt. Er beriet sich am Donnerstagabend mit Premierminister Bernard Cazeneuve sowie dem Innen- und dem Justizminister, wie der Élyséepalast auf Twitter mitteilte.

Ausnahmezustand und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Frankreich


In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie der Ausnahmezustand. Die französische Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin verstärkt. Trotz der Terrorgefahr setzten die Kandidaten ihren Wahlkampf fort. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf. Die Stichwahl ist für den 7. Mai geplant.

Beim ersten Wahlgang wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron erwartet.
 
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