Marion Caspers-Merk im Interview: Die glückliche Lottokönigin aus dem Markgräflerland
Konstanz
03.08.2017 18:39
Marion Caspers-Merk leitet die landeseigene Lotto-Gesellschaft. Im Gespräch zieht sie Bilanz. Nur über eines spricht sie ungern: Ihr eigenes Gehalt.

Marion Caspers-Merk besitzt eines der schönsten Ämter im Land. Die ehemalige SPD-Politikerin leitet die Lotto Baden-Württemberg und verwaltet damit ein Füllhorn, das ohne Ende gießt und schüttet. Sie tut ein gutes Werk: Die Spieler können spielen, doch der Staat wirft ein Auge auf seine Zocker und kann Spielsucht so bekämpfen. Zugleich ist der Lotto-Betrieb bei minimalem Einsatz ein profitabler Landesbetrieb. Täglich kann sie gut eine Million Euro an den Landeshaushalt überweisen. Das schafft Freude beim Finanzminister – und bei den Empfängern, zu denen Bittsteller aus den Bereichen Sport, Kultur oder Soziales zählen.

 

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Wie eine barocke Erzherzogin fährt die Sozialdemokratin durch die Lande. Sie zeichnet besonders gut eingerichtete Lotto-Annahmestellen aus, wohnt Scheckübergaben bei, schüttelt dankbare Hände, hört Lobreden zu. Und sie besucht den SÜDKURIER, der sie über viele Jahre journalistisch begleitet hat. Nach vielen Jahren im Bundestag (Wahlkreis Lörrach-Müllheim) und sieben Jahren als Staatssekretärin für Gesundheit im vergangenen Jahrzehnt hat sie spielerisch eine Position erreicht, mit der sie rundum zufrieden ist.

Beim Besuch dieser Zeitung legt sie Zahlen vor, die imposant sind: Im vergangenen Jahr setzten Baden-Württemberger eine knappe Milliarde Euro ein, um den großen Treffer zu landen. 2,4 Millionen Menschen im Land spielen, das ist etwa jeder und jede Vierte. Pro Kopf werden im Land 89 Euro pro Jahr umgesetzt. Caspers-Merk ist sich sicher: „Gespielt wird immer.“ Das Geschäftsmodell sei narrensicher, zumal über das Internet jetzt auch vermehrt junge Spieler mobilisiert werden.

In ihrem politischen Leben war sie auch Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Jetzt fördert sie das Suchtverhalten der Zocker und Zockerinnen? Nein, so will sie das nicht verstanden wissen. Entscheidend sei die staatliche Kontrolle über die Spieler, sagt sie und verweist auf Länder, in denen das Glücksspiel völlig dem freien Spiel der Kräfte anvertraut ist. Als Landesbetrieb könne Toto-Lotto immerhin begrenzend einwirken. „Bestimmte Spiele bieten wir nicht.“ Sie sei weiterhin für die Gesundheit aktiv, sagt sie, und: „Ich wollte im Präventionsbereich bleiben.“ Damit schließt sie ihre kühne Schleife ab, die sie mit Beredsamkeit und im warmen Mannheimerisch vorträgt.

Wo viel von schwarzen Zahlen und gutem Geld die Rede ist, bleibt die Frage: Wie viel verdienen Sie, Frau Caspers-Merk? Da wird die 62-Jährige recht still. Sie verweist ungewohnt wortkarg aufs Internet. Dort könne man das alles nachlesen (2016: knapp 159 000 Euro). Ihr Tonfall ändert sich: „Ich lasse mir nichts vorwerfen. Ich möchte nach meiner Leistung beurteilt werden.“

Tatsache ist, dass die rührige SPD-Frau im Jahre 2013 den Job bei der Landes-Lotto erhielt, als mit Nils Schmid ein SPD-Mann das Finanzministerium leitete. Eine klassische Parteibuch-Karriere also? Frau Caspers-Merk aus dem Markgräflerland lehnt das vehement ab. Sie ist überzeugt von ihrer Tüchtigkeit und lobt sich ungeniert selbst über den vierblättrigen Klee. Sie steht über billigem Parteibuchdenken, meint sie.

 

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