BMW-Freunde Bodensee: Ihre Leidenschaft gehört Autos mit Charakter
<strong>Die „BMW-Freunde Bodensee“ in der Museumswerkstatt in Gerbertshaus:</strong> Michael Höss (vorn) im „Dixie“ gehört wie sein Vater Franz Höss, Willi Wielath und Paul Stampfer (von links) zum Club. Erich Beller (rechts) ist Automechaniker mit 60-jähriger BMW-Erfahrung.
Die „BMW-Freunde Bodensee“ in der Museumswerkstatt in Gerbertshaus: Michael Höss (vorn) im „Dixie“ gehört wie sein Vater Franz Höss, Willi Wielath und Paul Stampfer (von links) zum Club. Erich Beller (rechts) ist Automechaniker mit 60-jähriger BMW-Erfahrung. | Bild: Katy Cuko
<strong>Ordnung muss sein:</strong> Die Museumswerkstatt verfügt über die meisten BMW-Spezialwerkzeuge, die Michael Höss nach Gebrauch wieder einsortiert.
Ordnung muss sein: Die Museumswerkstatt verfügt über die meisten BMW-Spezialwerkzeuge, die Michael Höss nach Gebrauch wieder einsortiert. | Bild: Katy Cuko
<strong>Eine echte BMW-Legende:</strong> Beim Z1 klappen die Türen des Roadsters nicht auf, sondern versinken im Chassis.
Eine echte BMW-Legende: Beim Z1 klappen die Türen des Roadsters nicht auf, sondern versinken im Chassis.
Friedrichshafen
13.05.2017 13:00
In Friedrichshafen pflegen die BMW-Freunde Bodensee ihre Oldtimer und die Liebe zum gleichen Hobby

In gut zwei Meter Höhe ist die tiefschwarz glänzende Limousine mit den chromblitzenden Stoßfängern aufgebockt. Darunter steht Erich Beller, eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Der 86-jährige Automechaniker schraubt seit 60 Jahren an BMWs herum. Der V8 502 braucht ein neues Kupplungswellenlager. Das 1959 erstmals zugelassene Automobil mit 3,2-Liter-Maschine ist die hochmotorisierte Version des ersten Nachkriegs-BMW, der als „Barockengel“ in die Geschichte einging. „17 800 Mark kostete das Vergnügen 1954, dieses Auto mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometer über die damals leeren Autobahnen zu jagen“, sagt Paul Stampfer. Der Friedrichshafener hat seinen BMW-Oldtimer 50 Jahre später erworben und ihn von einem Restaurator komplett neu aufbauen lassen. Seither hält er mit Freude und Akribie jedes noch so kleine Bauteil in Schuss.

Dabei hilft ihm nicht nur Erich Beller, sondern auch Franz und Michael Höss schrauben mit. Unter der Karosse fachsimpeln und arbeiten die Männer stundenlang, bis das neue Lager und die Kupplungswelle wieder „sitzen“. Vater und Sohn Höss sind schon seit den 1980er-Jahren mit Liebe und Leidenschaft klassischen BMW-Fahrzeugen auf der Spur und eröffneten kurz vor der Jahrtausendwende ihr privates Automuseum in Gerbertshaus, einen Steinwurf entfernt vom Flughafen Friedrichshafen. Hier stehen 13 Autos, die bei BMW- und Oldtimerfans den Herzschlag auf Touren bringen. Vom „Dixi“ aus den 1930-Jahren über die Isetta aus den Fünfzigern – sogar in der viersitzigen Variante – bis zum 8er Coupé, dem ersten Zwölf-Zylinder aus dem Hause BMW, Baujahr 1991. „Alle Autos sind originalgetreu restauriert und fahrbereit“, sagt Michael Höss nicht ohne Stolz.

Dafür braucht es nicht nur technischen Fachverstand und viel Zeit zum Werkeln, sondern auch Original-Ersatzteile oder wenigstens die Möglichkeit, sie originalgetreu nachzubauen. Beides leistet die Höss’sche Museumswerkstatt. Gut 30 Jahre haben beide Männer Teilemärkte auf der Suche nach BMW-Ersatzteilen abgeklappert. Tausende, teils verrostete Stücke lagern im Keller. „Die kann man gut aufarbeiten“, erklärt Franz Höss. Gibt es keine passenden Bauteile mehr, stellt sie Höss Senior selbst her. Der Zerspanungsfachmann hat eine eigene Firma, die kleinere Stückzahl-Serien für die Automobilindustrie zuliefert. Auf den modernen Dreh- und Fräsmaschinen in seiner Werkstatt hat der 67-Jährige schon reihenweise BMW-Ersatzteile hergestellt. Montiert wird alles mit BMW-Spezialwerkzeug, das an zwei Wänden fein säuberlich sortiert ist.

Jeden Samstag treffen sich die Männer, um ihrem Hobby nachzugehen. Seit sieben Jahren nennen sie sich die „BMW-Freunde Bodensee“, zu denen neben Stampfer und der Höss-Familie auch Willi Wielath aus Oberteuringen gehört. „Eine rein private Vereinigung“, erklärt Paul Stampfer, den die anderen liebevoll und neckisch zugleich ihren „Präsidenten“ nennen. BMW-Clubs gibt es in Deutschland hunderte, jeder der Vier ist noch anderweitig organisiert. Allein der V8-Club hat 1000 Mitglieder. „Die Oldtimer-Szene ist so groß“, sagt Michael Höss, der die BMW-Leidenschaft von seinem Vater übernommen hat. Für diese Szene ist die „Klassikwelt Bodensee“ wie ein Familientreffen. Erst recht für den kleinen Privat-Club, für den die Messe in Friedrichshafen ein Heimspiel ist.

„Wir sind von Anfang an dabei“, sagt Michael Höss, der als Betriebswirt bei Airbus beruflich völlig anders gelagert ist. Drei bis vier Oldtimer aus der Museumswerkstatt, dazu die V8 von Wielath und Stampfer, stellen sie aus, bewirten ihre Gäste am Stand vergleichsweise fürstlich. Mit leerem Magen fachsimpelt es sich schlecht.

Fragt man die BMW-Freunde nach dem finanziellen Wert ihrer Sammlung, lächeln die Männer milde. Die Währung zählt irgendwie nicht – trotz stetig steigendem Oldtimerindex. Der beschert beispielsweise dem BMW 507, der das gleiche Fahrgestell wie der „Barockengel“ hat, aber nur 250 Mal vom Band lief und als ausgesprochene Design-Ikone der Fünfziger gilt, eine traumhafte Wertsteigerung auf aktuell rund zwei Millionen Euro. Paul Stampfers Wagen ist heute zwar auch mindestens das Zehnfache des Anschaffungsbetrags von 2004 wert – aber immer noch im fünfstelligen Bereich. Wieviel Geld er allerdings seither investiert hat, steht auf einem anderen Blatt. Gerade hat er das Getriebe komplett überholen lassen. Verkaufen würde er seinen BMW nie und nimmer.

 

Klassikwelt Bodensee

Die Oldtimergemeinde trifft sich vom 19. bis 21. Mai zur 10. „Klassikwelt Bodensee“ auf dem Messegelände in Friedrichshafen. Über 800 Aussteller, Clubs und Teilnehmer sind in zehn Hallen auf 85 000 qm Fläche präsent. Erwartet werden rund 38 000 Besucher. Neben dem Angebot von Fahrzeughändlern und Privatanbietern bietet die Messe für Ersatzteil- und Zubehörsuchende ein volles Sortiment. Fans des klassischen Rennsports kommen beim „Vintage-Racing“ auf dem neuen Messerundkurs auf ihre Kosten. Fachvorträge des Oldtimerverbands „Deuvet“ über Themen im Oldtimerrecht sowie Tipps und Praxisvorführungen für „Schrauber“ der Fahrzeugakademie Schweinfurt runden das Angebot ab. Auch Fachbetriebe stehen für Fragen rund um das Thema Restaurierung mit Rat und Tat zur Seite. In der Sonderschau „Bella Italia“geht es um die Klassiker aus Italien. Neben der Sonderschau seltener historischer Flugzeuge in der „Hangar-Halle“ A3, starten täglich ab 14.30 Uhr Piloten zu einer halbstündigen Airshow. 

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